Gozu
Die beste Therapie, die ich mir je hätte vorstellen können!

Interview

„Gozu VI“ ist das bisher beste Album von GOZU, in welchem die Band all ihre Stärken bündelt. Sänger und Gitarrist Marc Gaffney klärt im Interview mit metal.de auf.  

Cover Artwork von GOZU - "Gozu VI"

Cover Artwork von GOZU – „Gozu VI“

Euer neues sechstes Album heißt „Gozu VI“. Wie kam es zu der Idee, es nach der Band zu benennen, anstatt zum Beispiel nach einem Songtitel?

Wir haben noch nie ein Album nach einem unserer Songs benannt, daran haben wir eigentlich nie gedacht. Außerdem haben die Titel nichts mit den Songs zu tun, also versuchen wir, das Album mit dem zu füllen, was gerade in diesem Moment passiert. Da dies unser sechstes Album ist und wir „Toto IV“ geliebt haben, fanden wir, dass „Gozu VI“ eine nette Idee wäre.

In der Zeit, als die Songs geschrieben wurden, machtest du eine schwierige persönliche Phase in deinem Leben durch. Wie hast du dich in dieser Zeit gefühlt und welchen Einfluss hatte das auf die Musik, auf das Songwriting?

Ich schrieb in ein Notizbuch, das ich neben meinem Bett aufbewahrte, und wann immer ich etwas fühlte oder etwas aufschreiben musste, tat ich das. Das hat mir enorm geholfen, und am Ende habe ich diese Notizen für die Texte verwendet. Es ist jedes Mal eine erstaunliche Therapiesitzung, wenn ich diese Lieder singe. Ich wollte ehrliche Texte und musste diese Emotionen herauslassen.

Wie verlief der Songwriting-Prozess? Gab es Unterschiede im Vergleich zu früher? Wie haben sich die Songs im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt?

Das Komponieren der Musik war wie immer: Doug (Sherman, Gitarrist, Anmerk. d. Verf.) und ich schickten uns gegenseitig Aufnahmen und schauten, was dem anderen gefiel. Dann brachten wir es zur Band und diskutierten alles aus. Die Texte entstanden über einen Zeitraum von zwei Jahren, und so etwas habe ich noch nie gemacht. Normalerweise schreibe ich die Texte erst ein paar Wochen, bevor wir ins Studio gehen. Dieses Mal habe ich das genommen, was ich bereits hatte, und es fühlte sich großartig an!

Was sind deine größten musikalischen Vorbilder bzw. Einflüsse, die dich beim Schreiben der Gesangsharmonien und Gitarrenmelodien für „Gozu VI“ geprägt haben?

Für mich waren es SLY AND THE FAMILY STONE, ALLMAN BROTHERS BAND, JOY DIVISION, MARSHALL TUCKER BAND, JELLYFISH, JOURNEY, D’ANGELO, QUEENS OF THE STONE AGE und QUEEN. Ich wollte Harmonien, köstliche Melodien und herrliche Gitarrentöne. Dieses Album spiegelt definitiv wider, was ich mir angehört habe.

Spiegeln die Texte diese Zeit wider? Gib uns bitte einen tieferen Einblick in die Texte!

Die Texte handeln von dem, was in meinem Leben vor sich ging. Ich lebte in einer beschissenen Einzimmerwohnung, die kaum besser war als ein schäbiges Jagdhaus. Ich musste aufschreiben, was ich fühlte, sonst wäre ich völlig außer Kontrolle geraten. Ich bin ein bisschen aus der Bahn geraten, aber die Leute haben mich aufgefangen und wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Was ihr hört, sind Dinge, die ich durchgemacht habe, und wie ich damit umgegangen bin. Das sind die ehrlichsten und persönlichsten Texte, die ich je geschrieben habe.

Das Cover-Artwork zeigt eine Art Monster oder Gott? Was ist die Idee hinter dem Cover und wie hängt es mit den Texten zusammen?

Adam, der Künstler, hat sich die Songs angehört, und nachdem wir besprochen hatten, was wir uns für das Cover vorstellten, hat er genau verstanden, was wir wollten. Da „Gozu“ Kuhkopf bedeutet, wollten wir etwas in dieser Richtung, und die Hände sind gefangene Seelen, die versuchen, sich zu befreien.

Inwiefern war die Arbeit an dem Album eine kathartische Erfahrung?

Ich musste mein Leid in etwas verwandeln, mit dem ich umgehen konnte. Ich brauchte ein Ventil, um mir alles von der Seele zu reden und mich wieder wie ein Mensch zu fühlen. Als ich die Songs sang, hat mich das ziemlich mitgenommen, da ich bis zu den Aufnahmen überhaupt nicht gesungen hatte. Die Texte also mit anderen teilen und sie so singen zu können, wie ich es brauchte, war die beste Therapie, die ich mir je hätte vorstellen können.

Ist das Musikmachen für dich eine Art spirituelle Erfahrung?

