BillyBio - Leaders And Liars

Review

Soundcheck März 2022# 18

Mit “Leaders And Liars” meldet sich NYC-Hardcore-Legende Billy Graziadei auf seiner Solo-Nebenspielwiese BILLYBIO zurück. Den meisten dürfte Graziadei durch seine Aktivitäten bei BIOHAZARD und POWERFLO bekannt sein – hinzu kamen Engagements bei BLOOD FOR BLOOD und SUICIDE CITY. Neben vielleicht den Gebrüdern Koller (SICK OF IT ALL) gibt es in Graziadeis Generation wohl wenige Protagonisten, die die DNA des NYC-Hardcore stärker verinnerlicht haben. Nun also nach dem 2018 veröffentlichten „Feed The Fire“ ein neues Solo-Album mit dem Titel „Leaders And Liars“. Corona-Schnellschuss oder echte Inspiration – was erwartet Fans der US-Ostküsten-Hardcore-Schule hier?

Alte Schule mit experimenteller Note

Schon die ersten beiden Tracks auf „Leaders And Liars“ zeigen klar, dass Graziadei unter dem Banner BILLYBIO etwas offener agieren will. Man kann es fast an der Spielzeit der einzelnen Tracks ablesen: Die recht konventionellen Hardcore-Klopper kommen hier in der Regel auf zwei bis maximal drei Minuten. Tempo, Groove, akzentuierte Vocals und ein verlangsamtes Interlude/ein Singalong nach hinten heraus. Das ist in etwa die Formel.

Gerade bei den längeren Tracks gibt es aber noch ein bisschen mehr zu entdecken – die metallische BIOHAZARD-Schlagseite klingt deutlich durch. So verbreitet etwa der Opener „Black Out“ tonnenschwere Neo-Thrash-Vibes, „Fallen Empires“ erinnert zwischendurch an die Nu-Metal-Phase von MACHINE HEAD. Der Closer „Cyanide“ fällt mit seinem groovenden Stoner-Riff und den melodischen Hooklines irgendwie nochmal komplett raus. Immer wieder wird das kompromisslose Material auf „Leaders And Liars“ zudem durch experimentelle Zwischenspiele, zum Teil mit weiblicher Gesangsbeteiligung, aufgelockert. Man kann also nicht behaupten, dass Graziadei sich mit BILLYBIO nicht wenigstens an gewissen Neuinterpretationen im Rahmen des eigenen Genre-Hafens versucht.

Am Ende fehlt bei BILLYBIO die Kohärenz

Leider lässt das Gesamtbild nach einigen Durchgängen dann aber doch etwas Kohärenz vermissen. Hinzu kommen ein paar sicherlich gut gemeinte, aber in der Umsetzung doch eher unglückliche und aus der Zeit gefallene melodischere Gesangseinlagen. Dann doch lieber ein, zwei lyrische Hardcore-Plattitüden mit ordentlich Pfeffer mehr. Nichtsdestotrotz: „Leaders And Liars“ hat durchaus starke Songs und viel Energie. Als Fan der New Yorker Schule und BIOHAZARD-Nostalgiker kann man hier, wenn man nicht gerade eine Genre-Neuerfindung oder ein Konzept-Album erwartet, durchaus zuschlagen.

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18.03.2022

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5 Kommentare zu BillyBio - Leaders And Liars

  1. nili68 sagt:

    Ich bin zwar wahrlich kein Experte für Hardcore und Artverwandtes, aber das Lied hier wären für mich mindestens 7,5 Punkte. Auf jeden Fall mehr als 6..

  2. Watutinki sagt:

    Kann ich zu 100% bestätigen, auch die Aussage, dass ich da kein Experte bin, finde aber es klingt sehr annehmbar, wenn man’s mag.

  3. doktor von pain sagt:

    Ich bin auch nicht der typische Hardcore-Hörer, aber das Billybio-Debüt „Feed the Fire“ fand ich gar nicht schlecht. Den Nachfolger werde ich mir auch mal anhören.

  4. ClutchNixon sagt:

    Ich mochte seine Stimme schon immer lieber als jene von Graf Porno und insofern freue ich mich auf die Pladde. Tolle Enegie für einen Haufen Opas.

  5. Roastbeef sagt:

    Ach, eigentlich ganz geil und macht richtig Laune! Aber nachdem ich mir die fiese Mata leao Grad nochmal angehört hab, wünsch ich mir den Pornomann als Duettpartner dazu! Trotzdem: Geil!