Pest (D) - Tenebris Obortis

Review

Das „neue“ Album der vier nordrheinwestfälischen Onkel Doktors mit den Schnabelmasken hat schon fast zwei Jahre auf dem krummen Buckel und taucht erst jetzt in unseren hehren Hallen als Promo auf. Die große Wirkmacht hat „Tenebris Obortis“ in dieser Zeit in der deutschen Black Metal-Szene meines Wissens nicht entfaltet, und das ist eigentlich auch kein großes Wunder. Einmal, weil es PEST darauf nie angelegt haben, zum anderen, weil es sich hier nicht um die Sorte Musik handelt, die die großen Massen begeistern könnte.

Die Platte ist insgesamt ein perfektes Beispiel für gutklassigen deutschen Black Metal – ohne viele Schnörkel, ohne technische Sperenzchen, Trigger oder zu viele Kompressoren, selbstproduziert (im Proberaum?), spielerisch in Ordnung und zweckdienlich vorgetragen. Vor allem aber ist „Tenebris Obortis“ ziemlich knochig und verschroben, was PEST meinem Empfinden nach im positiven Sinne von den Horden gesichtsloser „Transylvanian Hunger“-Plagiatoren abhebt und damit durchaus mit Kalibern wie GRAUPEL vergleichbar macht (gut dokumentiert im Opener „Trance“). PEST geben sich hörbar Mühe, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen: sie bauen elektroakustische Gitarren in ihren Black Metal ein; lange, meditative Passagen im BURZUM-Stil („Wasteland“) wirken wohlüberlegt und emotional; zwischendurch hauen die Westfalen auch kräftig auf die Kacke und poltern wie vor fünfzehn Jahren DESASTER wild durch alte Thrash- und Death-Einflüsse („Decontamination“ oder „Riding The Stoms“). Sie verstehen es, windig-schnellen, klassischen Old-School-Black Metal nach skandinavischer Tradition mit viel Hall und klackerndem Drumkit zu schreiben („Schnee und Eis“), den Song trotzdem auf vielen Ebenen dynamisch zu gestalten und im nächsten Track atmosphärische Synthesizer in einen instrumentalen Dreiminüter einzubauen („Bonded“).

Das liest sich nicht nur auf dem virtuellen Papier ein bisschen zerfahren, sondern klingt tatsächlich auch so. Trotz der unbestreitbar vorhandenen Qualität einzelner Songs ergibt das im Gesamten kein schlüssiges Album, sondern vielmehr eine Zusammenstellung von zwei, drei oder vier leicht verschiedenen Stilen innerhalb der Band, die alle für sich ihren Reiz haben. Zusammengehalten wird „Tenebris Obortis“ durch einen beeindruckend ausdrucksstarken Gesang, der vielleicht etwas klischeehaft wirken mag, aber Charakter zeigt, und einen einigermaßen homogenen Sound. Meiner Ansicht nach könnten PEST noch ein ganzes Stück besser sein als auf dieser ihrer vierten Platte, wenn sie ihre verschiedenen Einflüsse und Vorlieben besser miteinander verweben und das Ergebnis vielleicht in einem professionellen Studio etwas intensivieren würden. Trotzdem ein wirklich gutes Album, auch wenn es etwas dauert, um das zu erkennen.

20.02.2011

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