Vessels - Elliptic

Review

Galerie mit 20 Bildern: Vessels – Live in Köln 2017

Musik zu hören und zu fühlen, sie zu bewerten und über sie etwas Angemessenes zu Papier zu bringen, ist nicht selten eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die dankbarsten Fälle sind noch solche, in welchen dir die Platte einer völlig unbekannten Band auf den Tisch flattert, deren Material man entsprechend objektiv und vor allem ohne großartige Erwartungen bewerten kann. Schwieriger wird es, wenn dich eine Truppe schon fünf, zehn oder 15 Jahre begleitet, du ihre Alben kennen und schätzen gelernt hast – oder aber mit ihren Songs noch nie etwas anfangen konntest. Die Gefahr dieser Voreingenommenheit ist, dass man oft entweder zu milde, oder aber übertrieben hart mit den Musikern ins Gericht geht – einfach weil man weniger gute Platten aus der Sicht des langjährigen Fans in der Regel immer etwas positiver rezipiert – und äquivalent dem neunten CALIBAN-Album wohl auch eher eine schlechte Note gibt, wenn man mit den ersten acht Langrillen auch schon nicht warm wurde.

Manchmal sind gewisse Vorkenntnisse aber auch sehr wertvoll. Einerseits, um zu erkennen, ob und inwieweit Künstler sich weiterentwickeln oder nur noch selbst kopieren – andererseits, weil man manche Releases einfach im Kontext früherer Veröffentlichungen betrachten muss. Ein solcher Fall ist die neue EP der britischen Post-Rocker VESSELS.

Mit „White Fields And Open Devices“ sowie „Helioscope“ hat die Truppe aus Leeds in meinen Augen absolute Genre-Meilensteine veröffentlicht. Dabei integrierte das Quintett bereits erfolgreich elektronische Einflüsse in seine Musik. Mit ihrem aktuellen Output gehen VESSELS nun noch einen Schritt weiter: Das klassische Instrumentarium ist teilweise fast vollständig in den Hintergrund gerückt, der Fokus liegt über weite Strecken auf elektronischen Klängen.

Dies trifft insbesondere auf die ersten Songs zu – so beginnt der fast neunminütige Titeltrack beispielsweise als leichtfüßige Electronica-Nummer mit pulsierendem Beat und sparsamer Melodieführung. In der Folge steigert sich das Stück behutsam, indem – durchaus Post-Rock-typisch – immer weitere Sound-Layer und -elemente sowie Loops hinzukommen. Erst nach einigen Minuten kommen „richtige“ Drums hinzu, die gemeinsam mit fluffigen Keys für den Höhepunkt des Songs sorgen. Im Anschluss gibt es den Track gleich nochmal, und zwar als Radio-Edit. Dabei werden einige Parts entsprechend stark gerafft, so dass der Song am Ende unter die Vier-Minuten-Marke fällt.

Nach dem pumpenden MODESELEKTOR-Cover „Blue Clouds“ bewegt man sich im weiteren Verlauf wieder stärker in Richtung Post-Rock. Die beiden abschließenden Tracks „Myopic Biopic“ und das herausragende „Come Out Of The Sky And Fight This“ könnten in dieser Form fast auf den früheren Veröffentlichungen der Truppe stehen, vor allem letztgenanntes Stück bietet die für das Genre so charakteristischen, schwelgerischen Melodien und ausladende Atmosphäre. Auf ein wesentliches Element vergangener Tage verzichten VESSELS allerdings in allen Tracks: die Platte ist rein instrumental gehalten, die insbesondere auf „Helioscope“ eingesetzten Satz-Gesänge kommen nicht zur Verwendung.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass den Briten mit „Elliptic“ ein frisches und überzeugendes Release gelungen ist. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist sicherlich auch, dass man dank der für eine EP recht stattlichen Spielzeit von über einer halben Stunde (Radio-Edit hin oder her) auch ordentlich etwas für sein Geld geboten bekommt. Um den Bogen zum Anfang dieser Rezension zu spannen: Fans von uferlos betrübten Soundcollagen (THIS WILL DESTROY YOU) und epischen Shoegaze-Kompositionen (EF) werden mit VESSELS sicher ihre Mühe haben. Wer sich der (in dem hier vorliegenden Fall sehr gelungen inszenierten) Fusion von Post-Rock und Ambient/Electro nicht verschließt und wem die letzten Releases der Engländer bereits zugesagt haben, sollte „Elliptic“ unbedingt antesten. Möglich ist das beispielsweise auf der Bandcamp-Seite der Band.

13.12.2013

"Am Ende isses immer Arbeit."

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