Hypocrisy
Mass Hallucination Tour 2026

Konzertbericht

Billing: Hypocrisy, Abbath, Vomitory und Vreid
Konzert vom 23.04.2026 | Essigfabrik, Köln

Vier Bands, viermal Vollbedienung: Unter dem Banner der „Mass Hallucination Tour 2026“ ziehen HYPOCRISY, ABBATH, VOMITORY und VREID durch Europa. Wir haben die Nackenmuskeln vorgewärmt und uns für Euch in Köln ins Getümmel gestürzt.

Text: Eckart Maronde (Köln)
Fotos: Andrea Friedrich (Berlin)

VREID

Konzertfoto von Vreid - Mass Hallucination Tour 2026

VREID: Play, Goddamnit!

Für einen Donnerstag ist die Essigfabrik im rechtsrheinischen Köln-Deutz gut besucht. Zwar gibt es an der Abendkasse noch Restkarten, aber bei den ersten Tönen von VREID ist es schon ordentlich voll in der Halle im Gebäude einer ehemaligen – genau: Essigfabrik. Und diese ersten Töne erschallen pünktlich um 18:50 Uhr – wer also noch im Feierabendverkehr steckt (hey, es ist Köln), keinen Parkplatz vor der Halle mehr ergattert hat (das war irgendwann Realität) oder sich im guten Glauben an die rheinische Pünktlichkeit (das ist doch 18:50 Uhr c.t., oder?) schnell noch ein Bierchen reindrückt, hat eventuell schon den Beginn mit „Speak Goddamnit“ verpasst. Und damit den Auftakt eines knackig kurzen, halbstündigen Sets mit lediglich sechs Songs, das allerdings die gesamte Diskografie der Norweger umfasst: „Pitch Black“ darf dabei ebenso wenig fehlen wie neuerer Stoff vom Schlage „From These Woods“.

Galerie mit 30 Bildern: Vreid - Mass Hallucination Tour 2026 in Berlin

Die Bühne wird bereits bestimmt vom Schlagzeugaufbau des späteren Headliners, weswegen Drummer Steingrim links davon Platz nehmen muss (wie alle Schlagzeuger der weiteren Vorbands). Von Gedränge auf der Bühne ist aber wenig zu spüren: Die Norweger sind auf dieser Tour zu viert und ohne Keyboarder unterwegs, weswegen sich Sture, Strom und der hünenhafte Bassist Hváll bequem an vorderster Bühnenfront abwechseln können. Letzterer ist es auch, der im Verlauf immer mehr die Initiative ergreift und das Publikum anfeuert. Das reagiert auch begeistert und beschert den Sognametallern einen warmen Applaus, selbst wenn es beim Sound noch Steigerungspotential gibt und die Mischung aus diffusem Licht und viel Nebel optischen Matsch erzeugt.

Setlist

Speak Goddamnit
Pitch Black
The Skies Turn Black
Into the Mountains
From These Woods
Lifehunger

VOMITORY

Konzertfoto von Vomitory - Mass Hallucination Tour 2026

VOMITORY: schwedisches Geknüpple

Band Nummer zwei an diesem Abend steht wie wohl keine andere für Schwedentod der naturalistischsten Art: Jedenfalls waren Anbiederungen an Zeitgeist, Keyboards oder andere Gimmicks nie ihr Ding – VOMITORY stehen seit jeher für „schwedisches Geknüpple“ (wie es einst ein schwäbischer Kollege wissend zusammenfasste). Was braucht es auch schon mehr als zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gegrunze? Groove vielleicht, Blastbeats auch – und die Fähigkeit, das alles gekonnt miteinander zu verbinden. Jedenfalls entfesseln die Schweden den Songtiteln entsprechend „Chaos Fury“ und „Wrath Unbound“, und auch „All Heads Are Gonna Roll“ wird bei den rollenden Death-Metal-Nackenbrechern im Publikum fast zur Realität.

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Der neue Leadgitarrist Christian Fredriksson fügt sich nahtlos in das Kollektiv ein, darf das eine oder andere Solo spielen, überlässt, anders als sein Vorgänger, die Ansagen aber Bassist und Sänger Erik Rundqvist. Drummer Tobias Gustafsson wiederum hält den Sound zusammen, treibt an und gibt das Tempo vor – und schafft es dabei, unwiderstehlich seine Matte zu schütteln. Ein gewohnt engagierter Auftritt also. Und dank solcher Granaten wie „Revelation Nausea“ und „Terrorize Brutalize Sodomize“ haben die Schweden schnell das Publikum auf ihrer Seite. Auch neue Stücke wie „For Gore and Country“ werden gebührend abgefeiert, wohingegen ein eigentlich sicherer Klopfer wie „Regorge In The Morgue“ fast schon zurückhaltend bejubelt wird. Trotzdem lassen die Schweden nichts anbrennen. Feine Sache.

