Tuatha De Danann - Tingaralatingadun

Review

Nein, auch ich käme über die Aussprache-Versuche von Band- und Album-Namen nicht hinaus, würde ich mit dem hier vorzustellenden Quintett ein Phoner-Interview führen. Derart krebserregende Rachenlaute sind als Bandnamen erfahrungsgemäß entweder per Finger-inne-Fibel-Verfahren dem Necronomicon entliehen oder aus einer alkoholbefeuchteten Narretei geboren. Im vorliegenden Falle jedoch entspringt zumindest der Bandname der irisch-keltischen Mythologie, nach der die Tuatha de Danann das feenhafte Volk der Göttin Danu waren, die vor ihrer Verbannung durch den Menschen die Grüne Insel besiedelten (der Albumname hingegen ist ein bedenkliches Phantasiekostrukt…) Auf diesem inhaltlichen Terrain verweben sich – wen wundert’s? – auch das lyrische Konzept mit dem beeindruckenden musikalischen Ragout aus Folk-, Power-, Death- und Mittelalter-Metal. Dass sich jedoch ausgerechnet fünf Brasilianer (!) dieser europäischen Legenden annehmen, zeugt m. E. für ein nicht allein obligatorisches Interesse, das man wohl getrost so manch einheimischem Wochenend-Mythologen nachsagen darf. Die hier anzutreffende leidenschaftliche Faszination für die fernen Legenden wird in der musikalischen Interpretation und phantasievollen instrumentalen Ausgestaltung auf wundersame Weise greifbar, auch ohne je einem Blick ins Booklet geworfen zu haben. Während das Grundrüstzeug nie seine metallene Wurzeln leugnet und diese in nahezu jedem Song fest ins fruchtige Fundament gräbt, schmücken die Kronen dieses bunt blühenden Zauberwaldes unzählige origineller Ideen, die durch Banjo, Flöten, Geigen und vor allem durch eine Unzahl an verschiedenartigen Stimmlagen in mitreissender Spielfreude Melodie werden. Neben den den dominierenden folklorischen Clean Vocals in mittlerer Stimmlage und einem starken Männerchor bringen unerwartet bösartige Grunts einen höchst willkommenen Death-Einschlag; kraftmetallischer Männer-Sopran übernimmt in etlichen Tracks das Ruder, wirkt aber zu keiner Zeit (nerven-) zerstörerisch auf das vielgestaltige Treiben. Ferner findet eine ur-irisch anmutende halbe Minute reinen A Capella-Wirkens ihren Platz in dem ohnehin überragenden „Tan Pinga Ra Tan“, zwei hochkarätige Instrumental-Intermezzi bieten den übrigen Stücken einen Geltung verleihenden Rahmen. Bedenkenlos kann man sich an SKYCLAD, SUBWAY TO SALLY oder in frechen Momenten gar an die TOY DOLLS erinnert fühlen; die frische Kombination, die lebhaften Melodien und nicht zuletzt das muntere Rollenspiel der verschiedenen Stimmen (herrlich: „Finganfor“ und „Tingaralatingadun“) lassen das Resultat in Herz und Glieder fahren. Hin und wieder allerdings wäre dem fast durchweg in Midtempo vagabundierenden Rhythmus ein kurzer Sprint sehr zuträglich gewesen, gerade Geige und Flöte verbreiten ihre potenzielle Energie oft mit angezogener Handbremse. Möglich, dass dieser kleine Mangel dem ansonsten tadellosen Werk jenes gewisse Etwas raubt, der mich von einer noch höheren Punktzahl absehen lässt. Nichtsdestotrotz mischt diese Scheibe in äusserst sympathischem Klang mal wieder ein paar altbackene Konventionen auf, wie wir es zuletzt bei FINNTROLL genießen durften.

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26.12.2002

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1 Kommentar zu Tuatha De Danann - Tingaralatingadun

  1. Anonymous sagt:

    grandioser frühlingspartywohlfühlmetal. "Delirium you will find on this magical land. There’s much wine, beer, mushrooms – delightful land. Let’s sing with them, we were invited to dance. Breaking the chains – let’s fly with them"." – in diesem sinne… skoll!

    9/10