Riverside - Eye Of The Soundscape

Review

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Das war lang. Das war anders. Das war – trotz Vorwarnung – irgendwie unerwartet. Die polnischen Progressive-Pioniere RIVERSIDE rücken auf „Eye Of The Soundscape“ eine andere Facette ihres Schaffens ins Licht. Das neue Album bietet rund 100 Minuten instrumentale Ambient-Klänge – viel Elektro, wenig Gitarre, nicht das, was wir von RIVERSIDE kennen. Dabei ist das Material des vorliegenden Albumprojektes überwiegend nicht neu, sondern besteht aus Bonustracks zu „Shrine Of New Generation Slaves“ und „Love, Fear And The Time Machine“, aus Remixen, die teilweise bislang nur in Polen veröffentlicht wurden, sowie vier neuen Titeln.

Mehr als nur Recycling

Da krabbeln Befürchtungen den Nacken hoch: Hat vielleicht das Label Druck gemacht, nach dem überraschenden Tod von Gitarrist Piotr Grudziński im Februar 2016 den Bandnamen im Ohr der Hörer zu halten, bis die Gruppe sich wieder gefunden hat? Wurde da vorhandener Kram halbinspiriert ineinandergemanscht, um mit wenig Einsatz möglichst viel Geld zu verdienen? Mastermind Mariusz Duda gibt hier jedoch Entwarnung. „Bevor wir ein neues Kapitel beginnen, vielleicht eine „neue Trilogie“, hatte ich die Idee, ein ergänzendes Album zu veröffentlichen. Ein Album dazwischen. Ein Album, das wir schon immer aufnehmen wollten.“

Schließlich haben RIVERSIDE stets auch mit Ambient-Klängen gespielt, mit Elektrokram experimentiert und die Früchte dieser Arbeit nur einem vergleichsweise kleinen Publikum in Form von Bonustracks präsentiert. Die Entscheidung für „Eye Of The Soundscape“ war also bewusst und künstlerisch motiviert. Der Prozess wurde indes völlig unerwartet durchbrochen durch den Tod von Grudziński, der noch wenige Tage zuvor augenzwinkernd mit einem Mini-Keyboard in der Hand im Studio für ein Facebook-Foto posiert hatte. Seine Bandkollegen haben das Beste daraus gemacht, denn „Eye Of The Soundscape“ ist durchaus ein Denkmal geworden, kein Scherbenhaufen.

Elektronisch düster unverkennbar

Der neue Titel „Where The River Flows“ eröffnet die rund 100-minütige Klanglandschaftsbegehung mit düsteren Harmonien aus dem Keyboard, die sich erst im Laufe von mehreren Minuten in eine typisch RIVERSIDEsche Melodik hinein arbeiten. Der Opener vermittelt einen guten Eindruck von dem, was kommen wird. „Eye Of The Soundscape“ ist ein stark elektronisch geprägtes, instrumentales Ambient-Album, eine Soundscape eben, und erinnert mal an PC-Spiele aus den 90-ern, mal an Loungemusik in entlegenen Strandbars und am Allermeisten an RIVERSIDE. Letzteres ist durchaus bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die 13 Titel auf zwei CDs größtenteils kein neues Material sind, mit der bekannten Albumkost der Polen stilistisch aber dennoch wenig gemein haben. Der Grundton ist ruhig, lautmalerisch und versunken und in den mehr als anderthalb Stunden findet sich manches Glanzstück – leider aber auch viel Belangloses.

Glanzstücke – leider aber auch Belangloses

Weiter geht es mit dem Titel „Shine“, der ebenfalls auf „Eye Of The Soundscape“ erstmals veröffentlicht wird und unverkennbar die Handschrift des polnischen War-einmal-Quartetts trägt. Ebenso wie der vorangehende Track malt „Shine“ mit seinem Klangeindruck regelrecht Bilder auf die Netzhaut und lädt zum Versinken ein. Der Rest von CD 1 besteht aus bereits veröffentlichtem Material – einem Mix zu „Rapid Eye Movement“, sowie „Night Session Part I“ und „Part II“ von „Shrine Of New Generation Slaves“. Langsam aber sicher stellt sich jedoch ein Übersättigungseffekt ein. Noch immer darf sich der Hörer eingeladen fühlen, in eine anmutige Klanglandschaft abzutauchen, aber so wirklich fesseln können RIVERSIDE mit diesem Rest der ersten Platte irgendwie nicht. Stattdessen plätschert es doch zu schwach, als dass man vom musikalischen Strom mitgerissen werden könnte.

Auch auf Teil Zwei des Doppelalbums glänzen die neuen Beiträge „Sleepwalkers“ und „Eye Of The Soundscape“, die recyceltes Material von „Rapid Eye Movement“ und „Love, Fear And The Time Machine“ einrahmen. Darüber hinaus trifft insbesondere „Rainbow Trip (2016 Remix)“ einen Nerv. Track drei bis sieben sind durchaus gelungen und emotional – schrappen aber dennoch vergleichsweise eindrucksarm am Hörer vorbei.

Ein beeindruckend mutiges Album

Und so war es dann am Ende: Lang, anders, unerwartet. „Eye Of The Soundscape“ ist ein beeindruckend mutiges Album, mit dem sich RIVERSIDE weit von dem entfernen, was Fans normalerweise von dieser Band erwarten. Auf genau diesem Wege dürften wiederum Erwartungen bedient werden, schließlich sollte sich keine Kapelle dem Prog zuschreiben, die nicht bereit ist, jenseits der ausgetretenen Pfade zu wandeln. Fürchterlich gangsicher scheinen RIVERSIDE im Elektro-Terrain jedoch nicht unbedingt, zumindest wirken die bekannten Rock-Werke der Polen auf mich wesentlich fesselnder und außergewöhnlicher, als zwei Drittel der vorliegenden Veröffentlichung, die es auf meiner Begeisterungsskala nicht über die „Ganz nett“-Marke hinaus schafft.
Egal ob man Stil und Umsetzung von „Eye Of The Soundscape“ nun etwas abgewinnen kann, oder nicht – einen ganz besonderen Platz in der Diskographie von RIVERSIDE hat das Werk auf jeden Fall verdient.

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21.10.2016

"forty-two"

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