Mutiny On The Bounty - Digital Tropics

Review

Arpeggios auf dem Griffbrett, Zuckerwatte auf dem Cover. Mit ihren „Digital Tropics“ verabschieden sich MUTINY ON THE BOUNTY endgültig vom Gesang und somit auch vom letzten Quäntchen Post-Hardcore der Vorgänger. Stattdessen gibt man sich mehr denn je vermathten Gitarrenläufen hin, die sich in ewiger Repetition durch die üblichen Vierminüter ziehen. Damit weitestgehend einher geht zudem die Abkehr von MOGWAI’schen Delaynebelschwaden, die man auf den Vorgängern immer mal wieder unter zackige Frickelparts zu mischen wusste. Ähnlich wie die genannten Großmeister es auf ihrer aktuellen Scheibe handhaben, verfolgt auch das luxemburgische Quartett ein strenges „Eine Idee = ein Song“-Prinzip. Was zunächst auch zu funktionieren scheint.

Zwischen Harmoniepickings, Synth-Pads und voranpreschender Rhythmusfraktion

So eröffnet „Telekinesis“ nach obligatorischem Ambientintro mit einem Kopfnickerbeat in härterer Trip-Hop-Manier und einem klassischen Motiv aus Harmoniepickings, das nach und nach mit zahlreichen Schichten aus atmosphärischen Synth-Pads, angezerrten Gitarrenriffs und voranpreschender Rhythmusfraktion überlagert wird. Funktioniert beim Opener, wird danach also sicher gleich noch mal funktionieren. Und noch einmal. Und noch einmal. Und noch einmal. Die Leitmotivik wird dann zwischenzeitlich gerne mal von einer Marimba übernommen („Dance Automaton Dance“, „Ecliptic“), die dem Spaß nicht nur einen gewissen Retro-Prog-Touch verleiht, sondern mit südländischer Klangfarbe zugleich auch noch mal fröhlich Richtung Albumtitel schielt. Über alldem schwebt auf vollen 45 Minuten der Verdacht, dass MUTINY ON THE BOUNTY privat auch tanzbarer Indiemucke und womöglich manchem Drum’n’Bass-Set nicht abgeneigt zu sein scheinen. Kein Wunder, dass man sich aller Hektik zum Trotz in einige Momenten an eine analogere Version der 65DAYSOFSTATIC-Elektroeruption „We Were Exploding Anyway“ erinnert fühlt.

Beachtliche Instrumentalleistungen vs. Kongruenz der Leitmotive

Spätestens nach dem groovetechnisch ungeschlagenen „MKL JKSN“ stellen sich aber erste Anzeichen maßloser Enttäuschung ein. Ums noch mal zu verdeutlichen: „Eine Idee = ein Song“ = cool. „Eine Idee = viele Songs = ein Album“ = gar nicht mal so cool. Es ist einfach ein verdammter Jammer, wie sich MUTINY ON THE BOUNTY ihre beachtlichen Instrumentalleistungen und ihre hörbare Spielfreude mit der endlos wechselseitigen Kongruenz der einzelnen Motive verbauen. Heißt: Die einzelnen Stücke auf „Digital Tropics“ ähneln sich einfach zu sehr. Dass es einer Platte von solch musikalischer Qualität gelingt, allerspätestens beim zweiten Hördurchlauf größtmögliche Ernüchterung hervorzurufen, ja gar aufs Äußerste zu langweilen, ist eine Schande und letzten Endes das unwürdige Begräbnis jedes Kreativschubs. Die große dynamische Bandbreite, die MUTINY ON THE BOUNTY hier übrigens der Produktion Jan Kerschers (u.a. DER WEG EINER FREIHEIT) zu verdanken haben, dürfte der Band zwar insbesondere im Livekontext nochmals zugutekommen, ob sie den Autor jedoch von gelegentlichen Schnarchern abhält, bleibt abzuwarten.

25.05.2015

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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