Nebelmacht - Seuchenfriede

Review

Etwas skeptisch war ich schon, als Nebelmachts Erstling auf meinem Tische zur Rezension landete. Das Cover ist für diese Art von Musik zwar recht passend, da es ausnahmsweise tatsächlich visuell die Klangwelten dieser schwarzmetallischen Vertonung wiederzugeben schafft, technisch liess mich der relativ dürftige PC-Druck aber schlimmes befürchten. Hinzu kommt noch, dass die Band ihrer Internet-Seite eine *.de.vu Adresse verpasst hat, was erfahrungsgemäss leider alles andere als ein Qualitätsbeweis ist. Dennoch legte ich die CD guten Willens in den Player, und lehnte mich erst mal in meinem Stuhl zurück. Und hey, das Intro, so minimalistisch es mit seinen wenigen Keyboardklängen umgesetzt wurde, so effektiv ist es, denn gleich von Anbeginn schafft man es, eine kalte und befremdliche Atmosphäre aufzubauen, die abartige Hitze der heutigen Tage ist dann kurzzeitig fast vergessen. Ziemlich enttäuscht war ich dann aber doch, als mir das erste „echte“ Stück der Platte entgegenschallte. Sehr roher, absolut räudig vorgetragener und haltlos geknüppelter Black Metal mit ungemein extremen Vocals wird hier zelebriert. Diese Umschreibung hört sich zwar ziemlich positiv an, das Material klingt anfangs jedoch enorm billig und übelst produziert. Überdies bin ich kein Fan von derart stark verzerrten Vocals, was meinen Hörgenuss auch ungemein schmälerte. Zu meiner Freude ist das Material aber keinesfalls schlecht oder misslungen, sondern einfach nur absolut gewöhnungsbedürftig, denn im Laufe der CD, aber vor allem nach mehrfachem Hören, lernt man das Liedgut wirklich zu schätzen. Meist ist das Tempo recht zügig, die wirklich unkontrollierten Knüppelpassagen halten sich aber zum Glück in Grenzen. Jene Passagen sind es nämlich, denen meine Hauptkritik auf „Seuchenfriede“ gilt, denn ich kann ihnen auch nach dem x-ten Durchlauf einfach nichts abgewinnen. Zu wirr und zu unausgegoren erscheinen sie mir. Die getrageneren Songparts hingegen sind absolut fantastisch! So muss grimmiger, emotionaler Black Metal klingen! Man höre sich allein den zweiten Teil von „Vom Verderb der Würde sterblichen Blutes“ an. Noch wesentlich intensiver kommt diese Qualität des Albums auf „Schwanensang“ zu tragen. Der Song besteht zu dreiviertel rein aus Keyboard, das hier ähnlich dem Intro verwendet wird, und dem geheimnisvollen Flüstern von Sänger Seuche. Was im letzten Viertel aber plötzlich über einen hereinbricht, ist einfach unglaublich! Absolut wütender Hass, sonderbar gepaart mit unendlicher Melancholie fliegt mir entgegen und reisst mich mit enormer Kraft in die tiefsten emotionalen Abgründe! Sehr kurz, aber auch sehr genial der Song. Die weiteren Highlights des Albums sind definitiv „Knochenkälte“ und „Nebelung“. Wer alte Gorgoroth zu seinen Faves zählt, wird auch an diesen Kreationen unweigerlich seine Freude haben. Zwei Kritikpunkte habe ich aber trotzdem noch. Erstens ist das Niveau des Gesang keineswegs konstant, klingt es im besagten „Schwanensang“ noch genial und extrem krank so mutet es in „Alter Weide Angesicht“ hingegen stellenweise ziemlich dilettantisch an. Daran kann man aber sicherlich noch etwas feilen. Zudem gefällt mir die Produktion nicht so ganz, was vor allem an dem etwas sehr lasch produziertem Schlagzeug liegt, da hätte ich mir einfach ein wenig mehr Druck gewünscht. Kriegt man diese Schwächen unter Kontrolle und lässt die Knüppelparts noch weiter in den Hintergrund rücken, darf man in Zukunft aber gewiss Grosses von den vier Schwarzmetallern erwarten.

27.08.2002

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12 Kommentare zu Nebelmacht - Seuchenfriede

  1. Sailor sagt:

    Eine wirklich gute Platte. Allerdings möchte ich einfach mal generell bemerken, dass mir die Namensgebung schwarzmetallischer Bands und Alben aus Deutschland allmählich ungemein auf den Sack geht. Sinnlos zwei Substantive kombiniert, bis es einigermaßen brauchbar klingt, aber leider völlig sinnfrei anmutet. Hierbei handelt es sich nicht um weniger als eine Vergewaltigung der deutschen Sprache, die es als eine der wenigen Sprachen möglich macht, diese Wortverknüpfungen zu produzieren, was sie sehr reich macht. Aber wenn dies auf so exzessive, inflationäre und eben ganz und gar geistlose Art geschieht (ein Blick in die Texte genügt), dann ist das eine Ausbeutung und ein Stricken vermeintlichen Niveaus mit niedersten Mitteln.

    7/10
  2. Asgarth sagt:

    Schade, dass ihr nicht auf die -deutschen- Texte eingeht, die sind nämlich wirklich fantastisch! Die werten die Lieder für mich nochmal um 2 Punkte auf! Ansonsten stimme ich mit euch ziemlich gleich was die Musik betrifft. Die Songs haben Längen, aber die Texte können über diese Längen absolut wegtrösten! Fantastisch!

