Deadlock
Bizarro World - Song By Song von Johannes Prem (Vocals)

Special

Die neue DEADLOCK „Bizarro World“ – den bekannten DC Comics entlehnt – lässt noch etwa vier Wochen auf sich warten. Für uns wagt Sänger Johannes Prem aber bereits jetzt exklusiv einen Ausblick auf das, was uns Ende Februar erwartet – und gibt Euch einen Einblick in die im wahrsten Sinne „bizarre“ Welt, in der wir doch leben. Wir übergeben hiermit an Joe:

Ich habe mich entschlossen, das Song By Song einmal etwas anders zu gestalten und zwar mit schwerpunktmäßigem Blick auf die Lyrics. „Bizarro World“ ist zwar kein Konzept-Album im eigentlichen Sinne geworden, aber es behandelt mit den Texten stets grob ein Thema, das sich wie ein roter Faden durchs Album zieht, nämlich die erschreckenden Parallelen, die wir in unserem täglichen Leben zu der bizarren Welt des in den DC Comics beschriebenen Planeten ziehen können. Überall begegnen wir in der heutigen Zeit Situationen oder Gegebenheiten, die bei genauem Hinsehen mit normalem Menschenverstand eigentlich total gegensätzlich zu beurteilen wären.

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1. Virus Jones

Und schon sind wir mitten drin in der Bizarro World!

„… it’s me, virus jones, all left alone either stoned or ashamed and the world will not be blamed…“

Man behandelt Krankheiten mit Medikamenten, deren Nebenwirkungen so erheblich sind, dass man am Ende zwar die ursprüngliche Krankheit besiegt hat, jedoch im Nachhinein an den „Nebenwirkungen“ zu Grunde geht. Moderne Medizin bedeutet mittlerweile nichts weiter, als dass ein riesiger Industriezweig versucht, seine Produkte an den Mann bzw. Patienten zu bringen. Man bekämpft Krankheiten, deren Existenz nicht weiter hinterfragt wird, mit Medikamenten, deren Wirkungsweise nicht weiter hinterfragt werden darf, und am Ende lässt man die Person, die man vorgibt retten zu wollen, als Häufchen Elend zurück und stürzt sich weiter in das nächste Projekt! Niemand wagt es kritisch nachzufragen, weil man sich ja schließlich in die Hände von Experten begibt und diese ja wissen was sie tun.

In meinen Augen hitverdächtig und mit einem der besten Refrains, die wir bisher produziert haben!

2. State Of Decay
Und ab zu den nächsten Experten, diesmal in der Politik und den oft leeren Versprechungen!

„… always trusting you blindly now here is the state of play when you open your eyes you will find me in your state of decay …“

Man predigt Frieden und verkauft seine Waffen an Länder, in denen man sich vermutlich leichter von Waffen als von Nahrungsmitteln ernähren könnte. Wahlkampf auf Kosten anderer betreiben, Kriege aus niederen Beweggründen führen, Frieden predigen solange Wahlen anstehen und danach munter weiter im Text… klingt alles bizarr, ist alles leider Realität.

Der vielleicht poppigste Song auf unserem neuen Album, kommt in einem sehr rockigen Gewand und nur mit female Vocals.

3. Falling Skywards

„… grow higher my tower till in heaven we fall where the saints will be devoured when gods and harlots brawl…“

Niemand ist mehr zufrieden zu stellen, jeder strebt immer nach mehr. Man lebt in seiner eigenen Welt, baut sich seinen eigenen Turm, um immer über allen anderen zu stehen und irgendwann die Perfektion zu erreichen. Da man aber selbst mit einem perfekten Umfeld nie zufrieden zu stellen ist und in Selbstverliebtheit und Größenwahn schwelgt, baut man mit genau diesem Turm, der den Himmel greifbar machen soll, an seinem eigenen Untergang. Man schaufelt sich ein himmlisches, egozentrisches Grab.

Für mich ein richtig typischer DEADLOCK-Song mit viel Power und einem sehr stimmungsvollen Ende.

4. Earthlings

„… when on earth, do as earthlings do…“

Weiter mit dem Thema Menschheit. Es gibt auf unserer Welt ganz eigene Gesetzmäßigkeiten, allen voran die Tatsache, das Menschen ALLES dürfen und die Krone der Schöpfung sind. Manche würden wohl tatsächlich erst dann aufwachen, wenn sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen würden und das Leid, das sie täglich oder gar stündlich Unmengen „unwichtiger“ Lebewesen zufügen, am eigenen Leibe spüren müssten. Man schämt sich von Zeit zu Zeit doch extrem sagen zu müssen, dass man dem ein oder anderen Monster auf diesem Planeten in sehr vielen Dingen ähnlicher ist, als man es selbst glauben will.

