Toundra - IV

Review

Galerie mit 12 Bildern: Toundra - Gloomaar Festival 2018

Was die Namensgebung ihrer Alben angeht, halten es die Spanier TOUNDRA ziemlich simpel: Dem schlicht „I“ betitelten 2008er Debüt folgte zwei Jahre später „II“ und schließlich das 2012er Werk „III“. Unlängst erblickte nun das konsequenterweise „IV“ benannte vierte Studioalbum der Truppe aus Madrid das Licht der Welt. Auf diesem begeben sich die vier Musiker im Laufe von etwas mehr als 50 Minuten auf eine rein instrumentale, emotional packende Reise durch Post-Rock-, Alternative- und Soundtrack-Gefilde. Im Gepäck haben sie dabei nicht nur eine ausgesprochen organische Produktion, sondern auch einen riesigen Fundus an kreativen und frischen Ideen.

„IV“ stellt sich in seiner Gänze als sehr fordernde, impulsive und eindringliche Scheibe dar. Geschuldet ist dies in erster Linie der Tatsache, dass Zurückhaltung nicht unbedingt zu den großen Stärke der Spanier zählt: Anstatt die Songs mit luftigen Delay-Teppichen und behutsamen Steigerungen aufzurichten, agieren die beiden beiden Gitarristen David López und Esteban Giron vom Stand weg äußerst quirlig und mit ausgeprägter Spielfreude, die Gitarrenarbeit ist vielschichtig, leichtfüßig und detailverliebt – selbst in jenen Momenten, in denen TOUNDRA zu vergleichsweise eingängigen Vier-Akkord-Schemen greifen, findet sich immer eine flotte, prägnante Gitarrenspur, die das Ganze zusätzlich aufhübscht. Zudem hat die Band mit Alex Pérez einen Drummer an Bord, der hörbar nur sehr ungern die Füße stillhält und den ohnehin schon ausdrucksstarken Kompositionen mit seinem engagierten Spiel zusätzlichen Charakter verleiht.

Nach dem phänomenalen Opener „Strelka“ bieten TOUNDRA im weiteren Verlauf mit dem zu Beginn an MAYBESHEWILL erinnernden „Belenos“ und dem Neunminüter „Qarqom“ zwei phasenweise sehr verkopfte Stücke, welche jedoch eine nahezu perfekte Balance zwischen rhythmischen Spielereien und epischer Dramatik erreichen. Insbesondere der zweitgenannte Tracks entfaltet nach zuvor verhältnismäßig vertrackter Riffarbeit im sphärischen Schlusspart eine mitreißende, vereinnahmende Kraft.

Nachdem das von entfernt dröhnenden Gitarren begleitete Ambient-Stück „Lluvia“ erstmals (und die einzige) Möglichkeit zum Durchatmen bietet, folgt im Anschluss ein Post-Rock-Kleinod dem nächsten: Ob das positiv-beschwingte, von weichen Steel-Strings und sogar Streichern getragene „Viesca“, das kurze, in MONO-Manier ausufernde „MRWING“ oder der eindringliche Schlusstrack „Oro Rojo“ – die Spanier legen emotional ein unglaubliches Niveau an den Tag, sind dabei auch noch facettenreich – und vor allem absolut eigenständig.

„Kitsune“ setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf: Der Achtminüter und überragende Track des Albums erzeugt mit erhabenen Melodien, einer (in diesem Fall ausnahmsweise mal Genre-typischen) Dynamik und seinem orientalisch anmutenden Schlusspart massig Atmosphäre – was für ein Song! Der Titel bedeutet übrigens „Fuchs“ im Japanischen – der Track spannt somit den Bogen zum inhaltlichen Konzept des Albums, welches von zwei der roten Waldläufer handelt, die ihre Heimat aufgrund eines Flächenbrandes verlassen müssen. Damit wenden sich TOUNDRA laut eigener Aussage gegen Umweltzerstörung und die Grausamkeit der menschlichen Spezies im Allgemeinen.

Fesselnd, eigenwillig, großartig. Das alles ist „IV“. Den Namen TOUNDRA sollte man für das Post-Rock-Album des Jahres zweifelsfrei auf dem Zettel haben.

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01.02.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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