Für mich schon. Was auch immer dich bewegt, lass dich davon leiten. Ich schließe die Augen, wenn wir spielen, und lasse mich von der Musik mitreißen. Das klingt vielleicht nach Quatsch, aber wenn du so eine Erfahrung noch nie gemacht hast, solltest du es unbedingt mal versuchen. Sich gehen zu lassen und sich hinzugeben, kann verdammt schwer sein. Aber wenn du es einmal geschafft hast, wirst du ein glücklicherer Mensch sein. Jeder sollte so ein Ventil haben. Wenn nicht, finde es und schau, wie es dir auf lange Sicht helfen wird.

Wie blickst du auf „Gozu VI“ zurück, wie vergleichst du das neue Album mit deinen früheren Werken?

Es war ein Album, das sich leicht aufnehmen ließ. Ich hatte alle meine Notizen parat, wusste, wann ich Harmonien, Doppelgriffe, Call-and-Response usw. wollte. Ich hatte das Gefühl, dass wir unglaublich gut vorbereitet waren und wir alle wussten, welchen Sound wir suchten. Es gab kein Herumgealbere, jeder Musiker kam rein und hat es gerockt. Es war eine wunderschöne Teamleistung, und ich glaube, das Album zeigt das. Wir wollen, dass jedes Album das letzte Album in den Schatten stellt. Wir streben immer nach etwas Besserem. Wenn nicht, warum dann aufnehmen?

Erzähl uns doch bitte etwas über die Produktion des Albums. Wo und wie wurde „Gozu VI“ aufgenommen? Vor welchen Herausforderungen standet ihr im Studio?

Das Album wurde im Mad Oak Studio in Boston von Benny Grotto aufgenommen, abgemischt und produziert. Benny ist übrigens Joes (Grotto, Bassist, Anmerk. d. Verf.) jüngerer Bruder, und wir haben schon „Locust Season“ mit ihm aufgenommen. Er wusste genau, was wir vorhatten, und hat das großartig umgesetzt! Er hat ein unglaubliches Gehör und nimmt alles wahr. Er hat uns dazu gebracht, besser zu sein als je zuvor. Er und ich haben besprochen, wie der Gesang klingen sollte, mit Delay, bestimmten Klangfarben usw. Bei den Gitarren haben wir buchstäblich jedes einzelne Pedal durchprobiert und aufgenommen. Wir haben uns die Aufnahmen angehört und den besten Klang ausgewählt, den wir allen hören lassen wollten. Ich finde, es ist unser klanglich bestes Album, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Was hast du bei der Arbeit an diesem Album gelernt?

Wenn du dich im Vorfeld reinhängst, dir selbst und anderen vertraust, wirst du etwas schaffen, mit dem du zufrieden sein kannst. Lass den Toningenieur sein Ding machen und die Musiker ihr Ding. So hast du das Beste aus beiden Welten. Sei stolz auf das, was du tust, und wenn es dir selbst nicht gefällt, wie zum Teufel soll es dann irgendjemand anderem gefallen?

Hast du Lieblingssongs oder -momente auf dem Album?

Mir hat das ganze Album wirklich gut gefallen. Ein paar Stücke haben mich beim Singen emotional sehr berührt, und ich glaube, deshalb lag mir das Ganze so sehr am Herzen. Das ist auch das erste Album, bei dem ich mit meinem Gitarrenspiel und meinem Sound zufrieden bin. Doug ist ein Wahnsinns-Gitarrist, und ich versuche, meinen Sound so zu gestalten, dass er seinen nicht stört. „Corner Lariot“ zu singen, war wahrscheinlich der Moment, der mich am stärksten berührt hat. Außerdem bin ich am Ende von „They Did Know Karate“ auf Autopilot geschaltet und habe mich einfach gehen lassen. Da hat mich die Spiritualität wirklich gepackt. Auch Doug beim Aufnehmen der Gitarrenparts zuzusehen, war ein wunderbares Highlight. Joe – wenn ich seine Mimik beobachte, weiß ich immer, ob es klappt oder nicht. Seth (Botos, Schlagzeuger, Anmerk. d. Verf.) hat es einfach grandios hingekriegt!

Ihr werdet bald mit RESTLESS SPIRIT durch Nordamerika touren – was sind eure Erwartungen an die bevorstehende Tour? Plant ihr auch, in Deutschland zu spielen?

Ich kann die Tour kaum erwarten, sie beginnt am 24. Mai und dauert bis zum 27. Juni. Beide Bands haben neue Alben herausgebracht, also sollte es für alle ein fantastisches Erlebnis werden. Ich glaube, es wird jeden Abend eine fantastische Show, und ich hoffe, die Leute kommen, rocken ab und haben Spaß. Wir hoffen, im Frühjahr/Sommer 2027 in Europa zu sein. Wir müssen alles geben, es lieben und es spüren!

Was habt ihr für die nächste Zeit geplant?

Wir wollen ausgiebig mit diesem Album auf Tour gehen, so viele Festivals wie möglich spielen, mit verschiedenen Künstlern auftreten und weiterhin Spaß an dem haben, was wir tun.

Vielen Dank für das Interview! Das letzte Wort gehört dir!

Vielen Dank, holt euch das Album, lasst uns wissen, was ihr davon haltet, und haltet den Kopf hoch – ihr habt es verdient. Esst einen Pfirsich.

22.05.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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