Nummer eins meiner beiden Favoriten auf „Bizarro World“! Und ich freue mich schon jetzt wie ein kleines Kind darauf, die Japan-Version des Songs einmal live in Tokyo zu performen!

5. You Left Me Dead

„… you left me dead dead as dead can be now come down and devour me till there is nothing left to see so I will never take part in your enormous deception…“

Blender regieren die Welt… Entweder man spielt das Spiel mit und wird Teil dieser Betrügereien oder man wendet sich enttäuscht ab und wartet auf eine Lösung, die sich aber so einfach nicht finden lässt. Staaten verschulden sich, sprechen von schlimmen Wirtschaftskrisen, um im kommenden Weihnachtsgeschäft neue Rekordumsätze zu feiern und danach von einem tollen Aufschwung zu sprechen. Die Automobilindustrie, um nur ein Beispiel zu nennen, belügt sich seit Jahren selbst und schönt oder trübt die Zahlen, wie es benötigt wird.

Ein Song der definitiv eine Live-Bombe wird. Treibend und sehr emotional!

6. Brutal Romance

„… pray to whom ever you want but they won’t hear you now while i spread the storm pray to whom ever you want but as far as i can tell this is going to be the new hell…“

Ein verrückter Song, textlich auf jeden Fall! Wir besingen eine brutale Romanze und die Tatsache, dass man der brutalen Realität auch nicht mit fiktiven Göttern oder Gebeten entkommen kann. Es gibt immer jemanden, der besser ist als man selbst. Und so gibt es nun einmal auch immer Menschen, die brutaler und emotionsloser sind als andere. Hier wird dieses Thema in alle Extreme transportiert und die Vernichtung des Gegenübers sogar als Romanze ausgelebt. Auch musikalisch geht es hier durchaus brutal zur Sache, bis Sabine dem ganzen noch eine „romantische“ Note verleiht! 🙂

7. Alienation

Die instrumentale Entfremdung als Übergang zum Abtrünnigen, der sich von der Menschheit als solche distanziert!

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8. Renegade

„… tear it down, never look back, tear the world down, to regenerate, i don’t belong here, not at all, refresh ethics, i am the renegade… „

Ein totaler Neuanfang, zurück zu alten Idealen und Werten, um zu versuchen, die Zukunft selbst zu bestimmen und eine neue Welt zu schaffen, fernab von allen Enttäuschungen. Nur sollte man nicht darauf warten, dass andere für einen die Veränderung bringen, sondern sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. In einer Welt, in der alles bereits verloren scheint, kann man ohnehin nichts mehr verlieren.

Modern, discotauglich, innovativ und irgendwie verdammt cool – wie ich finde! 🙂

9. Htrae

„… horror to whom horror is due let`s kill your mother earth and turn the world to an orphanage horror to whom horror is due…“

Dreck by Dreck sozusagen, wenn ich es von Seiten der Lyrics betrachte 🙂

„leave the dirt where the dirt belongs and this dirty world belongs to you dirtbag…“

Für mich der beste Song der Platte, verdammt gelungenes Stück Musik, was uns unser Mastermind Sebastian Reichl hier komponiert hat. In Verbindung mit dem Titel „htrae“ (Earth rückwärts) auch eine Art heimlicher Chef in der „Bizarro World“. Der Song verbreitet alles, Hoffnung, Verderben, Horror und Ausweglosigkeit – eigentlich das tägliche „normale“ Leben sozusagen. Es gibt eindeutig zu viele Parallelen zu unserer Welt, in der wir Tag ein, Tag aus mit Horrorszenarien konfrontiert werden. Misshandlungen, Perversionen, Umweltkriminalität, etc. Man kann sich das Programm selbst zusammenstellen und muss nur entscheiden ob man in Erinnerung schwelgen will oder doch ab und an die Augen öffnet und sich der Realität stellt.

10. Bizarro World

In der „Bizarro World“ bedarf es nicht immer großer Worte, manchmal reicht einfach große und in diesem Fall ganz große Kompositionskunst! Der Gentleman genießt und schweigt! 🙂

11. Paranoia Extravaganza

„… grifted wealth but no bills payed fake love will rain on your parade the only one who really knows what you do is your own shadow…“

Der letzte Versuch hinter die Fassade zu blicken, doch es will einfach nicht gelingen. Denn am Ende weiß nur jeder selbst was er tut und dabei denkt. Man muss wohl oder übel vertrauen und daran glauben, dass die Menschheit noch einen Funken Anstand und Ehrgefühl behalten hat. Diese Ausweglosigkeit macht einen traurig und unglaublich machtlos. Ein sehr, sehr emotionaler und ruhiger Song, bei dem Sabine einmal mehr beweist, wie stimmgewaltig sie ist. Ein würdiges Ende für unser neues Baby.

Galerie mit 13 Bildern: Deadlock auf dem Summer Breeze Open Air 2016
20.01.2011

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