Deadlock - The Arsonist

Review

Galerie mit 13 Bildern: Deadlock auf dem Summer Breeze Open Air 2016

Mit ihrer letzten Scheibe „Bizarro World“ haben DEADLOCK vor etwa zweieinhalb Jahren beim Kollegen Jens Pohl die Höchstnote abgeräumt – was im Anschluss heftige Diskussionen unter den Usern nach sich zog. Mich persönlich konnte der letzte Output der Band um Frontfrau Sabine Scherer nicht wirklich begeistern, von mir hätte es damals wohl sechs Punkte gegeben. Hin oder her: Nun steht mit „The Arsonist“ also der Nachfolger und das mittlerweile sechste Studiowerk in den Startlöchern. Vor den Aufnahmen gab es allerdings noch einige Veränderungen im Lineup: Gründungsmitglied Johannes Prem (Vocals) und der langjährige Gitarrist Gert Rymen haben die Band verlassen, Bassist John Gahlert wechselte daraufhin ans Mikro und der ehemalige Tourmanager und „Mädchen für alles“, Ferdinand Rewicki, ist jetzt für die tiefen Saiten zuständig.

Den Auftakt markiert „The Great Pretender“: Der Track kommt sofort zur Sache und kracht mit fettem Downtuning-Riff und aggressiven Growls von Neu-Sänger Gahlert aus den Boxen, bevor im Refrain Fronterin Sabine Scherer ihren ersten Auftritt hat. Besonderen Reiz verleiht dem Song dabei die Tatsache, dass der Chorus nicht ungezügelt drauflos drischt, sondern geschickt rhythmische Akzente gesetzt werden, die eine sehr interessante Spannung erzeugen – in meinen Augen einer der stärksten Songs, den DEADLOCK je geschrieben haben. Das anschließende „I’m Gone“ beginnt verhaltener und mit effektverhangenen Scherer-Vocals. In der Folge schiebt die Nummer im Strophenpart ordentlich nach vorn, allerdings klingt der Refrain trotz eingängiger Melodieführing etwas geleiert und kann den restlichen Parts nicht das Wasser reichen, was das Energieniveau anbelangt. Kein schlechter Song, im Vergleich zum Opener aber etwas schwächer.

Das an dritter Stelle platzierte „Dead City Sleepers“ kann da schon eher überzeugen: Kernstück des Songs ist wieder einmal der Refrain, der sofort ins Ohr geht und sich tonal sehr deutlich von den rabiat dargebotenen Strophen-Parts abhebt. Allerdings offenbart sich hier erneut ein Problem, das ich mit der gesamten Diskografie der Truppe habe: die Texte. Mensch Meier, was ist das immer wieder für ein inhaltsloses Geseier! „I died a hundred times / No more tears to cry / It’s true – I’m caught in a lie„. Reim dich oder ich fress dich! Wenn man eine Sängerin mit einer solch klaren Stimme wie Frau Scherer an Bord hat, versteht man eben auch jedes Wort, das die Frau singt. Für viele mag das zweitrangig sein – mir persönlich rollt es beim Hören aber regelmäßig die Fußnägel hoch. Nun gut. Ein Wort aber noch zur Gesangsperformance an sich: Sowohl Frau Scherer als auch Herr Gahlert machen ihre Sache über die gesamte Albumlänge sehr ordentlich.

