Infernal Poetry - Paraphiliac

Review

Italienischer Death Metal, die zweite (nach REALITY GREY). Diesmal sind es INFERNAL POETRY aus Marche, deren Werk in meinen Player gewandert ist – und zumindest geht es im Gegensatz zum REALITY GREY-Totalausfall von eben qualitativ bergauf.

Denn was man INFERNAL POETRY auf jeden Fall nicht vorwerfen kann, ist, dass sie nur die Genrestandards rauf- und runterspielen – da reiht sich verrückte Songstruktur an verrückte Songstruktur, abgefahrenes Riff an abgefahrenes Riff … Überforderung des Hörers galore? Auch wenn das alles auf “Paraphiliac” nicht ganz so schlimm zu sein scheint, wie noch auf dem Vorgänger “Nervous System Checking” (wenn man dem Kollegen von damals glaubt), anstrengend ist das schon.

Nun ist anstrengende Musik, die den Hörer fordert und zum Mitdenken zwingt, die mit Erwartungen spielt und immer mal wieder ein Experiment einbaut, ja grundsätzlich nichts Schlechtes – es muss nur auch irgendwo hörbar sein; wenn nicht selbst der komplexeste Song irgendwann Klick macht, kann er (für mich) kein guter Song sein. Dieses Problem sehe ich bei “Paraphiliac”: Das ist sicherlich alles ganz abgefahren gespielt, technisch sauber und nicht zuletzt sehr, sehr kreativ – aber es lässt dem Hörer ob der ständigen 180-Grad-Drehungen, der andauernden Breaks und Tempowechsel kaum Luft zum Atmen, kaum greifbare Ansätze, um hinterherzukommen.

Das ist ein bisschen schade, denn wie bereits gesagt: INFERNAL POETRY sind durchaus gut an ihren Instrumenten und haben auch in Sachen Kreativität einiges auf dem Kasten. Wer nichts anrührt, wo man auch nur ansatzweise von “Eingängigkeit” reden könnte, der könnte mit “Paraphiliac” glücklich werden, ansonsten besser erstmal reinhören. Bei mir reicht’s wegen der genannten Pluspunkte noch zur 5/10. Auch, wenn man sich scheinbar Mühe gegeben hat, seitdem der Kollege von oben den Vorgänger besprochen hat – beim nächsten Mal darf da ruhig noch ein bisschen an den Songs als Gesamtkunstwerk gearbeitet werden, nicht nur an einzelnen Songparts … dann könnte das ein richtig fettes Stück modernen, progressiv-technischen Death Metals werden.

13.01.2013

Stellvertretender Chefredakteur. Auch bekannt als Herr Møller.

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