Wintarnaht - In Âgez

Review

Die Band WINTARNAHT wurde ursprünglich 1997 von Grimwald (Gesang und alle Instrumente) unter dem damaligen Bandnamen WINTERNIGHT gegründet. Dieser wurde inspiriert nach dem gleichnamigen Song von FALKENBACHs Debütalbum. Im darauffolgenden Jahr stieg Schlagzeuger Goatruler ein, weitere Mitglieder kamen hinzu. Zwischenzeitlich wurden WINTERNIGHT aufgelöst. Ende 2004 wurde die Band von beiden Protagonisten wieder zum Leben erweckt. 2007 wurde mit dem Demo “Rache…” alle bisherigen Songs von WINTERNIGHT im Stil des rohen Old School Pagan Black Metals veröffentlicht. Ursprünglich als Split mit TODGEWEIHT geplant, folgte 2010 die Veröffentlichung des ersten  Albums “Pestilenz” über Obscure Abhorrence. Zwei Jahre später erfolgte die Umbenennung in WINTARNAHT (althochdeutsch), und damit auch der Wechsel der Textsprache in Althochdeutsch. Die althochdeutsche Lyrik stellt ein Novum in der (schwarz-)metallischen Musikkunst dar.

“In Âgez”

Inzwischen liegt das dritte WINTARNAHT Album namens  “In Âgez” (In Vergesseneit) in Form eines wunderbar aufwendig aufgemachten, wertigen Digipacks vor. Die Verse wurden handschriftlich im Stil des 9. bis 10. Jahrhunderts (althochdeutsch-Kloster Fulda) niedergeschrieben. Alle althochdeutschen Texte und Übersetzungen in Neudeutsch sind im Beiheft enthalten.

WINTARNAHT spielen archaischen Pagan/Black Metal, dessen musikalische Wurzeln in den Neunzigern liegen. Das schwarz-pagane Werk entfaltet durch die Mischung aus sich stark abgrenzenden Alleinstellungsmerkmalen wie der althochdeutschen Lyrik in Verbindung mit der doch sehr abwechslungsreichen Musik eine ganz besondere, eigenständige, außergewöhnliche Atmosphäre. Naturbezogenheit, Paganismus, Misanthropie, frei von Theismus, vielschichtig vertont. Der Stil vom Vorgängeralbum “Tôdhên Uoþal” wurde beibehalten und weiterentwickelt. Das fängt schon mit dem Titelsong “In Âgez” an, der nach kurzem Windrauschen und Vogelstimmen sogleich in eine drückende Wand aus Schlagzeug und Gitarren aufgeht. Den Übergang zu “Balwaz Gudam” (Krankheit Theismus) bildet Chorgesang, ehe das Stück in einem boshaften, recht orthodoxen Black-Metal-Gewitter mit extremen Screams explodiert. Das folgende epische “Megîn Aihha” (Die mächtige Eiche) ist sehr abwechslungsreich gehalten und hat fast schon progressive Elemente.

WINTARNAHT gelingt es, verschiedene Stilelemente in ihre ausgefeilte Musik passend einzufügen und die Genregrenzen zu sprengen. Das betrifft den stets kraftvollen Gesang, der zwischen typisch garstigem Kreischgesang über heiser bis zu klarer Stimme und Chören wechselt. Ebenso die Gitarrenarbeit, zwischen typisch sägend über heavy rockende Riffs bis hin zu melodischen Fragmenten. Und für eine Überraschung sind sich WINTARNAHT auch nicht zu schade, wie bspw. ein urklassisches Gitarrensolo in “Seþal ûz îs” (Der Thron aus Eis) auftaucht. Das einzige akustische Lied auf “In Âgez” hört auf den Titel “Anagift þe Wintar II” (Anbeginn des Winters) und erhöht auch nochmals die Dynamik und den Kontrast des Albums. Der authentische Sound von “In Âgez” ist sauber und transparent.

Man kann es an allen Ecken und Kanten feststellen: WINTARNAHT pflegen die Liebe zum Detail. Musik, Sprache, Konzept, Gestaltung, alles ist in sich stimmig und fein ausgearbeitet. Das archaische “In Âgez” lebt von rauer, düsterer Atmosphäre und ist ein überdurchschnittliches, ausgewogenes, stilvolles Album.

12.04.2017

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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1 Kommentar zu Wintarnaht - In Âgez

  1. WintarThiufal sagt:

    Das komplette Album kann auf dem Wintarnaht Youtube Kanal angehört werden:
    https://www.youtube.com/playlist?list=PLvt4jvbP4sHepxXPAza95VLLuo7QhG7P0
    Kontakt: wintarnaht(at)gmx.de