Im anschließenden, spürbar elektronisch angehauchten Titeltrack wird dann verstärkt mit Chören gearbeitet, zudem feuert die Saitenfraktion ein, zwei wahre Killer-Riffs ab. Die etwas dümmlich anmutenden „Fire! Fire“-Rufe im Rihanna-Style hätte man sich hier allerdings sparen können – einprägsam sind sie allerdings, da muss ich dem Kollegen Pohl sicherlich recht geben (Hier geht’s zu seinem Song-By-Song-Review). Das folgende „Darkness Divine“ ist ein solider Song mit einem netten Refrain, aber nicht der ganz große Kracher – wirklich gelungen ist aber der Djent-lastige Zwischenteil, der sehr versiert vorgetragen wird. Das etwas farblose „As We Come Undone“ vermag es im Anschluss allerdings nicht, die dennoch langsam aufkeimende Monotonie zu durchbrechen – an sich zwar ein stimmiger Song, aber mit einem Refrain, der für meinen Geschmack einfach eine Spur zu schmachtend geraten ist. Es folgt mit dem zu Beginn von dezenten Piano-Klängen getragenen „Hurt“ das ruhigste und verhaltenste Stück der Platte. Textlich ist die Nummer – man verzeihe mir die harsche Wortwahl – die mit Abstand peinlichste des Albums. Immerhin weiß der bombastische Schlusspart mit äußerst coolem Gitarren-Solo zu gefallen. Bei „The Final Storm“ und dem BRONSKI BEAT-Cover „Small Town Boy“ wird es dann noch einmal Chor-lastiger und insgesamt wieder härter, wobei ich letztgenannten Track für den stärkeren von beiden halte. Der Schlusstrack „My Pain“ schließlich versprüht mit seinen markanten Synthies phasenweise poppiges Disco-Flair – ein interessantes Experiment, aber für alle selbsternannten „True Metal Heads“ natürlich definitiv ein rotes Tuch.

Am Ende ist „The Arsonist“ ein Album, das ähnlich polarisieren wird wie das Vorgängerwerk. Wer modernem Metal mit Pop-Anleihen und gelegentlichem Elektro-Bombast etwas abgewinnen kann, dürfte jedenfalls Spaß mit der Platte haben, auch wenn die Scheibe für meinen Geschmack nur knapp eine Handvoll richtiger Kracher am Start hat. An der brillanten und druckvollen Produktion von Eike Freese (u.a. CALLEJON, OOOMPH!) und Olman Viper (u.a. CALIBAN) zumindest gibt es nichts zu meckern – die beiden Herrschaften haben den Songs einen Sound auf den Leib geschneidert, der höchsten Modern-Metal-Ansprüchen genügt. Dennoch werden all jene, die bereits „Bizarro World“ als „seelenloses Plastikgekloppe“ abgeurteilt haben, ihre Meinung bei „The Arsonist“ wohl kaum ändern. Ich persönlich werde mit dem Teil jedenfalls auch nicht so richtig warm. Nun, vielleicht werdet ihr es ja.

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23.07.2013

"Am Ende isses immer Arbeit."

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4 Kommentare zu Deadlock - The Arsonist

  1. Pascal sagt:

    Als brilliant und druckvoll empfinde ich die Produktion nun wirklich nicht. Wenn ich den Subwoofer reinschalte, und die Lautstärke auf’s Unermessliche hochdrehe, klar, aber nä. An diesem Punkt krankt es aber bei den meisten Interpreten dieser Spielart. Ansonsten gibt’s zu „The Arsonist“ wohl nicht viel zu sagen. Selbst wenn man das Album nicht gehört hat, schätze ich. Die bisher veröffentlichen Songs, Trailer etc. lassen darauf hoffen, dass sich Deadlock ihrer Linie treu bleiben, mit jedem neuen Werk auf einen gerade angesagten Zug aufzuspringen. Irgendwann ist da von ganz alleine die Luft raus, das ist zum Glück relativ sicher.

  2. Anton Kostudis sagt:

    Vielleicht wäre statt „brillant“ eher „transparent“ das richtige Wort gewesen. Die tiefen Klampfen kommen jedenfalls ultra-scharf und sauber durch, das Drumkit hackt wie ’ne Maschine. Das wollte ich damit ausdrücken. Macht am Ende den Braten aber auch nicht fett, denke ich.

    6/10
  3. Jens sagt:

    „The Arsonist“ tritt gehörig in den Allerwertesten und hat eine Menge an abwechslungsreichen Songs parat. Eine fette Produktion rundet alles ab, und doch fehlt am Ende etwas, das „Bizarro World“ hatte – einen roten Faden. Auf „The Arsonist“ wird wesentlich mehr experimentiert, und das ist auch gut so, aber völlig rund klingt das alles noch nicht. Trotzdem: Ein Album, das Spaß macht.

    8/10
  4. Thorsten sagt:

    Also weiter bis Song 4 hab ich es nicht geschafft. Einfach zuviele „Geräusche“ die da, meiner Meinung nach, nicht hingehören. Aus meinem Radar hörbarer Bands werden Deadlock mit diesem Album ganz sicher verschwinden. Da war mir vor allen die „Wolves“ um einiges lieber.

    4/10