Lamb Of God - Into Oblivion

Review

Soundcheck März 2026# 1 Galerie mit 26 Bildern: Lamb Of God - State Of Unrest Tour 2023 in Berlin

LAMB OF GOD machen LAMB OF GOD-Musik – nur anno 2026 mit neuem Logo. Selbst jene Hörer, welche die Band immer nur vage verfolgt haben, werden das Album unzweifelhaft den US-Amerikanern zuordnen können. Es gibt heuer straff gezogenen, groovenden Neo-Thrash auf die Zwölf, durch den sich Randy Blythe giftig hindurch brüllt und schimpft, während die Hörerschaft markige Riffs und Rhythmen mit Headbang-Garantie um die Ohren geschleudert bekommt, dass die Löffel schwarz werden. Alles also beim Alten, im Grunde kann man hier die Besprechung beenden, das Hirn ausschalten und sich in die Menge stürzen – und damit das Prädikatssiegel gem. Soundcheck aufstempeln. Oder?

Neues Logo – erfinden sich LAMB OF GOD selbst neu?

Nun, wenn es um den schnellen Adrenalin-Kick für zwischendurch geht und um nichts anderes, dann liefern die US-Amerikaner auf „Into Oblivion“ genau das. Es gibt straff gezogenen Metal mit Kopfnicker-Garantie und angemessen zornigen Vocals, die in Kombination mit der gekonnten Grunddynamik des Bandsounds verlässliches Futter liefern. Der eröffnende Titeltrack macht hier schon mal den Mund wässrig mit einem stampfenden Rhythmus, der Testosteronbomber aller Art direkt auf Betriebstemperatur bringen sollte. Direkt im Anschluss ziehen die US-Amerikaner weiter an und liefern einen waschechten Thrasher in Form von „Parasocial Christ“. Hier machen sich aber auch schon erste Falten bemerkbar.

Im Grunde sind die VADF-Riffs [„VADF“ = Voll auf die Fresse, Anm. d. Red.] da und Hooks, oder besser: Refrain-Parolen liefert „Into Oblivion“ schon, wenn auch nichts auf dem legendären Level eines „Redneck“ beispielsweise. Aber es ist kompetent. Frustrierend kompetent. Um nicht zu sagen: „dienstbeflissen“, denn „Into Oblivion“ fühlt sich an vielen Stellen tatsächlich wie Dienst nach Vorschrift an. Es wird niemanden vor den Kopf stoßen und erfüllt sämtliche Mindestanforderungen an ein Album der US-Amerikaner. Doch selten hat man das Gefühl, dass Blythe und Co. ihre Hörerschaft hier wirklich aus dem Sessel katapultieren möchten. Es ist schwer, dieses Gefühl in greifbare Worte zu fassen aber „Into Oblivion“ fühlt sich zu sauber und sicher an.

Nein: „Into Oblivion“ klingt mehr wie Dienst nach Vorschrift …

Die Riffs an sich sind schon ziemlich markig, gehen gut ins Gebein und regen den Bartwuchs regelmäßig tatkräftig an. Und ein paar durchaus solide, erfrischende Downtempo-Nummern der Marke „El Vacio“ und „A Thousand Years“ (nur echt mit herrlichen Southern Metal-Vibes) sind vertreten. Aber der Treibstoff, mit dem die Maschinerie hinter „Into Oblivion“ läuft, entspricht dem Industrie-Standard, funktioniert damit also einwandfrei, ist aber ein bisschen zu klopffest für den Grad an Aggression, den gerade der aufregend viel Gift und Galle spuckende Herr Blythe am Mikrofon suggeriert. Er ist im Grunde ein Pit Bull im Zwinger – in einem wirklich guten Zwinger, aus dem der arme Kerl nur zu gerne ausbrechen würde, aber nicht darf. Ergibt das irgendwie Sinn?

Vielleicht formulieren wir es so: „Into Oblivion“ macht wie weiter oben geschrieben alles richtig und erfüllt alle Anforderungen an ein LAMB OF GOD-Album. Die Produktion ist in Ordnung, nicht zu dicht gemauert, der Sound wird dennoch mit hinreichend Nachdruck verabreicht. Und neben einigen richtig leckeren Riffspitzen sticht vor allem ein einmal mehr richtig angepisst klingender Randy Blythe hervor. An der Oberfläche stimmt im Hause der US-Amerikaner also alles – und wem das reicht, der kann sich das Teil im Grunde blind in die Gehörgänge spaxen. Wer seine LAMB OF GOD aber mit mehr Schmackes und Gewicht bevorzugt und am liebsten an der Seite von Blythe wutschmäumend im Viereck springen möchte, wird hier eine milde Enttäuschung erleben …

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11.03.2026

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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