
Es hat wenig Sinn, Dr. Google nach der hier gegenständlichen Band DREADNOUGHT zu befragen. Denn der Bandname ist so furchtbar beliebt, dass man dieses nach Angaben der der Presseinfo „bestehütete Geheimnis des Prog“ vermutlich kaum wiederfindet unter den zahllosen anderen Bands, die sich ebenso genannt haben – die einstmalig hier besprochenen Namensvetter aus Teutonien seien hier nur mal als ein Beispiel genannt. Die Damen und Herren, die uns hier zu besprechendes, neues Album „Wars Of Spirit | Wards Of Light“ bescheren kommen jedoch aus den Vereinigten Staaten, genauer aus Colorado. Und wenn man deren Sound irgendwie kurz und bündig zusammenfassen wollte, könnte man diesen vielleicht dergestalt beschreiben, dass klassische „Die Schöne und das Biest“-Gothic-Standards der Mittzweitausender auf modernen, progressiven Sludge á la DVNE trifft.
Ein Sound wie ein Bewusstseinsstrom oder eine Traumsequenz
Dabei sei gesagt, dass Sängerin Kelly Schilling weniger das Klischee der Opernsängerin erfüllt und mehr eine glasklare, helle aber vergleichsweise sanfte Sopranstimme ihr eigen nennt. Und wenn sie diese mit Inbrunst einsetzt wie gegen Ende von „Serpents Of The Moon“ erreicht ihre rundum gelungene Gesangsdarbietung durchaus theatralische Qualitäten. Sie steuert auch einige der Gutturals bei wie in „Aeonwar“, wobei den Löwenanteil dieser Vocals von Co-Gitarrist Ryan Sims geliefert werden, der sich die meiste Zeit jedoch gesanglich eher zurückhält. Wenn er seine seltenen Spoken Word-Passagen wie im Opener „Tiamat’s Gate“ beisteuert, schrammen die US-Amerikaner zwischenzeitlich mal kurz am Kitsch von Bands wie TRISTANIA vorbei, wobei die prinzipiell eher zünftige Klangkunst hierhinter ganze Beinarbeit darin leistet, das Quartett firm in der unpeinlichen Moderne zu platzieren.
Der Stilmix hinter „Wars Of Spirits | Wards Of Light“ jongliert Elemente von Doom, Sludge und – zwangsläufig – Gothic und fügt diese in ein progressives Gewand ein, das sich im Gesamten fast wie eine Traumsequenz anfühlt. Die Kombination von Schillings zumeist elfenartiger (sorry) Gesangsdarbietung mit im bevorzugt gemächlichen Tempo fahrenden Songs, die sich mehr lateral als zyklisch zu bewegen scheinen, erzeugt jedenfalls dieses Gefühl, mehr einem Bewusstseinsstrom als einer gezielten Artikulation zu lauschen. Das spiegelt das Songwriting wider, das sich eher selten mit der Repetition von Motiven aufhält und mehr „von Einem ins Andere“ übergeht. Entsprechend geizen DREADNOUGHT hier auch eher mit dem, was man als klassische Refrains nennen kann, sodass die US-Amerikaner ihre Hörerschaft zur intensiven Beschäftigung mit ihrem Schaffen zwingen.
Die Komplexität liefern DREADNOUGHT durch ihre Detailverliebtheit
Damit ist „Wars Of Spirit | Wards Of Light“ ein klassischer Grower, der über die ersten drei bis vier Durchläufe eher so wirkt, als würden Dinge im Song einfach wahllos passieren, ehe man auf Empfängerseite – so denn die Geduld aufgebracht wird – die geschickten Überleitungen zwischen den einzelnen Motiven erkennt, mit denen die US-Amerikaner ihre Hörerschaft traumwandlerisch durch ihre Stücke führen. Der Härtegrad ist selten höher als nötig, was dem Traumartigen des Bandsounds nur umso mehr in die Karten spielt. Entsprechend natürlich entwickelt man auf Empfängerseite auch nach und nach die Sensibilität, um auf die kleinen Details im Sound der Dame und der Herren zu achten, die das Songmaterial letztlich zum Leben erwecken. Das reicht von gehauchten Backing Vocals hin zu kleinen aber feinen Kontrapunkten, welche die Hauptmelodien unterstützen.
„Wars Of Spirit | Wards Of Light“ eignet sich damit vor allem für alle, die sich gerne an Musik festbeißen und weniger für all jene, für die das Konzept Instant Gratification in ihrer Lieblingsmusik unumgänglich ist. Große Refrains haben DREADNOUGHT nicht, aber es gibt klimaktische Höhepunkte, entweder in Form von besonders intensiver Instrumentation (die Blastbeats im Opener „Tiamat’s Gate“ beispielsweise) oder in Form von besonders emotionalen Gesangs- oder Melodiebögen wie zum Beispiel auch in „The Archive“. Wirklich vernagelt wirkt die Musik nicht, da sie schon recht zugänglich gestaltet ist, aber das non-zyklische Songwriting erfordert definitiv eine längerfristige Bindung, um mit „Wars Of Spirit | Wards Of Light“ warm zu werden. Doch die Investition lohnt sich definitiv, sodass das Album nach zäher Eingewöhnung zu einem Album mit doch erfreulich hoher Halbwertszeit heranwächst.

Michael































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