Geoff Johns & Gary Frank - Geiger

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Willkommen in der Post-Apokalypse – mal wieder. Der Comic „Geiger“ von Autor Geoff Johns und Zeichner Gary Frank spielt in den nuklear zertrümmerten USA. Das kennt man bereits aus zig anderen Medien, bekommt hier aber einen besonderen Twist: Während der Großteil der Überlebenden die Strahlung fürchtet, hat der Wissenschaftler Tariq Geiger durch sie Superkräfte bekommen.

„Geiger“ lässt den Zähler ausschlagen

Gut, so besonders ist das auch nicht. Ein Großteil der Superheldenschar von Spider-Man über Jay Garrick bis hin zum Hulk hat durch radioaktive Strahlung Kräfte bekommen. Tariq Geiger kann diese Energie jedoch speichern und kraftvoll gegen seine Feinde einsetzen.

Und davon hat „der strahlende Mann“, wie die Locals Geiger in ihren Lagerfeuergeschichten ehrfürchtig nennen, reichlich. Seitdem die Atombomben niedergingen, bewacht der grübelnde Einzelgänger den Bunker, in den sich seine Familie kurz vor dem Knall verzogen hat. Gesehen hat er sie jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr.

Ritter und Räuber in einer verstrahlten Wüste

Das weckt natürlich die Neugier einiger Plündertrupps, vor allem aus dem nahen Las Vegas, wo ein arroganter jugendlicher König drakonisch herrscht. Moment, ein König in Las Vegas? Ja, richtig gelesen: Nach der Katastrophe hat sich ein Senator in einem Kasino mit Fantasy-Thematik verschanzt und von dort aus mit Waffengewalt ein eigenes Reich samt Adel und Ritterschaft gegründet.

Inzwischen herrscht allerdings sein verzogener Bengel, der schließlich mit Geiger aneinandergerät, verliert und dem strahlenden Mann Rache schwört. Dazu kommen zwei Kinder auf der Flucht, die bei Geiger Schutz suchen, eine bittere Erkenntnis bezüglich des Bunkers und fertig ist die Grundlage, die Geiger auf einen Roadtrip durch die verwüsteten USA führt.

Das klingt alles ziemlich abgefahren, wird aber angenehm nüchtern erzählt. Trotz radioaktiver Kloppe, nach Ritterrüstungen designten Strahlenschutzanzügen und irrwitzigen Feuergefechten auf staubigen Highways hat man nie das Gefühl, dass das Setting zu albern oder zu übertrieben ist.

Ruhe zwischen nuklearen Stürmen

Geoff Johns schreibt authentische Charaktere, die sich den Regeln ihrer Welt entsprechend glaubwürdig verhalten, während Gary Frank gemeinsam mit Kolorist Brad Anderson das verstrahlte Ödland und das glitzernde Las Vegas in realistischer Tristesse auf Papier bannt. Natürlich muss man Aspekte wie Geigers Superkräfte erst einmal hinnehmen, aber im Gegensatz zu anderen post-apokalyptischen Graphic Novels schlägt das Absurdo-Meter nicht übertrieben aus und es gibt auch keine überdrehten Splatter-Exzesse.

Unter dem spröden Strahlenschutzanzug ist „Geiger“ eine spannende Geschichte über Verlust, neue Hoffnung, Angst, Größenwahn und schließlich auch die menschliche Existenz an sich. Zwar gibt es Andeutungen eines größeren Ganzen, die Handlung ist jedoch mit dem letzten radioaktiven Knall abgeschlossen.

Ein intimer Ausflug in die Endzeit

Das Schicksal von Tariq und seinen Begleitern lässt nicht kalt und fesselt bis zur letzten Seite. Wer gerne Ausflüge in die Endzeit macht, aber auch wer ansonsten mit diesem Genre nichts anzufangen weiß, kann bedenkenlos zugreifen.

Der Soundtrack für den Roadtrip durchs Ödland? Auch wenn es schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat: Schaut doch nochmal in unser Ed-Repka-Special mit TOXIC HOLOCAUST, NUCLEAR ASSAULT und vielen mehr rein, um euch die volle nukleare Dröhnung auf Augen und Ohren zu geben.

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele sowie gelegentlich auch Comics und Bücher. 

06.12.2022

Der metal.de Serviervorschlag

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