Nordic Giants - Amplify Human Vibration

Review

Wie nur wenigen anderen Post-Rock-Bands der jüngeren Generation gelang es NORDIC GIANTS vor zwei Jahren aus dem Meer der ewig gleichen Delay-Pedal-Selbsthilfegruppe hervorzustechen. „A Séance Of Dark Dillusions“ machte sich in zahlreichen Independent-Jahreslisten breit. Mit Album Nummer zwei will sich das britische Duo nun endgültig als Speerspitze der neuen Post-Rock-Generation behaupten – mit „Amplify Human Vibration“ dürfte das äußerst schwierig werden.

Sample-Overload

Sieben Tracks bieten 43 Minuten samplebasierten Post-Rock, der sich zahlreicher großer Redner bedient. Martin Luther King etwa, an dessen „Beyond Vietnam“-Rede sich der Track „Spirit“ entlanghangelt. Kings eindringliche, leicht verzerrte Stimme über diesen wohlig-seichten Soundtrack-Klängen – ein feiner Kunstgriff. Zufall, dass LINKIN PARK bereits selbiges im Jahre 2010 auf „A Thousands Sun“ mit ebenjener Rede umgesetzt haben? Wer weiß. In jeder Hinsicht ist es das Pech der NORDIC GIANTS, dass die Ex-Nu-Metaller eben über einen minimalen größeren Hörerkreis verfügen als das Post-Rock-Duo von der Insel. Denn auch bei letzteren macht das zwischen Gitarrenpedal-Geflimmer gebettete Sample schon einmal den halben Song aus.

Und bei ebenjenem Geflimmer setzt das Problem der „Amplify Human Vibration“ dann auch ein. In den vergangenen drei Dekaden ist es gewiss einer Vielzahl von Genrebands gelungen, mithilfe von Sprachsamples herausragende musikalische Epen zu erschaffen. SLINT führten das Spielchen 1991 ein, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR perfektionierten es 1999 endgültig. Und heute? Heute konzentrieren sich jüngere Instrumentalgruppierungen wie WE LOST THE SEA beinahe ausschließlich aufs samplebasierte Geschichtenerzählen – wobei dann eben auch die Frage aufkommt, wie spektakulär die instrumentale Leistung an sich daherkommt.

Hintergrundgeplänkel zu belanglos

Und dann gibt es eben Bands wie NORDIC GIANTS, die auch mit absoluter Sprachfetzen-Überdosis nicht imstande sind, davon abzulenken, wie belanglos es im Hintergrund wirklich zugeht. Bewegen sich die angesprochenen Gitarrenmotive gerne einmal in JAKOB-Sphären, ist es eben deren Hang zu spannungsgeladenen Kompositionen, der den Briten über weite Strecken fehlt. Zu sehr rutschen die guten Streicher- und Bläseransätze des Vorgängers in den Hintergrund, zu beliebig werden verspielte Piano-Strukturen im Gesamtgeplätscher verpulvert. Hier hätte ein Ohr auf die finale MAYBESHEWILL-Platte als Musterbeispiel gut getan.

Etwas bergauf geht’s im Synthie-Bereich, der zwar etwas polyphoner daher kommen könnte, aber mit seinem Retrosäge-Charme immer mal wieder mit angenehm platzierten Heulern hervorsticht. Die Synthkaskaden-Anbahnung an die ehemaligen Tourkompagnons 65DAYSOFSTATIC im finalen „Autonomous“ schlägt dafür aber völlig fehl. Da täuschen dann auch die annehmbaren Shoegaze-Vibes im mit weiblicher Unterstützung präsentierten „Reawake“ nicht mehr drüber hinweg.

Liebe NORDIC GIANTS, lasst die Finger fürs Erste weg vom Sample-Pad und konzentriert euch noch einmal auf euren Stärken. Genügend andere Bands schaffen es ja auch ohne Pseudo-Refrain-Sampleschliefen à la „Dystopia“, ihren Stücken motivischen Wiedererkennungswert zu geben. Auf „Amplify Human Vibration“ seid ihr davon noch ein ganzes Stück entfernt.

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13.12.2017

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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