Crucivore - Desecration

Review

Soundcheck November 2026# 24

Ricardo Proença und seine Mitstreiter bei CRUCIVORE sind allesamt keine unbeschriebenen Blätter im portugiesischen brutalen Death-Metal-Umfeld. Die wohl bekannteste Visitenkarte gab der 39-Jährige wohl bei ANALEPSY ab, wo er im Jahr 2015 die Debüt-EP „Dehumanization By Supremacy“ eingurgelte. Weitere Projekte von ihm oder seiner Bandkollegen sind obligatorisch. CORPSEIFICATION, LIQUEFIED, NEOPLASSIS – alles Underground, alles Brutal- oder Slam Death Metal, alles auf die Fresse. Im Vorfeld des Releases zu diesem Auftaktwerk, „Desecration“, macht man ebenfalls keinen Hehl darum, hier irgendwas hochzustilisieren. Die Suppe wird gesalzen, und zwar ordentlich.

Ordentlich Salz in die Wunde

Hier gibt es zunächst einmal ein munteres Brainstorming zu allem, was möglichst brutal ist, die Magengrube malträtiert und einmal auf links dreht. „Memento Mori“ und „The Banished Torment“ machen sogar noch ziemlich viel Spaß, weil den Gitarristen Ricardo Jorge und Sérgio Páscoa noch etwas Raum gelassen wird, um die eine oder andere Kettensäge anzuwerfen. Dann folgt aber der Plastik-Bulldozer Tomás Carvalho hinter den Fellen, der seine Umgebung gnadenlos einfettet. Zwar ist das in der Szene nichts Neues, doch das ultrakünstliche Schlagzeug ist schon für sich alleine ein Grund für Unmut.

Zwar sitzt zwischendurch auch mal ein wohlgenährter Breakdown, mit Deathcore wollen CRUCIVORE im Großen und Ganzen aber trotzdem nichts zu tun haben. Und das, obwohl mit „The Oracle“ zur Albummitte der beste Titel der Platte ein bisschen beim symphonischen Wahnsinn von LORNA SHORE abgeschaut hat. Hier gewinnt „Desecration“ ein wenig Tiefe, Proença entkernt nicht nur durch den Tieftöner und die Synthie-Sprenkel sind auch eher ein Gewinn.

Pappige Kessel und blasse Songs

Danach gibt es allerdings wieder bemerkenswert unkantig auf die Kasse und spätestens im letzten Drittel des Albums ist der Geduldsfaden hinreichend überstrapaziert. Dass sich CRUCIVORE mittig zwischen allen Trademarks des modernen Brutal Death Metal positionieren, führt eine etwaige Identitätsbildung natürlich ad absurdum. Das herb unmenschliche Geboller aus der Kesselfabrik muss man schlucken, die manchmal etwas blassen Songs auch, dennoch ein ordentlicher Einstand.

07.11.2026

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