Explosions In The Sky - The Wilderness

Review

Nach 17 Jahren und fünf teils herausragenden Alben dürfen EXPLOSIONS IN THE SKY mit Fug und Recht als Post-Rock-Veteranen bezeichnet werden. Insbesondere mit ihren Frühwerken verlieh die Truppe aus Austin im US-Bundestaat Texas dem Genre wesentliche Impulse. Zuletzt wurden die Musiker ihrem Ruf als „Götter“ allerdings nicht immer ganz gerecht. Mit „The Wilderness“ steht nun fünf Jahre nach dem 2011er-Album „Take Care, Take Care, Take Care“ das sechste Studiowerk in den Regalen.

Im Verlauf einer reichlichen Dreiviertelstunde legen EXPLOSIONS IN THE SKY den Fokus dabei vor allem auf verhaltene, aufgeräumte Klänge. Ausufernde Gitarrenschachteleien, mächtige Soundschwaden, pompöse Dramatik – all das findet sich kaum auf „The Wilderness“. Vielmehr dominieren sparsam intonierte Motive, kompakte Songstrukturen (lediglich ein Track durchbricht die Sieben-Minuten-Marke) und ambienthaftes Geflimmer. Ähnlich den Genre-Wegbereitern MOGWAI haben EXPLOSIONS IN THE SKY den Minimalismus für sich entdeckt, nur dass sie diesen nicht unter Zuhilfenahme elektronischer Spielereien, sondern weitestgehend mittels des klassisch bewährten Instrumentariums erkunden.

Das hat einerseits zur Folge, dass „The Wilderness“ ein recht unaufgeregtes Hörerlebnis beschert, dem Kritiker zu Recht die fehlenden Amplituden bescheinigen werden. Andererseits haben EXPLOSIONS IN THE SKY ein Album vorgelegt, welches nicht pflichtbewusst auf übertriebene Theatralik setzt, sondern als stimmiges, aufs Wesentliche reduziertes Gesamtwerk funktioniert. „Wilderness“ und „The Ecstatics“ bilden dabei den synthiegeschwängerten und flächigen Auftakt, erst gegen Ende letztgenannten Tracks wird auf pulsierendem Drum-Fundament energischer musiziert. Im weiteren Verlauf servieren EXPLOSIONS IN THE SKY mit „Tangle Formations“ und „Disintegration Anxiety“ forderndere Stücke, wobei sich zweiterer Song als überzeugende Liaison aus Rhythmus und Melodie präsentiert (siehe auch MUTINY ON THE BOUNTY). Den Kontrast zu diesen musikalisch dynamischeren Momenten verkörpern die getragenen Ambient-Stücke „Losing The Light“ sowie der verträumte Schlusstrack „Landing Cliffs“. Zwischendurch wird es bei „Logic Of A Dream“ dann auch einmal so konfus, wie es die nächtlichen Gedankenspiele unserer oberhalsigen Steuerzentrale mitunter manchmal sind.

„The Wilderness“ ist letztlich kein Feuerwerk der Melodien, keiner dieser reißenden Ströme, welche den Hörer packen und fortreißen. Es ist vielmehr das Zeugnis einer Band, die sich (dankenswerterweise) vom jüngst fabrizierten Reißbrett-Post-Rock verabschiedet und neue Ideen und Visionen entwickelt hat. Das gelingt phasenweise brillant, ist streckenweise aber auch etwas ernüchternd. Somit steht am Ende eine Wertung, bei der – abhängig von der individuellen Perspektive – gut und gern drei Punkte mehr angebracht wären. Und zwar in beiden Richtungen der Skala.

01.04.2016

"Am Ende isses immer Arbeit."

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