From Hell - Rats & Ravens

Review

Junge, hier ist ein bisschen was schief gelaufen bei FROM HELL, die mit „Rats & Ravens“ ihr zweites Album veröffentlichen nach „Ascent From Hell“. George Anderson schart zwar namhafte Stars um sich, darunter Steve Smyth (u. a. ex-TESTAMENT), das Ergebnis dessen ist aber eine ziemlich miese, dem Thrash noch am nächsten stehende Metal-Intonation mit aufgebürdeter Horror-Thematik und einer matschigen Produktion, die an die Kelly Gray-Version von NEVERMOREs „Enemies Of Reality“ denken lässt, abzüglich des guten Songwritings. Am Handwerk liegt es sicher nicht, aber der Mangel an jeglichem (spürbarem) Produktionsaufwand und das wenig geschickte Händchen in Sachen Songwriting verurteilt „Rats & Ravens“ relativ flott zum Scheitern.

Das Album verfolgt ein Konzept in Form einer Story, die in den Tracks erzählt wird. Es geht um eine Hexe, die irgendwo im östlichen Europa des 13. Jahrhunderts n. Chr. die Kinder eines Dorfes entführt, sie opfert und als „Lilium“ genannte Geister wiedererweckt. Das ist gewiss nichts Revolutionäres, aber andererseits könnte ein KING DIAMOND beispielsweise locker eine hysterisch schaurige Geisterbahnfahrt hieraus machen. FROM HELL können das dagegen nicht. Das hat mitunter damit zu tun, dass die Entscheidungen in Sachen Musik, die getroffen worden sind, einfach unpassend klingen. Und wenn sie mal passen, sind sie ziemlich billig umgesetzt. Dazu gesellen sich dann allerhand peinlicher Schnitzer, die das Album wie hastig zusammengeworfen klingen lassen.

FROM HELL wollen mit metallischen Horror-Geschichten imponieren

Hier werden Riffs teilweise einfach nur übereinander gelegt, sodass irgendein Soundbrei entsteht. Die Grooves hängen meist total lose und wenig straff gezogen in der Luft und entziehen den Songs so jegliche Form von Dringlichkeit und Zwang. Währenddessen gibt Anderson, der unter seinem Alias Aleister Sinn auftritt, sein bestes, um mit seinen heiser geschrienen Vocals eine gruselige Stimmung heraufzubeschwören, gelegentlich auch mit klarer, wenig zielsicherer Stimme. Das geht größtenteils total nach hinten los und klingt im seinen schlimmsten Momenten nach Tom Angelripper mit Verstopfung, sodass an „Rats & Ravens“ nahezu gar nichts gruselig ist, selbst wenn versucht wird, die schwachen Hooks mit Synthesizern aufzupeppen.

Immerhin tummeln sich ein paar Hoffnungsschimmer innerhalb der Trackliste dank des kompetenten Riffings von Smyth, oder wenn Anderson in Sachen Songwriting dann doch mal die richtige Idee hat. „The Witch“ ist ein Beispiel, wo die Grooves zumindest in der Hook anständig sitzen. „Seven And Nine“ ist ein Fall, der durch den tribalen Touch etwas fast Manisches an sich hat. Aber hier zwingt sich dann wieder die unspektakuläre Metal-Seite regelrecht auf, als wollte sie den Song bewusst zurück in die Mittelmäßigkeit ziehen. Das folgende „Forest Of Screaming Trees“ geht ebenfalls in eine solide, stimmungsvolle Richtung. Aber auch hier zwingt sich die mäßige Metal-Komponente auf und vergeudet den gelungenen, atmosphärischen Vorbau.

„Rats & Ravens“ ist gruselig – aber nicht „gruselig“ im Sinne der Schöpfer

Diese Lichtblicke werden durch die mehrzählig vorhandenen Fehlschüsse jedoch buchstäblich überschattet. Besagtes „The Witch“ ist ein essenzieller Charakter-Moment innerhalb der Story, doch gerade bei den thrashigen Parts jenseits der zuvor gelobten Hook offenbart sich, wie ungünstig die Demo-artige Produktion ist. Und immer wieder wird man daran erinnert, wie sehr der lachhaft unpassende Gesang einfach nur ablenkt. „Don’t Cry For Help“ und „Body Rats“ sind da ganz groß drin. Den absoluten Tiefpunkt in dieser Hinsicht erreicht „Rats & Ravens“ dann aber mit „Room For One“. Den Refrain, den sich Anderson da halbherzig aus dem Hals kratzt, kann man einfach nicht ernst nehmen. Das klingt fast wie eine bewusst beschissen inszenierte Parodie von Metal.

Was soll man da noch sagen, außer: FROM HELL haben ihr Thema total verfehlt. Das Album ist bestenfalls absoluter Durchschnitt, der niemandem wehtun würde. Aber mit dem Hintergrund, dass Anderson hier Dreh- und Angelpunkt gewesen zu sein scheint, wie die Presseinfo durch seine konstante Erwähnung impliziert, lässt das Ergebnis entweder wie einen gescheiterten Egotrip erscheinen oder vermittelt den Eindruck, dass ihm das Endprodukt ziemlich egal gewesen ist. Dass scheinbar keiner der übrigen Beteiligten auf die Idee gekommen ist, mal eine Politur in der ein oder anderen Hinsicht vorzuschlagen, ist mindestens mal seltsam und zeugt auch nicht gerade davon, dass die Platte irgendjemandem am Herzen gelegen hat.

FROM HELL liefern einen klassischen Fall von massivst verschleudertem Potential, der nichts mit mangelndem Talent zu tun hat. Wer weiß, was hinter den Kulissen abgegangen ist…

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09.05.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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