Amon Amarth
"Wir versuchen nicht bewusst, auf eine bestimmte Weise zu klingen – das ist einfach unser Sound geworden."

Interview

Wir haben mit AMON AMARTH über ihr neues Album „The Allfather Awakens“, musikalische Veränderungen und nordische Mythologie gesprochen.

Hey und willkommen bei Metal.de! Heute sprechen wir mit Johan Söderberg über das neue AMON AMARTH Album „The Allfather Awakens“. Schön, dass du dabei bist!

Danke, freut mich, hier zu sein!

Glückwunsch zum neuen Album! Was unterscheidet „The Allfather Awakens“ von euren vorherigen Veröffentlichungen?

Ich glaube, dass es insgesamt ein stärkeres Album geworden ist als das letzte. Natürlich ist man bei jeder neuen Platte begeistert, weil die Songs frisch sind und Spaß machen. Trotzdem denke ich, dass wir auch in einigen Jahren noch sehr positiv darauf zurückblicken werden. Manche sehen es bereits als unser bestes Album seit „Twilight of the Thunder God“.

Ihr beschreibt neue Alben gerne als den Beginn einer neuen Welt. In welche Welt entführt ihr die Fans diesmal?

Diesmal drehen sich alle Songs um Odin, erzählen aber jeweils eigenständige Geschichten. Außerdem planen wir eine komplett neue Bühnenproduktion. Das wird eine größere Veränderung als beim letzten Album.

Odin spielt in eurer Musik immer wieder eine zentrale Rolle. Was macht ihn als mythologische Figur so faszinierend?

Odin ist der Göttervater und eine unglaublich vielseitige Figur. Er steht nicht nur für Krieg, sondern auch für Weisheit, Magie, Tod und Poesie. Dadurch bietet er jede Menge Stoff für unterschiedliche Geschichten. Genau diese Vielseitigkeit macht ihn für uns so interessant.

Was bedeutet der Albumtitel „The Allfather Awakens“ für dich persönlich?

Ich verbinde damit keine besondere versteckte Botschaft. Die Idee für den Titel kam vermutlich aus der Band, und dahinter steckt sicher ein bestimmter Gedanke. Für mich selbst steht aber vor allem die Musik im Mittelpunkt.

Hat sich dein Verhältnis zur nordischen Mythologie im Laufe der Jahre verändert?

Nicht wirklich. Ich finde sie einfach eine großartige Inspirationsquelle für Heavy Metal. Die Geschichten und Bilder passen hervorragend zu dieser Musik. Während wir früher auch historische Ereignisse aufgegriffen haben, dreht sich diesmal fast alles um mythologische Erzählungen.

Mit „We Rule the Waves“ habt ihr 2025 die neue Albumphase eingeläutet. Warum fiel die Wahl auf diesen Song?

Wir haben das Album in zwei Etappen aufgenommen – die erste Hälfte im März 2025, die zweite ein Jahr später. Aus den ersten Songs haben wir den Titel ausgewählt, der sich am besten als Single eignete. Außerdem brauchten wir neues Material für die anstehende Tour. Deshalb war er ein guter Einstieg in diese neue Phase.

Mit „Upphaf“ habt ihr erstmals einen vollständig akustischen Song veröffentlicht. Wie entstand die Idee dazu?

Den Gedanken hatten wir schon seit vielen Jahren. Wir wollten einen akustischen Song, den wir auch live spielen können, um auf der Bühne eine andere Atmosphäre zu schaffen. Die zentrale Melodie existierte sogar schon seit 1998. Erst jetzt haben wir daraus ein fertiges Stück gemacht und es um orchestrale Elemente erweitert.

Die Atmosphäre erinnert an eine alte Geschichte, die am Lagerfeuer erzählt wird. War genau das euer Ziel?

Ja, genau diese Stimmung wollten wir erzeugen. Es sollte sich wie ein Lagerfeuer-Song anfühlen – etwas Ruhigeres, das einen Kontrast zu unserer sonstigen Musik bildet.

Könnt ihr euch vorstellen, künftig weitere akustische Songs aufzunehmen?

Auf jeden Fall. Wir könnten uns vorstellen, hin und wieder einen solchen Song einzubauen. Es wird aber eher eine Ausnahme bleiben, vielleicht einer auf dem nächsten Album oder nur auf jeder zweiten Platte. Unser grundsätzlicher Stil wird sich dadurch nicht verändern.

Kurz darauf habt ihr mit „Gjallarhorn“ wieder einen sehr typischen, kraftvollen Song veröffentlicht. War dieser Kontrast beabsichtigt?

Ja. Wir wollten zunächst sehen, wie die Fans auf den akustischen Song reagieren. Zwei Wochen später kam dann mit „Gjallarhorn“ ein Stück, das sehr typisch für uns klingt. Viel mehr nach Amon Amarth geht eigentlich kaum.

Inhaltlich geht es in „Gjallarhorn“ um Odins Opfer, durch das er Weisheit erlangt. Was fasziniert dich an dieser Geschichte?

Der Song handelt davon, dass Odin sein Auge opfert, um aus dem Brunnen der Weisheit zu trinken. Diese Geschichte steht stärker im Mittelpunkt als Ragnarök selbst. Sie passt gut zum übergeordneten Thema des Albums, das verschiedene Erzählungen aus Odins Leben aufgreift.

Wie verbindet ihr historische Ereignisse mit mythologischen Geschichten?

Wir haben früher auch Songs über tatsächliche historische Ereignisse geschrieben, etwa über die Wikinger und Sachsen. Auf diesem Album liegt der Schwerpunkt aber klar auf der Mythologie. Diese Geschichten bieten besonders viel Raum für unsere Musik.

