Riverside - Love, Fear And The Time Machine

Review

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„Love, Fear And the Time Machine“ beginnt mit Bildern entsättigten Dämmerlichts, in welchem die Sonne ihre letzten Minuten verbringt. Ein paar wenige lichte Strahlen, die dem roten, halbrunden Feuerball seine letzte Kraft zu kosten scheinen, finden immer wieder ihren Weg, nochmals ein wenig Wärme zu spenden. „Lost“ bereitet eine gemächliche Exposition für die darauffolgende Stunde. Zwischen PORCUPINE TREE und den Solo-Werken STEVEN WILSONs sowie der eigenen Diskografie hüllen die Musiker ihre Sehnsüchte und Ängste in Töne. Themen wie die Angst vor Entfremdung („Lost“), der Wunsch, geliebt zu werden („#Addicted“) oder die Zeit zu seinen Gunsten beeinflussen zu können („Time Travellers“) halten Einkehr in das Universum des sechsten Albums des polnischen Quartetts.

Das Album ist elegisch – es badet sich in seiner eigenen Ruhe. Diese bildet den Kosmos, ganz im Sinne seiner Ursprünglichen Bedeutung: als Ordnung. Die einzelnen Songs bilden die Sternenbilder, in denen der Hörer immer wieder neue, helle Lichtpunkte entdeckt. Einzig wird diese sternenklare Nacht ab und an verhangen von überflüssigem Unrat, der die Sicht zeitweise verdeckt.

Das Trio „#Addicted“, „Caterpillar an the Barbed Wire“ und „Saturate Me“ sind der Dreh und Angelpunkt des Albums. Sie fassen das gesamte Geschehen zusammen: die warme Ruhe, die dezenten Ausflüchte, rhythmische Intermezzi und eine songübergreifende Dramaturgie. So gut wie bei diesen Songs gelingt es RIVERSIDE an keiner weiteren Stelle, ihre Hörer bei der Hand zu nehmen und durch ihre Musik zu führen. Außerdem hat man eben nach der Hälfte der Lieder gefühlt sämtliche Harmonien und Melodien gehört und meint in der Folge nur noch Variationen dieser zu vernehmen.

„#Addicted“ fließt in seinem Refrain wie ein Gebirgsfluss. Klar und mit einigen Windungen. Die Melodie wirkt wie das Funkeln der Sonne auf dem Wasser, das sich seinen Weg durch grüne Wiesen, dem Tal entgegen bahnt. Dieses Fließen wird jedoch zum Ende hin von einem jähen Staudamm unterbrochen: das Outro. Dieses ist schön zu hören, wirkt jedoch wie ein Fremdkörper, da sich RIVERSIDE in keiner Weise um einen Übergang bemühen.

Mit der Melodieführung des Gesangs sowie der instrumentalen Harmonisierung desselben erinnert „Caterpillar And The Barbed Wire“ häufig an neue KATATONIA. Der Schlussteil bringt synthesizergeschwängerte Rockmusik mit sich, die eine Auflockerung zur richtigen Zeit ist.

„Saturate Me“ sättigt dann tatsächlich die matte Farbpalette. Mal vorsichtig, mal hart wird der Anstrich auf das bisher erbaute Klanggebäude grazil getupft oder wild verteilt. Doch zunächst eine Strophe in verhaltenem Echo, das Vergleichbar ist mit dem Gesang auf dem sehr guten Debüt von IN THE SILENCE. Am Ende verbleibt der Song der einzige, der unterschiedliche Gefühlsregungen musikalisch inszeniert.

Untersucht man, inwiefern der Albumtitel sich in der Musik wiederfindet, muss konstatiert werden: Liebe zu schöner, kantenloser, harmonischer Musik, Angst vor Disharmonie, Ecken, Kontrasten. So bleibt am Ende ein schön zu hörendes Album, was jedoch eher durch seine konsequente Gleichförmigkeit überzeugt als durch oberflächlichen Abwechslungsreichtum. Tatsächlich ist das dem Album wirklich als Stärke anzurechnen. Denn in Form von Variationen der eigenen Themen und prägnanten rhythmischen Zäsuren wird der Teufel im Detail heraufbeschworen.
Dennoch hätte dem Album eine Kürzung um etwa eine Viertelstunde besser zu Gesicht gestanden und für mehr Stringenz gesorgt. Der Vergleich zu anderen Alben der Band, beispielsweise „Out of Myself“, verdeutlicht den Verlust zwingender Musik und die Entwicklung RIVERSIDES hin zu zu leicht verdaulicher Kost, die ihren Hörern zu wenig abverlangt und sich so selbst zu Hintergrundmusik degradiert. Einen schwelgerischen Road-Trip der Sonne entgegen vermag „Love Fear And the Time Machine“ aber mehr als adäquat zu untermalen.

09.09.2015

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