Der Weg Einer Freiheit
"Das Wichtige ist, dass es nie ein Ego-Ding wird."

Interview

Ihr habt da sicher sehr intensiv zusammengearbeitet. Gab es dabei auch mal einen Lagerkoller? Wie hat es zwischenmenschlich geklappt, vor allem in Hinblick auf Kritik? Und wie viel ist denn auch mal schiefgelaufen?

Nicolas R.: Zwischenmenschlich wirklich wundervoll. Das haben wir über die letzten drei, vier Jahre Tour schon gemerkt, dass es zwischen uns allen einfach extrem gut funktioniert. Jeder respektiert den anderen. Ich könnte mit denen wahrscheinlich auch ein Jahr abhängen und es würde nie in einem Streit enden.

Nico Z.: Wenn man sich Kritik gibt, ist es immer sehr respektvoll und einfühlsam. Das sind ja auch ganz normale, logische Verhaltensregeln. Neben DER WEG EINER FREIHEIT sind wir ja auch Freunde. Mit meinen Freunden kann ich auch ein paar Wochen lang rumziehen und streite mich nicht mit ihnen. Klar, man hat mal eine Meinungsverschiedenheit –

Nicolas R.: – aber es ist nie eine persönliche Ebene oder Kritik am Charakter. Es geht immer um Thematik.

Tobias: Und wir kennen uns schon ewig. Nikita und ich kennen uns seit über zehn Jahren, Nico R. kenne ich seit etwa 15 Jahren, oder sogar noch länger. Bei Nico Z. etwas kürzer.

Nico Z.: Das sind jetzt aber auch schon fast fünf Jahre.

Tobias: Außerdem haben wir uns alle sehr gewissenhaft vorbereitet, sodass klar war, was jeder zu tun hatte. Deshalb gab es rein inhaltlich wenige Reibungspunkte, würde ich sagen.

Nico Z.: Man weiß, dass man eine hohe Verantwortung trägt, und somit bereitet man sich eben auch vor. Gerade weil es Freunde sind, will man die anderen eben auch nicht im Stich lassen. Wenn du zu so einer Aufnahme kommst und kannst halt nix – um es mal krass zu sagen – dann fühlst du dich ja selbst scheiße, und das willst du ja auch nicht. Du willst schließlich nicht den anderen im Weg stehen. Man fühlt sich ja geehrt, daran überhaupt teilhaben zu dürfen. Deshalb habe ich an mich auch den Anspruch, mein Bestes zu geben.

Nicolas R.: Ich glaube auch, das Wichtige ist, dass es nie ein Ego-Ding wird. Uns anderen drei ist es schon klar, dass das Ziel ist, Nikitas Gedanken und Ideen bestmöglich umzusetzen. Das ist das Ziel und das ist unsere Aufgabe, und da haben wir alle Bock drauf. Keiner will sein eigenes Ding daraus machen. Dadurch ziehen wir extrem gut am gleichen Strang.

Nico Z.: Das ist auch das Schöne an Nikita, um ihn mal zu loben –

Nikita: Endlich!

Alle lachen.

Nico Z.: – dass er, wenn man mal alle Alben und alle Songs und die ganze Arbeit, die dahintersteckt, betrachtet, von der mindestens 90% er gemacht hat, er sich das nicht auf die Fahne schreibt und sagt ‚hey, ich bin der Bandkopf!‘

Nikita: Zum Thema ‚was ist schiefgelaufen‘; ich glaube, das ist das Album, bei dem am allerwenigsten schiefgelaufen ist, ever. Ich kann mich wirklich an keinen einzigen Rückschlag erinnern. Deshalb bin ich auch so superglücklich über das Album und dass die ganze Band ein Teil davon ist.

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Der Weg einer Freiheit – „Noktvrn“-Cover

Der Titel „Noktvrn“ ist von Chopin inspiriert und du hast ausschließlich nachts geschrieben. Im Infotext steht das Zitat „I’m a very passionate sleeper“.

Nikita: Ich bin ein großer Chopin-Fan und die Nachtstücke – also Nocturnen – die er geschrieben hat, sind Klavierstücke, von denen ich jedes in- und auswendig kenne. Ich wollte schon immer ein Album über die Nacht machen. Wie gesagt, ich schlafe sehr gerne und auch ausreichend, zumindest versuche ich das immer. Für mich persönlich sind Träume oft ein Ausdruck von Freiheit. Wenn ich träume, habe ich ein sehr starkes Freiheitsgefühl, was sich natürlich in dem ganzen Konzept von DER WEG EINER FREIHEIT widerspiegelt.

