Electric Orange
Electric Orange

Interview

Über Jahre hinweg schafften es ELECTRIC ORANGE, von der Metalszene unentdeckt ihre krautigen (kauzigen?) Kreise zu ziehen, doch damit ist jetzt Schluss! Nachdem ein verirrtes Promoexemplar von “Krautrock From Hell“ den Weg zu uns gefunden hatte, war die Überraschung und die Verwirrung groß, denn das Gebotene rockt nicht nur genial, sondern lässt auch auf Wolken und in Wurmlöchern schweben, die seit der Blütezeit (höhö!) der Hippies nur noch von wenigen Bands erdacht (und erraucht) werden. Dirk Jan Müller, Tastenguru der Aachener, gab mir ein paar Antworten.

Electric OrangeHallo Dirk, Könntest Du uns die Band kurz vorstellen?

Ich hab’ die Band 92 gegründet als Projekt mit Gastmusikern. Dann kam 1994 Dirk Bittner (Gitarre/Gesant) dazu, Tom, der Bassist so ab 1998 und der Georg ist jetzt seit 2007 dabei.

Habt Ihr schon von Anfang an gewusst, was Ihr machen wolltet oder hat sich das im Laufe der Zeit erst herauskristallisiert?

Als ich die Band gegründet hab, hatte ich schon die Vorstellung, dass das in diese Richtung gehen soll, ja.

Was sind Eure größten musikalische Vorbilder oder Einflüsse?

Eigentlich recht viele Sachen, ich kann natürlich nur von mir sprechen. Früher angefangen mit Metal um 1980, dann so Progressive-Kram, Krautrock, Elektronik, eigentlich alles so ein bisschen. Bei den anderen kommen dann New Wave dazu, die 80er eben, bei unserem Schlagzeuger noch Noise-Rock, aber es gibt schon ne Schnittmenge, die uns allen gefällt. Es gibt also keinen Sound von einer einzigen Band, die uns geprägt hat, das ist wirklich mehr das Zusammenspiel von vielen Sachen.

Woher habt Ihr die alte Ausrüstung/Instrumente?

Das kam mit der Zeit so, das hat mich immer sehr fasziniert, diese alten Keyboards, Röhrenverstärker und so’n Kram, und da hat sich im Laufe der Jahre ’ne ganze Menge angesammelt.

Wie kommt man auf solche Song- bzw. Albumtitel?

Bei den Songtiteln ist es immer so, weil wir Instrumentalstücke haben, wollen wir immer Namen nehmen, die eigentlich nix bedeuten. Wenn du nen Text hast, bezieht sich der Titel ja immer auf den Text, bei Instrumentaltiteln ist es eher Wurst, wie sie heißen, drum versuchen wir immer, neue, komische Wörter zu finden. Beim letzten Albumtitel wars vielleicht mehr provokativ.

Sind Konzepte hinter den einzelnen Alben, also auch den Früheren vorhanden?

Konzepte? Nö, eigentlich nicht!

Wie entsteht Musik bei Euch?

Wir haben ein eigenes Studio, daher fängt das direkt bei der Aufnahme schon an. Wir kommen dann mit irgendwelchen kleinen Ideen und sowas, das wird dann halt ausgearbeitet. Wenn wir genug zusammen haben, ist die CD wieder fertig! Wir haben immer so Zyklen wo wir ein halbes Jahr lang produzieren und dann wieder nur für Auftritte proben. Früher haben wir auch Sessions gemacht und daraus dann Songs entwickelt.

Wie sieht’s dann Live aus, spielt Ihr die Songs von den Alben genau so wie im Studio oder versucht Ihr, die nochmal auf eine neue Ebene zu heben?

Live ist es ein bisschen improvisierter, obwohl bei den letzten Alben die Arrangements schon irgendwie straffer wurden. Wir versuchen schon, die Songs so zu reproduzieren, dass die Leute sie schon noch erkennen können, aber es kann auch mal passieren, dass der ein- oder andere Song mal etwas länger werden kann wegen Improvisationen.

Wie lange hat es gedauert, “Euren“ Sound zu finden und als Musiker so gut aufeinander abgestimmt zu sein?

Bis wir den Sound gefunden haben, das war wirklich erst mit der Platte “Abgelaufen“ aus dem Jahr 2000 der Fall. Da hatten wir den Stil gefunden, der uns so vorschwebte und das haben wir dann immer weiterentwickelt.

In welche Richtung könnte sich Euer Sound noch entwickeln? Oder habt Ihr schon Euren definitiven Sound gefunden, den Ihr nie wieder verlassen wollt?

Ne, da kann sich schon noch was entwickeln! Wir wollen auf jeden Fall neue Sachen integrieren. Das nächste Album soll wieder anders klingen. Der Stil soll schon erhalten bleiben, neue Elemte sind aber immer wieder gern gesehen.

Du sprichst jetzt von neuen Elementen –leichter sind in Eurer Musik aber eher “alte“ Elemente aus den 50er- bis 70er Jahren auszumachen. Seht Ihr euch auch als Bewahrer einer früheren Generation von Populärmusik?

Das könnte man so nennen, klar. Wir benützen zwar alte Instrumente, aber die Art wie wir das zusammensetzen und produzieren, das gab’s in den 70ern dann doch noch nicht. Was wirklich Neues zu integrieren ist heutzutage auch sehr schwierig.

Warum seid Ihr dem Großteil der Rock/Metal-Hörerschaft unbekannt?

Tja,… wir gelten irgendwie als der ewige Geheimtipp! Dass überhaupt jetzt erst ein paar Zeitungen aus dem Metalbereich auf uns aufmerksam geworden sind… wir haben uns gedacht, wir starten den Versuch, schicken die CDs einfach mal da hin und schauen, ob sie überhaupt da ankommen und ob die was damit anfangen können!

Wie lang hat es dann gedauert, “Krautrock from Hell“ einzuspielen?

Das hat wirklich fast das gesamte Jahr 2008 gedauert…

Du meinst 2009?

Ja, klar! Stimmt…

Ihr habt ja dieses Album zweigeteilt – die ersten Songs sind doch irgendwie klar von den letzten beiden abzugrenzen…

Du meinst wegen den Ansagen dazwischen? Das ist eigentlich zufällig entstanden, da war keine Absicht dahinter. Es war klar, dass die beiden langen Stücke zum Schluss kommen, wär ja auch komisch, wenn die gleich am Anfang stehen würden.

Wie sieht’s eigentlich in nächster Zeit mit Liveauftritten aus?

Schwierig, überhaupt welche zu kriegen. Wir versuchen zwar, auf Festivals zu kommen, aber das ist ein ziemlich großer logistischer Aufwand, wenn wir 600 km fahren müssen – die Veranstalter lassen sich da nicht immer drauf ein. Ein paar kleinere Auftritte gehen vielleicht.

Nehmt Ihr die ganzen alten Gerätschaften mit zu Konzerten?

Würden wir gerne, geht aber leider nicht. Ne Hammond-Orgel ist einfach zu groß, die kannste nicht mitschleppen. Immer dabei sind die alten Verstärker, einfach um den Sound zu haben, aber der logistische Aufwand wäre viel zu groß, um alles mitzunehmen.

Danke für’s Interview, die letzten Worte sind natürlich Deine!

Tja, was soll ich sagen… Hört mal rein, auch wenn’s kein Metal ist! Einfach mal ein Ohr riskieren!

12.03.2010

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