Warum funktionieren jahrhundertealte Mythen deiner Meinung nach so gut im modernen Metal?

Die Geschichten und ihre Bildsprache passen einfach hervorragend zu Heavy Metal. Musik, Atmosphäre und Erzählung ergänzen sich auf natürliche Weise. Wenn alles zusammenkommt, entsteht ein stimmiges Gesamtpaket.

Eure Songs verleihen mythologischen Figuren oft etwas Menschliches. Ist es wichtig, dass sich die Hörer mit den Geschichten identifizieren können?

Ja, auf jeden Fall. Die Geschichten sollten für die Menschen zugänglich sein. Dabei müssen sie nicht immer direkt aus der Mythologie stammen – auch moderne Themen können in diesem Umfeld funktionieren. Entscheidend ist, dass sie zu unserer Musik passen.

Odin wird häufig auf seine kriegerische Seite reduziert. Wird die Figur dadurch manchmal missverstanden?

Ja, definitiv. Odin kann sehr viele unterschiedliche Eigenschaften verkörpern und ist längst nicht immer eine aggressive oder kriegerische Figur. Gerade diese Vielseitigkeit macht ihn so spannend.

Wenn du einen Abend mit Odin verbringen könntest, was würdest du ihn fragen?

Ich würde gerne einen Schluck aus seinem Horn trinken – aus dem Brunnen der Weisheit. Das wäre ziemlich cool.

Eure Gitarren haben einen sehr eigenständigen Wiedererkennungswert. Wie bewusst achtet ihr beim Songwriting auf euren typischen Sound?

Wir haben diesen Stil über viele Jahre entwickelt. Wir versuchen nicht bewusst, auf eine bestimmte Weise zu klingen – das ist einfach unser Sound geworden. Es ist unsere Art, Musik zu schreiben.

Wie entstehen eure Songs normalerweise?

Meistens beginnen wir mit Gitarrenriffs und Melodien. Daraus entwickeln wir die musikalische Grundlage, bevor die Geschichten und Themen hinzukommen. So wächst der Song Schritt für Schritt, bis Musik und Inhalt zusammenpassen.

Probiert ihr nach all den Jahren noch gerne neue Dinge aus?

Wir versuchen, auf jedem Album etwas Neues einzubauen. Nach dem akustischen Song könnten wir uns beispielsweise auch ein Stück vorstellen, das stärker auf orchestrale Elemente setzt. Trotzdem werden wir unserem gewohnten Stil treu bleiben. Es macht einfach Spaß, gelegentlich etwas anderes auszuprobieren.

Denkst du beim Schreiben bereits daran, wie die Songs später auf der Bühne funktionieren könnten?

Ja, darüber sprechen wir oft schon während des Songwritings. Wir überlegen, welche Elemente sich live umsetzen lassen und wie wir die Geschichten visuell darstellen können. So entstehen Ideen für besondere Effekte und aufwendige Bühneneinlagen.

Schreibt ihr auch Songs mit Blick auf die Reaktionen des Publikums?

Wenn wir merken, dass die Fans bei einem bestimmten Song anfangen, gemeinsam zu rudern, kann daraus die Idee für einen passenden Titel entstehen. Wir wollen solche Momente aufgreifen und Songs schreiben, die das Publikum aktiv in die Show einbeziehen.

Auf welche neuen Songs freust du dich live besonders?

„Gjallarhorn“ dürfte mit seinen Chören ein großartiger Mitsingmoment werden. Auch „Eight Legs of Thunder“ macht mir viel Spaß, weil der Song ein langes und anspruchsvolles Gitarrensolo enthält. Solche herausfordernden Parts spiele ich live besonders gerne.

Gibt es für eure Live-Shows noch etwas, das du unbedingt ausprobieren möchtest?

Da gibt es noch viele Möglichkeiten. Ich fände beispielsweise Flammenwerfer an einer Gitarre ziemlich interessant. Die aufwendigen Pyroshows anderer Bands sind durchaus eine Inspiration für uns. Wir überlegen immer wieder, wie wir unsere eigene Show noch spektakulärer gestalten können.

Was treibt dich nach so vielen Jahren weiterhin dazu an, neue Musik zu schreiben?

Musik ist meine größte Leidenschaft. Ich spiele zu Hause fast jeden Tag Gitarre und suche nach neuen Ideen. Inspiration kann überall entstehen, manchmal sogar beim Anschauen eines Films. Wenn mich eine Szene oder eine bestimmte Stimmung packt, möchte ich direkt ausprobieren, ob sich daraus ein Song entwickeln lässt.

Was hoffst du, entdecken die Fans, wenn sie das komplette Album mehrfach hören?

Die Singles sind meistens sofort zugänglich und haben etwas Eingängiges. Andere Songs entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Durchgängen. Gerade einige Stücke, die sich weniger für eine Single oder die Live-Bühne eignen, können mit der Zeit zu echten Favoriten werden.

Zum Abschluss: Studio oder Bühne – wofür entscheidest du dich?

Ganz klar für die Bühne! Früher fand ich die Studioarbeit sehr spannend und konnte mir sogar vorstellen, Tontechniker zu werden. Nach so vielen Alben macht mir das Live-Spielen aber deutlich mehr Spaß.

Beim Songwriting ist es manchmal schwierig, etwas Neues und Besonderes zu schaffen. Wenn ein Song schließlich steht und man ihn sicher spielen kann, ist es großartig, auf der Bühne zu stehen und die Reaktion des Publikums unmittelbar mitzuerleben. Das ist für mich einfach das Schönste.

Vielen Dank für das Gespräch!

24.10.2026
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