The Smiths
Penible und sorgfältige, aber anstrengende und trockene Pop-Biographie

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The Smiths

Obwohl die SMITHS eindeutig eine Popband waren, ist es sicherlich nicht verkehrt, sich auch damit auseinander zu setzen. Mir ist die von 1982 bis 1987 bestehende Band absolut kein Begriff gewesen, obwohl sie in „Kennerkreisen“ als überaus einflussreich und genialistisch gelten.

„Songs That Saved Your Life“, in dritter Auflage erschienen, soll ein „gefeiertes“ Buch sein und stellt die Biographie der SMITHS anhand ihrer einzelnen Songs und deren Entstehungsgeschichte dar. Das ist eine ungewöhnliche, aber durchaus wohlüberlegte Vorgehensweise, weil es zu jedem Stück etwas zu erzählen gibt – dass das meist eine Geschichte im Stil von „nun ja, ich spielte da seit einiger Zeit diese Akkorde vor mich hin, und auf einmal war das Stück fertig und wir waren im Studio und nahmen es auf“ und „der Song XYZ ist gnadenlos unterbewertet, eines der unerkannten Meisterwerke der Band, das unbeachtet blieb und in den Charts nicht weiter als bis Platz 10 stieg“, ist allerdings die realistische Seite davon. Simon Goddard outet sich schon im Vorwort als bedingungsloser SMITHS-Fanatiker, hält die Popper für die emotionalste, intelligenteste und einflussreichste englische Popband aller Zeiten und hält sich mit kritischen Bemerkungen auffällig zurück. Er vergisst auch völlig die Möglichkeit, dass die Stücke, die er für unterbewertet und vernachlässigt hält, in Wirklichkeit vielleicht zu Recht nicht besonders beachtet wurden – Qualität setzt sich bekanntlich durch.

Natürlich habe ich mir die Platten besorgt, über die hier gesprochen wird, und ich habe auch versucht, sie mir anzuhören. Obwohl es in dieser Rezension um eine Bewertung des Buches geht, kann ich mich von einer Bewertung der Musik, damit der Band und in der Konsequenz daraus auch des Buchgehaltes nicht freimachen. Für mich sind die SMITHS eine mittelmäßig talentierte, typische Popband der 80er Jahre, die keinen wirklichen Hit zu Stande gebracht hat, deren Sänger Steven Morrissey sein halbes Textrepertoire von geschmacklosen Hinterhofdramen der 60er Jahre „inspiriert“ sieht (genau genommen sind stets ganze Metaphern, Sätze und Passagen übernommen), der seine gesamte Band zu vegetarischem, ungewürztem Catering gezwungen hat, Behinderungs-Accessoires auf der Bühne liebte, abstinent lebte und sein gnadenloses, triefendes Selbstmitlied mit Hilfe einer mittelmäßigen, eher schiefen Stimme nach außen trug.
Genialistisches kann ich an der Musik dieser Band nicht entdecken, auch wenn ich hartnäckig danach gesucht habe. Für mich scheinen die SMITHS eine von einem pseudointellektuellen Sänger mit größtmöglichen psychischen Problemen und Johnny Marr, einem Gitarristen, der sein halbes Songmaterial von anderen Bands entlehnt oder sich selbst kopiert hat, geleitete Band aus verwöhnten bürgerlichen Musikern.

Simon Goddard versucht, die Songs bis auf das einzelne Wort und den einzelnen Ton heruntergebrochen zu analysieren, tut das aber mit dem (allerdings von Subjektivität getrübten) Gehör und dem Blick eines Theoretikers, beinahe eines Literatur- und Musikwissenschaftlers. Vielleicht haben die SMITHS Musik für Intellektuelle gemacht, das halte ich für gut möglich. Das ist allerdings ganz und gar nicht meine Welt, und die Art, wie Goddard seine Nachforschungen und Meinungen in „Songs That Saved Your Life“ darstellt, ist mir zu trocken, zu humorlos, zu routiniert – es handelt sich immerhin um Musik, die gelebt und gefühlt werden will.

Wer eine exakte, lückenlose Auflistung der Bandgeschichte der SMITHS, ohne große Hintergründe und sehr auf die entstandenen Lieder fokussiert, sucht, findet in „Songs That Saved Your Life“ ganz bestimmt die Erfüllung. Wer ein gutes Buch lesen und etwas über eine interessante Band lernen möchte, sollte sich vielleicht besser eine andere Lektüre suchen. Ich jedenfalls musste mich gegen Ende der 310 Textseiten sichtlich quälen, und das kann nicht Sinn und Zweck eines Buches sein.

„Songs That Saved Your Life“ ist im Heel-Verlag erschienen und kostet 19.95 Euro.

17.08.2007

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