    8/10
  3. Anonymous sagt:

    Eine ziemliche Kacke. Ich glaub‘ ich hör‘ lieber Dark Tribe…

    3/10
  4. Tormentor sagt:

    endlich mal wieder ein halbwegs gelungenes true BM scheibchen – ich schwanke momentan noch zwischen guten 6 oder knappen 7 punkten… naja, immerhin besser als Dark Throne und co… p.s.: aber dark tribe sind wirklich besser 😀

    7/10
  5. Anonymous sagt:

    Ich möchte gerne noch dazusagen, daß der "billige PC-Druck" nur für die Promo-CDs gemacht wurde. Und warum eine de.vu-Adresse "alles andere als ein Qualitätsbeweis" ist verstehe ich bis heute nicht. Für eine Band, die einen Netz-Auftritt für ihre Heimseite sucht und dabei nicht mit Geld um sich schmeißen kann, ist das absolut ausreichend. Und der "übelst verzerrte" Gesang ist ein absichtliches Produkt analgoger Übersteuerung – ein Experiment, zugegeben. Und schade, daß der Mittelpunkt der NEBELMACHT, das lyrische Konzept, nicht zur Sprache kommt. Wer darüber mehr Informationen sucht, kann sich wie auch alle 10 Songs in voller Länge unter http://www.nebelmacht.de.vu herunterladen. Ansonsten aber eine gerechte Rezension, die einzelnen Kritikpunkte sind diskussionswürdig, aber nicht immer ungerechtfertigt. Vielen Dank. SCHWARZ IST DIE ZUKUNFT – Seuche /NEBELMACHT

    5/10
  6. alterstein sagt:

    Eine weitere Rezension zu Seuchenfriede und die Rezensenten sind sich einig. Die frostige Atmosphäre von Nebelmacht haucht dem einstigen urwüchsigen Black Metal wieder neues Leben/Tod ein. Seuche und seine Mitstreiter werden es zwar nicht zugeben wollen aber ihr Naturmetal in all seiner primitiven Schönheit setzt bei den Klassikern an. Ich teile nicht die Auffassung des Rezensenten die Knüppelpassagen seien unausgegoren. Es besteht eine morbide Harmonie zwischen Epik und Aggression. Das Nebelmacht sich vom deutschen Black Metal Underground distanzieren, sollte jenen einleuchten die zu begreifen in der Lage sind was den Geist der frühen Tage ausmachte.

    8/10
  7. darkkingkane sagt:

    Also ich find das Album alles in allem ziemlich cool. Der Gesang war ein bisschen gewöhnungsbedürftigh, aber wenn man sich erst einmal reingehört hat, dann klingt das ganze verdammt genial. Ich bin mir sicher wir werden noch sehr viel von Nebelmacht hören, denn die Jungs haben es meiner Meinung nach echt drauf!

    8/10
  8. doktor von pain sagt:

    Haha, was habe ich mich beil Lesen der Kritik amüsiert! Für alle, die es bis heute nicht wissen: Dieses Album ist wortwörtlich nur ein Witz! Nebelmacht sind nichts weiter als ein kleines Nebenprojekt der Spaßcombo Excrementory Grindfuckers. Nachzulesen sind die Fakten dazu auch auf deren Homepage. Das komplette Album entstand innerhalb weniger Stunden, und das inklusive Songwriting! Die Gitarren sind nachträglich verzerrte Akustikklampfen, und das Keyboardintro wurde mit den Füßen (!) eingespielt. Die CD wurde mitsamt erfundener Bandbiographie an diverse Internetmagazine verschickt, um zu sehen, wie die sogenannten "Black-Metal-Experten" darauf reagieren. Lustigerweise erntete die CD großteils gute Kritiken, und im EGF-Lager lacht man noch heute darüber. Für diesen gelungenen Scherz gebe ich gerne die volle Punktzahl!

    10/10
  9. lord sagt:

    hahahahahahahaha
    ihr seid alle drauf reingefallen
    😀

    10/10
  10. svenna666 sagt:

    Grindfuckers…….. Ihr seid einfach die Größten !!! Leute so hinters Licht zu führen is einfach genial ! Ich leck euch eure vergrindeten schuhe ab…..

    10/10
  11. Toran sagt:

    Ich könnte mich beömmeln wenn man Jahre später diese ernstgemeinte Review liest. Vor allem der letzte Satz ist der Hammer:

    „Kriegt man diese Schwächen unter Kontrolle und lässt die Knüppelparts noch weiter in den Hintergrund rücken, darf man in Zukunft aber gewiss Grosses von den vier Schwarzmetallern erwarten.“

    Ich sag nur Musik machen andere, aber nicht die Grindfuckers, die machen einfach ihr Ding und nehmen alles und jeden aufs Korn.

  12. BlindeGardine sagt:

    Grade vom guten doktor auf diese perle und die zusammenhänge hingewiesen worden und mit diesem wissen im hinterkopf das review und die ersten kommentare dazu gelesen. Musste meine bütotür zumachen, damit der chef mich nicht lachen hört. Achja, die elitäre bm-crowd ist schon ein ulkiges völkchen, umso schöner, wenn sie so an der nase herumgeführt wird.
    Habe das album nicht gehört, aber alleine für die aktion 10 punkte. Jetzt hab ich immer was zum verlinken, wenn sich wieder jemand als unanfechtbare autorität in geschmacksfragen aufspielt, danke dafür, lieber doktor 🙂

    10/10