Believer - Gabriel

Review

Um ehrlich zu sein, habe ich von den altehrwürdigen BELIEVER aus Pennsylvania noch nie etwas gehört. Dabei war die Band in den 1980er und 1990er Jahren eine Größe auf dem Gebiet des technisch anspruchsvollen Thrash Metal und mit Bands wie BOLT THROWER auf Tour. Ihr letztes Album „Dimensions“ mit seinem 20-Minuten langen Opern-Abstecher wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen, trotzdem löste sich BELIEVER 1994 auf.
Jetzt, 16 Jahre nach „Dimensions“, werfen BELIEVER einen neuen Silberling auf den Markt. Einige bekannte Gastmusiker sind auf der Platte zu hören, so etwa Deron Miller von CKY oder Howard Jones von KILLSWITCH ENGAGE.

Auch wenn sich die Band grob am Leitstern „Thrash“ orientiert, sind die Songs mit Ton-Schnipseln, Keyboardsamples und Zitaten aus anderen Genres gespickt. Die Offbeat-Nummer „Medwton“ präsentiert sich zu Beginn noch wie ein Oldschool-Thrasher, in der Strophe erinnert der Einsatz von sphärischen Keyboards und dem eigenwilligem Rhythmus des Bass aber an Bands wie CYNIC. Auch der Anfang des nächsten Songs „A Moment In Prime“ könnte mit seinem astreinen Thrash-Riff von den Kollegen TESTAMENT stammen, während der Instrumental-Part einen stark progressiven Einschlag hat. Zwischen diesen beiden Polen pendeln BELIEVER aber nicht gemütlich hin und her. Vielmehr strotzen die Songs nur so vor Tempowechseln, Breakdowns und Bridges. Die Band hat auch keinen Skrupel, die eine oder andere Dissonanz in ihre Musik einzubauen. So ist es kaum verwunderlich, dass zwei der Bandmitglieder während der Produktion des Songs „Stoned“, in dem sie sich immer wieder einen Keyboard-Einsatz anhörten, Übelkeit und starke Kopfschmerzen bekamen. Damit es dem Fan nicht ähnlich ergeht, spielt die Band ab und zu entspannte Instrumental-Parts, manchmal sogar im Reggae-Rhythmus. Diese Vielschichtigkeit macht ein entspanntes Durchhören nahezu unmöglich.

Dabei könnte die Band auch einfach nur Thrash spielen. Die Riff-Ideen wie der Maschinengewehr-Sound à la BOLT THROWER in „Stoned“, das lehrbuchmäßige Anfangs-Riff von „A Moment in Prime“ oder das ordentliche Brett in „Focused Lethality“ zeigen das. Aber das war der Band wohl zu langweilig und so wird sich unverblümt aus anderen Genres bedient. Der Höhepunkt von „Gabriel“ ist zweifelsfrei das musikalische Kaleidoskop „Nonsense Mediated Decay“ am Ende des Albums. Um einen ungefähren Eindruck des Songs zu bekommen stelle man sich die Band vor, die sich im Proberaum um ein Radio versammelt hat, spontan den Frequenzregler verstellt und ihre Riffs darauf einstellt, was sie gerade hört. Zu Orgelklängen wird wie KAMELOT abgerockt, zu einem Mann, der scheinbar in einer Radiotalkshow von seiner Entführung durch Aliens spricht, wird ein modernes Thrash-Riff gespielt, Beatboxing wird treffend untermalt und auch zu einem Walzer fällt der Band etwas passendes ein. Besonders schlau wird man aus den bedrohlichen Tonschnipseln oder den Sprach-Samples allerdings nicht. Der Song ist eher eine Art musikalisches Hörspiel ohne echten Sinn, deswegen wahrscheinlich auch das Wörtchen „Nonsense“ im Titel.

Es ist beachtlich, dass man der Band die 16 Jahre mehr oder weniger musikalischer Abstinenz nicht anhört. Zu einem Meisterwerk reicht es dann aber doch nicht. Dafür wirken die Songs wie etwa der mit Howard Jones nicht rund genug, mitreißende Refrains sind ebenfalls Mangelware. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Sound des Albums. Die Produktion mag vielleicht besser sein als alles, was die Band in den Neunzigern vorzeigen konnte, trotzdem ist dieser rohe Sound der Gitarren Geschmackssache. Vor allem dem Schlagzeug hätte etwas mehr Druck und Tiefe gut getan.

Für diejenigen, die noch die alten BELIEVER-Alben im Plattenregal stehen haben: „Gabriel“ holt sich die harten Thrash-Riffs von „Sanity Obscure“ und präsentiert sie so technisch versiert wie auf „Dimensions“. Während Bands wie TESTAMENT oder MEGADETH ihr Ding durchziehen, versuchen BELIEVER ihrem Sound einige moderne Facetten hinzuzufügen. Fans von anspruchsvollem Thrash Metal mit einem Progressive-Faible sollten das Album mal Probe hören.

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06.04.2009

Der metal.de Serviervorschlag

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