Diese Träume sind auch oft Grundlage für Songtexte. Für mich war es eine nette Idee, sowohl Chopin Tribut zu zollen als auch das nächtliche Thema aufzugreifen und das Album „Noktvrn“ zu nennen. Mit ein paar anderen Buchstaben, damit es etwas anders klingt. Das ‚v‘ hat übrigens nichts mit ‚trve‘ und Black Metal zu tun, sondern es ist einfach unser fünftes Album, und auch das Artwork hat diese Kanten und Ecken, die vielerorts Vs ergeben. So hat sich alles zusammengefügt und Sinn ergeben.

Ihr habt zum ersten Mal englische Texte bei DER WEG EINER FREIHEIT dabei. Wie kam es dazu?

Nikita: „Haven“, der letzte Song auf dem Album, war der erste Song, den ich dafür geschrieben habe. Da war mir von vornherein klar, dass er einen englischen Text braucht. Nachdem ich den Schritt gegangen war, dachte ich mir, ich kann ihn auch weiterführen und einen weiteren Song auf Englisch schreiben. Das ist dann „Immortal“ geworden. Auch weil wir David von THE DEVIL’S TRADE als Gastsänger eingeladen haben.

Am Ende habe ich zwar erfahren, dass er gerne auf Deutsch gesungen hätte, weil er ein bisschen Deutsch spricht, aber ich wollte einen englischen Text schreiben, damit er ihn eben auch gut performen und gut singen kann. Das Resultat war für mich auch überraschend, weil ich lange Zeit gesagt habe, Deutsch ist meine Muttersprache und damit kann ich mich am besten ausdrücken, und das ist auch weiterhin so. Es war auch nie der Drang da, Englisch zu singen. Aber ich wollte es probieren und es hat sich für mich persönlich als sehr gut herausgestellt.

Habt ihr noch etwas loszuwerden? Gibt es Fragen, die ihr nie gefragt werdet, aber gerne gefragt werden würdet? Oder umgekehrt?

Nikita [lacht]: Vielleicht liest das ja irgendein Journalist. Ich weiß, das sind immer die Fragen oder Antworten, die jeder hören will, aber in Tourgeschichten bin ich superschlecht. Wenn jemand nach den lustigsten Tourgeschichten fragt, weiß ich nie eine Antwort. Man bringt mich damit sehr in Verlegenheit [alle lachen]. Außer, die anderen können das beantworten.

Tobias: Ich gehe immer früh ins Bett.

Alle lachen.

Nicolas R.: Also ich finde, es ist eindeutig die Ingwerknolle, die wir uns alle haben tätowieren lassen.

Bild Der Weg einer Freiheit - Collage Ingwer-Tattoos

Die Ingwer-Tattoos von Der Weg einer Freiheit. V.l.: Nicolas Rausch, Nicolas Ziska, Nikita Kamprad, Tobias Schuler.

Die Jungs zeigen – soweit logistisch sinnvoll – ihre Ingwerknollen-Tattoos. Es handelt sich (angeblich) um dieselbe Ingwerknolle aus jeweils einer anderen Perspektive. Wir haben nachträglich den Fotobeweis für euch eingeholt.

Nico Z.: Das war so. Gabbo von IMPLORE ist spontan für ein paar Nächte mit in den Bus gestiegen, da er ein Freund von uns ist. Er ist auch Tätowierer. Wir hatten auf der Tour durch Zufall ganz viel Ingwer dabei, weil der gut für die Stimme, den Hals und generell für die Gesundheit ist. Wir hatten das auf den Rider, hatten welchen dabei, und der Sänger von REGARDE LES HOMMES TOMBER, die auch mit auf Tour waren, hatte auch welchen dabei. Wir hatten also echt einen Berg Ingwer im Tourbus liegen.

Das wurde dann zum Tour-Gag. Dann gab es einen Abend in Tschechien – ich will sie nicht herabwerten, aber das war eine der schlechteren Shows, wo weniger los war und wir nur in so einer Bar gespielt haben – da haben wir alle dementsprechend viel Alkohol getrunken und sind ein bisschen ausgerastet und haben spontan entschieden, uns im fahrenden Bus diese Knolle tätowieren zu lassen. Bei holpriger tschechischer Autobahn.

Nikita: Das war sehr, sehr lustig.

Das ist doch dann ein tolles Schlusswort. Vielen Dank für das Interview!

In wenigen Tagen startet die „Noktvrn“ Release-Tour mit DER WEG EINER FREIHEIT und THE DEVIL’S TRADE:

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Quelle: Der Weg einer Freiheit
12.11.2021

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