Shadows Fall - The Art Of Balance

Review

Und schon wieder findet sich in diesen Tagen eine Band, die dem Vergleich mit „In Flames“ – und vielleicht auch mit „Soilwork“ – standhalten muss. Das ist an sich ja noch nichts Besonderes, schließlich sind unter dem Begriff „Göteborg-Szene“ schon lange einige schwedische Gruppen zusammengefasst, die einen mehr oder minder ähnlichen Weg des melodischen Metalls beschreiten. Doch was kommt dabei heraus, wenn eine amerikanische Gruppe aus dem US-Bundesstaat Massachusetts ebenfalls auf diesen doch recht anspruchsvollen und teils avantgardistischen Pfaden wandeln möchte, und das Ganze zusätzlich mit Thrash vermischen ? Zuerst wird man sich fragen, inwieweit eine US-Gruppe überhaupt auf dem melodischen Sektor ein gewisses Niveau erreichen kann, schließlich ist die Übersee-Szene eher von brachialem Hardcore, flottem Bay-Area-Thrash und gänzlich unmelodischem Death Metal der Marke „Cannibal Corpse“ geprägt. Zunächst einmal spürt man bei „Shadows Fall“ neuem Langeisen namens „The Art of Balance“, wie auch bei ihren vorherigen Outputs (,,With Somber Eyes to the Sky“), eindeutig einen thrashigen Wind („Bay Area“-Impressionen), der allerdings für eine rhythmisch interessante und temperamentvolle Dynamik sorgt. Trotzdem sollte man die Vorgänger „Of One Blood“ und eben „With Somber…“ durchaus zur Kategorie Melodic Death Metal rechnen, es fand also eine Wandlung statt. So finden sich hier kaum durchgängige Double-Bass-Blasts, diese treten eher geschickt gestreut und wirkungsvoll platziert auf. Überhaupt ist das ganze Schlagwerk, dass im Übrigen ungewohnt exakt gespielt wird, einer der eindrucksvollsten Träger der kreativen Ergüsse, nicht zuletzt durch seinen sehr trockenen, beinahe metallischen Sound. Insgesamt ist das Rhythmusgerüst sehr spritzig und unkonventionell – es spielt eben mit vielen Tempo-Wechseln und interessanten Breakes. Gehen wir aber weiter zur Gitarrenarbeit. Der Gitarrensound ist modern und fehlerfrei, die Riffs klingen tatsächlich innovativ. Sehr häufig werden die allseits bekannten, melodischen doppelten Gitarrenläufe verwendet, denn auch hier mischt man zwar Einflüsse der genannten Schweden (insbesondere das streitbare „Reroute to Remain“ von „In Flames“), doch heraus kommt etwas sehr Eigenständiges, sogar fast Neues. Beeindruckend sind auch die äußerst einfallsreichen Gitarren-Soli. Hier treffen sich eben die skandinavischen Einflüsse, und auch die traditionellen Elemente des Heavy Metals, mit der amerikanischen Crossover-Tradition, sei es nun Hardcore oder Nu Metal. Trotzdem klingen „Shadows Fall“ nicht nach einem zweiten „Korn“ oder einem zehnten „Papa Roach“, die Musik bringt genug Old-School-Einflüsse mit, um mit letzter Konsequenz zum Metal gerechnet zu werden. Wie bei „In Flames“ finden sich auch hier die aggressiven Vocals vermischt mit cleanem Gesang, letzterer insbesondere in den Refrains. Auch dieses mittlerweile standardisierte Stilmittel gibt „Shadows Fall“ neuem Album zusätzlichen Schwung. Die Songs folgen nicht immer dem üblichen Muster Strophe-Bridge-Refrain-Strophe, sondern warten des Öfteren auch mit interessanten Zwischenparts auf, bei denen auch cleane Gitarren eingesetzt werden. Die sechs Jahre alte Band hat in den USA schon eine gute Reputation und eine feste Anhängerschaft gefunden. Konservative Metaller werden hier allerdings an ihrem Weltbild zerbrechen: So extrem hart „Shadows Fall“ auch sein mögen, und so sehr es mir auch beim dritten Durchlauf nach ordentlichem Head-Banging dürstete, es handelt sich hier um eine Band, deren Clips bereits auf MTV-2 rotierten. Mit diesem Makel tragen „Shadows Fall“ für viele schon das Kainsmal des Mainstream. An diesem Paradoxum zeigt sich aber: Der Balanceakt zwischen Kommerz-Rock für Mode-Metaller und hartem, kompromisslosem Old-School-Metal für Reaktionisten ist „Shadows Fall“ bereits gelungen. Somit werden sie in absehbarer Zeit auf beiden Seiten große Erfolge feiern können. Dazu einmal zwei Perspektiven: „Shadows Fall“ lassen sich als durchdachter und gewollter Bastard zwischen MTV-tauglichem Nu-Metal-Material und konventionellem Scandinavian Metal bezeichnen (negative Sicht). Oder sie sind eben die noch ungekrönten Meister eines überseeischen Musikdialoges, die den Spagat zwischen amerikanischer Konsum-Musik und europäischer Musik-Ästhetik mühelos schaffen, also gleichsam eine kulturelle Fusion anstreben. Man könnte also den Albumtitel „The Art of Balance“ durchaus auch in diese Richtung deuten. Meine Anspieltips sind die beiden ersten Tracks „Idle Hands“ und „Thoughts without Words“, letzterer ist auch die Single-Auskopplung. Um den Fans der musikalischen Kategorisierung ihr Soll zu erfüllen: Ich würde „Shadows Fall“ wahlweise als Hardcore oder Melodic Thrash Metal bezeichnen. Dieses Album ist defintiv schon eine der Überraschungen des noch jungen Jahres 2003. Ich schließe meine Bewertung mit den werbewirksamen Worten der Plattenfirma ab: „Put simply, The Art of Balance is heavy metal for rock fans, rock for heavy metal fans and a mixture of the two for hardcore fans.“

