Toundra - Vortex

Review

Koffer gepackt, noch einmal schnell die Kleidung auf Wetterfestigkeit und Geländetauglichkeit geprüft, da klingeln TOUNDRA mit ihrer neuen Platte „Vortex“ auch schon an der Tür, um uns wieder einmal mit auf eine auditive Reise mitzunehmen. Dabei muss dieses Mal jedoch nicht schwindelfrei sein, denn zu solch schwelgerischen Höhenflügen wie beim Vorgänger „IV“ oder ihrem Flamenco-Rendezvouz EXQUIRLA schwingen sich die Spanier dieses Mal nicht auf. Eher gleicht „Vortex“ einem Klang gewordenen Roadtrip einmal quer durch die staubige Prärie, die natürlich – typisch TOUNDRA eben – mit allerlei erquickendem Leben und Widrigkeiten gefüllt ist. Wer mit Sand oder Kieseln in den Stiefeln nicht umgehen kann, sollte also am besten gleich zuhause bleiben.

Mit dem geländetauglichen (Post-)Rock-Quad „Vortex“ quer durch die musikalische Prärie

Die Reise ist eine sehr holprige, was nach den eher schwelgerischen Klängen, die wir zuletzt von den Spaniern zu hören bekommen haben, schon eine gewisse, erfrischende Wirkung hat. Holprig meint in dem Sinne selbstredend nicht tollpatschig, sondern eher unwegsam, rau, oder auch: bequem ist was anderes. TOUNDRA bahnen sich den Weg dorthin, wo die Straße als solche längst nicht mehr gepflastert ist. „Cobra“ macht seinem Namen in dieser Hinsicht gar keine Ehre und brettert einfach mal munter seitwärts in die Büsche. Nix mit Anschleichen und Rasseln, diese Kobra rumpelt über Stock und Stein mit der Eleganz eines Jeeps. Und am anderen Ende der unwegsamen Strecke wartet eine malerische Landschaft, die zum Kampieren einlädt. Spätestens hier erkennt man die lautmalerische Handschrift der Spanier dann doch wieder.

TOUNDRA geben Gas und bleiben am Boden – größtenteils

Dass die Karre mit so viel Elan hin und wieder mal der Bodenhaftung verlustig geht nimmt man bei TOUNDRA natürlich gerne in Kauf – vor allem wenn sich das so schön anhört wie bei „Cartavio“. Doch gerade die rauen, felsigen Männerlandschaften setzen die Spanier wie immer musikalisch grandios in Szene. Die Dichte an Melodien ist dabei durchgehend hoch, statt billigem Kitsch erforschen TOUNDRA jedoch deren Potential erschöpfend. Auch rhythmmisch fährt man auf „Vortex“ fast durchgehend mit Offroad-Antrieb, sodass die Kiste selbst steinige Straßen mit Leichtigkeit nimmt. Allein „Roy Neary“ klingt eher fragmentarisch und fügt sich dadurch nicht so gut in das Gesamtbild ein wie der Rest der Platte.

Die vertonte Abenteuerlust

Der nämlich hält die qualitative Fahne der Band weiterhin ausdauernd und mit geschwollener Brust nach oben. Keine Spur von Ermüdungserscheinungen, diesen Roadtrip sollte man nicht verpassen. Und gerade all jene, denen etwa „Para Quienes Aún Viven“ etwas zu schwülstig gewesen sein mag, finden hierin das mitunter sehr heftig rockende Kontrastprogramm, das im Gegensatz zu besagtem Quasi-Vorgänger auch ohne Gesang hervorragend auskommt. Das Wagnis als solches ist in diesem Falle natürlich rein hypothetischer Natur und steckt nicht in der Kunst per se drin, aber warum darüber philosophieren, wenn der „Vortex“ auch ohne Experimente mit spanischer Volksmusik so einen Mehrwert hat? In diesem Sinne: Koffer packen, nix vergessen und ab geht die Luzi!

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03.05.2018

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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2 Kommentare zu Toundra - Vortex

  1. cybertom sagt:

    Großartige Scheibe, genau so muss Post Metal für mich klingen. Könnte mein meistgehörtes Toundra-Album werden

    9/10
  2. nili68 sagt:

    Das Cover finde ich phänomenal. Muß auch mal erwähnt werden.