Ze Gran Zeft - Gorilla Death Club

Review

Galerie mit 19 Bildern: Ze Gran Zeft – Eier mit Speck 2019

Eigentlich klingen die ersten Töne, die einem auf dem Opener „Gorilla“ des Debüts „Gorilla Death Club“ der Franzosen ZE GRAN ZEFT entgegen schallen, sogar vielsversprechend. Der moderne Ansatz, Metal mit BEASTIE BOYS-artigen Raps zu kombinieren und gut platzierten Electro-Samples zu ergänzen, funktioniert mit der offensiven Energie des Songs ziemlich gut. Die monotone Djent-Light-Gitarre, die so klingt, als sei ihr die Anwesenheit von mindestens fünf anderen Saiten auf der Klampfe entweder nicht bewusst oder egal, deutet natürlich nicht auf hohe Metal-Kunst hin, aber es groovt anständig genug, um zumindest kurzweilig über dieses Manko hinwegzusehen.

ZE GRAN ZEFT schüren falsche Hoffnungen

Anders ausgedrückt: Als jemand, der dem Crossover aus dem vergangenen Jahrtausend nicht abgeneigt ist, darf man sich durchaus angefixt zeigen nach diesem uncharakterstisch starken Opener. Warum uncharakteristisch? Nun, wenn man hiernach nämlich den Fehler begeht und gesteigertes Interesse zum Beispiel durch Weiterhören bekundet, fällt das Album ziemlich schnell auseinander.

Eigentlich grenzt die Platte immer dann an Erträglichkeit, wenn die kompetenten Rap-Parts im Mittelpunkt stehen. Aber das Songwriting ist so fad und in sich repetitiv, dass ZE GRAN ZEFT ihre wenigen Stärken nahezu gar nicht ausspielen können. Es fehlt die Energie, die Dynamik oder wenigstens der Witz oder Charme an der Sache, mit dem man der Band das Album wenigstens im übertragenen Sinne abkaufen könnte, so ESKIMO CALLBOY-mäßig eben. Aber es wird nur schlimmer, je weiter man in „Gorilla Death Club“ eintaucht. Und dieser beharrliche Autotune-Einsatz ruiniert praktisch jede klar gesungene Zeile, die sich für eine solide Hook anböte.

Als wäre Pop-Metal-Käse allein schon nicht schlimm genug…

„Bitch In A Box“ ist einer dieser promiskuitiven, modernen R’n’B-„Banger“, der zusätzlich mit simplen Kniekehlen-Riffs ausgestattet ist und mit den tumben Lyrics über die typischen Hüftschwung-Machismen sofort und massivst auf die Nerven geht. Das folgende „Kanye“ reduziert den Wortschatz noch weiter herunter, zielt damit aber zugegeben bewusst auf eine offensichtliche Kanye West-Ästhetik ab. Doch es bleibt bei der Ästhetik, denn dessen Produktion geschweige denn lichte Songwriting-Momente werden in diesem repetitiven Song nicht im geringsten erreicht.

Im Grunde geht es so weiter, gefühlt ad infinitum. Denn wenn das Album nicht gerade einen Affront gegen den Geschmack darstellt, dann langweilt es nur zu Tode. Selbst die eingangs positiv erwähnte Crossover-Attitüde wird bei „Reel It In“ und später bei „Caramel Eye“ lediglich stumpf reproduziert, nicht interessant ausgebaut, im Gegenteil: „Caramel Eye“ schiebt sogar noch einen total faden Autotune-Chorus dazwischen. Trap wird indes in „French Slang Supremacy (Top Of It)“ verwurstet – inklusive charakteristischem Druffie-Gelalle, mit dem man heutzutage tatsächlich Stadien füllt. Okaaaay…

Dem „Gorilla Death Club“ muss man nicht beitreten

Und ein roter Faden macht sich auch nicht wirklich bemerkbar. Neben lichten weil härteren Rap-Metal-Momenten, unnötigen Trap-Metal-Abscheuligkeiten und faden Pop-Metal-Songs, über die sich TO THE RATS AND WOLVES kaputt lachen würden, hauen ZE GRAN ZEFT noch eine wahllose Reggae-Verwurstung („La Sprezzatura“) raus sowie etwas, was mit seinen Electro-Einflüssen sicher mal ein PENDULUM-Song sein möchte, wenn’s groß ist („BBB (Big BarBell)“).

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Album ist nicht gut. Es möchte dieser große, durchgeknallte und zeitgemäße Crossover-Retter sein, aber alles was das Album tut, nervt, wenn es nicht gerade langweilt. Der Mangel an Konsistenz und Geschmackssicherheit sowie der penetrante Einsatz von Autotune und diese schlimmen, schlimmen Texte drücken den fetten „Bad Taste“-Stempel endgültig auf ein Album drauf, das natürlich auf der Welle der Zeit schwimmt. Aber wenn man so sieht, was da noch alles an Müll und Fäkalien mit herum schwimmt, dann ist man schon froh, wenn man die Tage der Trendverfolgung erfolgreich hinter sich gelassen hat.

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14.03.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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