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02.02.2003

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4 Kommentare zu Shadows Fall - The Art Of Balance

  1. Anonymous sagt:

    Naja als ich das gelesen habe dachte ich mir: "Nicht schon wieder eine billige In Flames / Soilwork – Kopie." Nun ich war etwas überrascht als ich es dann gehört habe. Mit In Flames hat das ganze nur puncto melodischer Gitarren zu tun…und auch das nur ca. in der Hälfte der Lieder. Meiner Meinung nach ist der Gesang teilweise ein bissl zu Mainstream bzw. auch einige Gitarrenparts aber alles in allem doch eher eine positive Überraschung.

    8/10
  2. Anonymous sagt:

    Ich war mehr als positiv überascht! Natürlich ist der Gesang wirklich teilweise etwas Mainstream-mässig, aber der Rest ist wohl absolut Oberklasse! Was das ganze mit Hardcore zu tun haben soll ist mir allerdings schleierhaft. Für mich klingt das ganze nach einer modern produzierten Mischung aus In Flames und Testament! Zudem kommt durch die ruhigeren Parts eine schöne Abwechslung (und eine Entspannung für die arg strapazierte Nackenmuskulatur…autsch!). Was mich wundert ist, das in dem ganzen Review das geniale Pink Floyd-Cover "Welcome To The Machine" nicht erwähnt wurde, das das Talent der fünf Amerikaner unterstreicht. Das Shadows Fall in den USA so erfolgreich sind wundert mich im übrigen gar nicht:1.)Melodic Death Metal und ähnliches wird bei ihnen immer beliebter (vergleiche Killswitch Engage, die ich persöhnlich nicht so toll finde); 2.) Es ist einfach gute Musik!

    9/10
  3. Anonymous sagt:

    2 Portionen Thrash Metal, 1 Portion Melodic Death Metal, und eine Prise Crossover/Hardcore und schon ist das Süppchen namens "The Art Of Balance" fertig! Schmeckt sehr lecka! Unbedingt mal antesten! Hat keinerlei faden Nachgeschmack vonwegen: Shadows Fall is Kommerz, Shadows Fall is Nu Metal! Ich verstehe ja selbst nicht, weshalb MTV Musik von Shadows Fall spielt! Wiedemauchsei, Shadows Fall haben hier wirklich ein klasse Album rausgebracht, und ich hoffe inständig, dass sie auf dem eingeschlagenen Weg noch ein Stückchen verweilen!

    9/10
  4. Anonymous sagt:

    Schon bei den ersten drei songs fuellt sich der hate level in deinem blut zum maximum! brian fair’s vocals sind einfach godlike in diesem album. einer der gruende warum ich Shadows Fall mag ist weger der brutalen vocals. ich verstehe nur nicht wie man diese vocals erzeugt. fuer abwechselung sind casting shade und Prelude to Disaster perfecte balance zwischen hardcore und softness. ein absoluter pflicht kauf fuer metalcore fans!!

    10/10