Ølten - Mode

Review

ØLTEN spielen „Post-Rock Sludge“. Klar, Post-Metal machen sie inzwischen ja alle. Tatsächlich orientiert sich das Schweizer Instrumental-Trio aber eher an NEUROSIS und CROWBAR als an MOGWAI und CASPIAN.

Dementsprechend versuchen ØLTEN auf ihrem Debütalbum insbesondere, Druck durch Dreck und Rauheit zu erzeugen. In feinster „Through Silver In Blood“-Manier schleppen sich die enorm knarzenden Gitarrenflächen voran, auf der linken Kopfhörerseite gesellt sich ein in ernsteren Momenten gerne mal mit durchgetretenem Zerrerpedal gezupfter Bass hinzu. Soweit nichts Ungehörtes. Dem Knurren wohnt zwar ein gewisser Charme inne, auf Dauer geht die Kombination aber doch etwas an die Substanz. Was sich natürlich getrost als Kalkül bezeichnen lässt, schließlich liegt mit „MODE“ immer noch ein Sludge-Werk vor und unter den Freunden matschiger Klänge soll es ja Vertreter geben, denen inzwischen sogar NEUROSIS selbst zu sauber klingen. Und wenngleich es ØLTEN in einigen seltenen Momenten („Ogna“) gelingt, an deren atmosphärische Übermacht anzuknüpfen, so geschieht dies dennoch weit entfernt von möglichen Post-Rock-Assoziationen. Die Delay-Pedale verstauben bis auf ein kurzes Aufflackern in „Bözbeg“ und „Gloom“ völlig im Pedalboard, gepunktet wird eher mit dem Hang zu fetten Riffs als mit exzessivem Ausleben dramaturgischer Steigerungen.

Dabei sind diese ja durchaus vorhanden. Bloß bleiben die meist vom Stand-Tom-Spiel getragenen eruptiven Momente gelegentlich hinter den geschürten Erwartungen zurück. Spätestens nach zwei Songs hat der Hörer das Dynamikspektrum der Platte vollständig erfasst und weiß: Da kommt jetzt nicht mehr viel. So zunächst erlebt beim vorletzten Titel „Gloom“, wo man sich im Verlauf der wummernden Klimax sehnlichst einen kleinen CULT OF LUNA-Part herbeiwünscht, sei es in Form besagter Delay-Pedale, eines E-Bows oder der markerschütternden Screams Johannes Persons. Und tatsächlich: Genau im richtigen Moment zeigen ØLTEN plötzlich ein bisschen Erbarmen mit allen Instrumentalphobikern. Angesprochener CULT OF LUNA-Schreihals kommt zwar trotz Album-Mastering durch Bandkollegen Magnus Lindberg nicht zum Einsatz, dafür leiht hier ein gewisser Thomas Lijedahl sein Stimmchen. Der scheint bandhistorisch zwar ein unbeschriebenes Blatt zu sein, mit seiner energischen Stimmbandstrapazierung braucht er sich jedoch keinesfalls hinter den Gesangsleistungen eines Scott Kellys verstecken.

„Gloom“ ist ein ambitionierter Erstling, dem es zwar keinesfalls an guten Ideen mangelt, auf Dauer aber etwas zu sehr unter seinem eindimensionalen Soundspektrum zu leiden hat. Sicher ist jedoch: Das Material, das stellenweise als blutigere Rohversion von ISIS‘ „Panopticon“ durchgehen könnte, wird live sicherlich eine ganz eigene Dramatik entfalten können.

„Mode“ kann zu einem beliebigen Preis auf der offiziellen Bandcamp-Präsenz von Hummus Records heruntergeladen werden.

23.04.2015

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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