Power from Hell - Profound Evil Presence

Review

Dass Brasilien und Black Thrash zusammenpassen wie der Papst und ein Einzelbett wissen wir spätestens seit SARCÓFAGO. Kapellen dieser Art gibt es in südamerikanischen Gefilden zur Genüge. Eine davon ist POWER FROM HELL. Seit den Anfängen im Jahr 2001 hat sich der Stil der Band allerdings verändert. Bereits die EP „Blood ’n‘ Spikes“ aus dem vergangenen Jahr offenbarte eine stärkere Hinwendung Richtung Old School Black Metal. Mit „Profound Evil Presence“ wollen die Jungs nun den nächsten Schritt machen.

„Profound Evil Presence“ ist ein weiterer Evolutionsschritt

Die Bezeichnung „Band“ markiert schon einmal die erste Entwicklung im Hause POWER FROM HELL. Denn mittlerweile hat die ehemalige Ein-Mann-Armee Sodomic Mitstreiter um sich geschart. Nachdem er zunächst den Bass an Kollege Tormentor abgegeben hatte, erweiterte zuletzt auch noch ein zweiter Gitarrist das Line-Up. Gerade letzterer Zuwachs verändert natürlich generell den Sound der Brasilianer. Darüber hinaus ist die Produktion gewissermaßen gewachsen. Schon die letzte EP klang nicht mehr so dumpf wie beispielsweise noch „Devil’s Whorehouse“. Der Sound wurde klarer, blieb aber immer noch erdig und bewusst Old School. Auch dieser Trend setzt sich auf dem aktuellen Longplayer fort. Einerseits klingt das Album so etwas professioneller, andererseits verliert die Musik dadurch auch ein wenig von ihrem Charme.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Artwork. POWER-FROM-HELL-Platten hatten traditionell immer die urigsten Cover – triefend vor satanischer Klischees, mit barbusigen Nonnen und zolllangen Killernieten, Pentagramme gab es im Dutzend billiger. Zugegeben, die Grenzen des guten Geschmacks wurden so oft schnell erreicht, aber sympathisch war das immer und passte einfach zum Gesamtkonzept der Band. Der aktuelle Silberling dagegen ist deutlich glatter aufgemacht, das Cover ein aufwendiges Gemälde mit fotorealistischem Anspruch – einzig die Petruskreuze bleiben übrig. Irgendwie fehlt einem der Kitsch.

POWER FROM HELL verändern ihren Sound, bleiben aber Old School

Doch genug von Äußerlichkeiten und Rahmenbedingungen, wie klingt „Profound Evil Presence“ denn nun? Die Entwicklung geht weiter und der bekannte Sound der Kombo ist bis zu einem gewissen Grad aufgeweicht worden. Dafür ist ein ganz ordentliches Old School Black Metal Album rausgekommen – mit hörbaren Wurzeln im Thrash und Speed Metal. Das Riffing klingt irgendwie „nordischer“, die thrashigen und speedigen Parts sind reduziert worden. Sodomic bellt zwar seine etablierten Grunts nach wie vor in die Welt hinaus, diese sind aber mit stärkerem Hall unterlegt als auf den Vorgängerwerken.

Das alles markiert grundsätzlich erstmal keine negative Entwicklung, allerdings geht schon etwas von der Identität und vom ureigenen Charme, die den Kompositionen von POWER FROM HELL innewohnen zu pflegten, verloren. Dass Old School Black Metal gerade en vogue ist, passt zu diesem Schritt. Zudem wird hier mal wieder ein Album aus dieser Richtung mit dem offiziellen Placet von DARKTHRONEs Fenriz promotet, was irgendwie inflationär zu werden scheint (mit demselben Verkaufsargument wurde kürzlich z.B. auch die letzte MORK angepriesen). Trotzdem eine absolut hörbare und irgendwie urige Platte.

 

 

29.05.2019

NO FUN NO CORE NO MOSH NO TRENDS

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