Setlist

Revelation Nausea
Terrorize Brutalize Sodomize
For Gore And Country
Rage Of Honour
All Heads Are Gonna Roll
Wrath Unbound
Regorge In The Morgue
Chaos Fury

ABBATH

Konzertfoto von Abbath - Mass Hallucination Tour 2026

ABBATH macht ABBATH-Sachen

Das eine oder andere geschminkte Gesicht im Publikum zeugt von der musikalischen und stilistischen Vielfalt an diesem Abend – nach der straighten Death-Metal-Breitseite stehen jetzt wieder schwärzere Klänge an, und passend dazu eifert so mancher Meister ABBATH nach und hat sein Antlitz dämonengleich eingefärbt. Klar ist aber auch: Es gibt nur ein‘ Rudi… äh ABBATH. Und ABBATH macht einfach ABBATH-Sachen. Fangen wir mit der Musik an: Die ist Black Metal, bei dem der Nordwind pfeift und der Frontmann das eine oder andere reverbgeschwängerte Gitarrenarpeggio abfeuert. „Dream Cull“ und „Hecate“ aus der eigenen Diskografie sind eine sichere Bank, genauso wie ein paar Rückgriffe auf die IMMORTAL-Zeit des Frontmanns.

Galerie mit 18 Bildern: Abbath - Mass Hallucination Tour 2026 in Berlin

Das Publikum ist durch die Songs schnell auf Betriebstemperatur, und den Rest erledigt der Frontmann mit seinen ulkigen Animationen: Was er da in seinen schnell genuschelten Ansagen mitteilt? Keine Ahnung! Dafür wissen die Zuschauer, wann sie aus der Hocke aufspringen und in Jubel ausbrechen müssen – wenn sie nicht eh gerade ein Lachen verschlucken. Aber auch Drummer Ukri Suvilehto kommt im Laufe des Gigs immer besser in Fahrt, steht während der Songs auf und animiert von seiner Position hinter dem Drumkit das Publikum. Der Sound? Immer noch ein wenig matschig, aber dafür macht das große ABBATH-Bandlogo aus Metall vor dem Schlagzeugaufbau etwas her und der Auftritt insgesamt Spaß.

Setlist (geraten)

To War!
Hecate
Acid Haze
Dream Cull
In My Kingdom Cold (Immortal cover)
Tyrants (Immortal cover)
Ashes Of The Damned
The Artifex
Dread Reaver
Winterbane

HYPOCRISY

Konzertfoto von Hypocrisy - Mass Hallucination Tour 2026

HYPOCRISY: Gabelbart und Augenringe erscheinen im rechten Licht

Zeit für HYPOCRISY, den Headliner dieses Abends, und für den wird nicht nur das Laken über dem Drumkit gelüftet, sondern auch im eher übertragenen Sinn jenes über Lichtshow und Sound: Jedenfalls tönt nicht nur der Opener „They Will Arrive“ plötzlich ganz transparent aus den Boxen – auch die facettenreiche Beleuchtung lässt den Gabelbart von Frontmann Peter Tägtgren im rechten Licht erscheinen, und von den Augenringen haben wir da noch gar nicht gesprochen. Auf dem Backdrop erscheinen derweil Projektionen, welche die jeweiligen Songs optisch untermalen.

Aber abseits aller Äußerlichkeiten zeigen die Schweden, wie es gemacht wird: Der Sound ist massiv, die Songs eine schöne Mischung aus melodischem Death Metal und dem eher rabiaten Geklopfe alter Tage – schließlich haben HYPOCRISY neue Songs, alte Songs und welche von dazwischen mitgebracht, wie Tägtgren in einer seiner Ansagen zusammenfasst. Und so steht „Fire In The Sky“ neben „Inferior Devoties“ und “Adjusting The Sun” neben “Killing Art”.

Peter Tägtgren, Bassist Mikael Hedlund (der einst als 16-jähriger Jungspund bei HYPOCRISY angefangen hatte und dort mittlerweile zwei Drittel seines Lebens verbracht hat – eine echte Malocher-Biografie), der zweite Gitarristen Tomas Elofsson und Drummer Henrik Axelsson halten den Sound zusammen und spielen souverän die Songs runter. Der Frontmann ist aber darüber hinaus bei guter Laune und plaudert in seinen Ansagen immer wieder drauflos.

Galerie mit 28 Bildern: Hypocrisy - Mass Hallucination Tour 2026 in Berlin

Der Sound, die Songs und die Show stimmen also – und das Publikum zelebriert jedes einzelne Stück. Nach „Adjusting The Sun“ ist zwar das reguläre Set vorbei, aber da noch zumindest ein Must-have-Song fehlt, ist klar, dass noch etwas kommt. Und so stiefeln die Herren noch einmal auf die Bühne, um „Fractured Millennium“ und „War-Path“ anzustimmen. Und als im Hintergrund plötzlich Aliens erscheinen, ist klar, dass das dräuende Intro irgendwann in der Aussage „this is weird“ gipfeln wird und HYPOCRISY ihren Hit „Roswell 47“ anstimmen. Das lässt die Begeisterungskurve noch einmal steil nach oben schnellen.

Setlist

They Will Arrive
Fire In The Sky
Inferior Devoties
Chemical Whore
Carved Up
Children Of The Gray
End Of Disclosure
Killing Art
Eraser
Deathrow (No Regrets)
Adjusting The Sun

Fractured Millennium
War-Path
Roswell 47

Pünktlich um 23:00 Uhr ertönt aber der letzte Akkord: Zurück bleiben Erinnerungen an ein durchweg gelungenes Konzert mit vier sehr unterschiedlichen Bands, die mal vor allem die Musik sprechen lassen, mal der Show ein wenig mehr Raum einräumen, deren gemeinsamer Nenner aber die härteren Klänge sind. Kurzum: Wer ein Faible für Death und Black Metal hat, wird diesen Abend bestens unterhalten.

04.05.2026

- Dreaming in Red -

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Hypocrisy, Abbath, Vomitory und Vreid auf Tour

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