Electric Orange - Krautrock From Hell

Review

ELECTRIC ORANGE sind schon seit 1992 tätig und bringen mit “Krautrock From Hell“ bereits ihren siebten Tonträger an die Öffentlichkeit, soviel vorneweg. Aber mal ehrlich: hat jemand diesen Namen schonmal gehört? Ich meine, jemand, der nicht schon von Anfang an Fan dieser Band war? Es ist immer wieder verblüffend, wie großartige Perlen es schaffen, sich der Aufmerksamkeit zu entziehen! Dabei stechen die fünf Aachener in fast allen Belangen meilenweit hervor, mit wem man sie auch vergleichen mag. Von den seltsamen Titeln ihrer Werke angefangen über das seltsame Artwork, neben klassischer Rockbandbesetzung dem Einsatz von diversen Gerätschaften aus einem halben Jahrhundert Tontechnikgeschichte und, am allerwichtigsten, die überlangen Komplexe aus psychedelischen Jams und extraterrestrischen Geräuschen, die ich lieber nicht unter den viel zu engen Hut “Song“ stecken möchte.

Der “Krautrock From Hell“ füllt die komplette Spielzeit einer CD aus, wobei die Hälfte der Zeit auf die letzten beiden Stücke “Neuronomicon“ (kein Schreibfehler!) und “Wurmloch“ entfällt. Diese beiden zentralen Stücke, kurz vor deren Beginn schon als Konkretisierung des Albums angekündigt, sind trotz ihrer Länge extrem reduziert, kommen mit wenigen Riffs oder Tönen pro Zeiteinheit aus und bieten gerade dadurch ein Maximum an Interpretationsspielraum und Atmosphäre. Der von der Band selbst gewählte Begriff “Wurmlochbeschallung“ trifft vollkommen zu, denn wenn man sich auf die Klangcollagen einlässt, entsteht tatsächlich ein Wurmloch aus der Alltagshektik in eine Phantasiewelt, in der alles so scheint wie vor vier oder fünf Jahrzehnten, als Musik noch mehr bedeutete als belegter Speicherplatz auf kleinen, tragbaren Geräten. Im Gegensatz dazu sind die ersten fünf Stücke leichter zugänglich, bieten teils klare Rhythmen und mehr Rock, kündigen aber den später in den Vordergrund rückenden Drone-Anteil immer wieder an. Absoluter Anspieltipp: “Chork“

Gerade das ist das Schöne an ELECTRIC ORANGE – ohne wie eine bloße Kopie zu klingen lassen sie die psychedelische Seite der 70er wieder aufleben, bieten dem Hörer eine Reise in unbekannte Sphären, ohne ihm jedoch jeden einzelnen Happen vorzukauen. In der so entstehenden Traumwelt finden Aggressionen oder destruktive Elemente keinen Platz, so dass sich eine positive, angenehme Stimmung entwickelt. Zum näheren Verständnis listen die Musiker alle benutzten Instrumente und Geräte im Booklet auf und nicht nur ich habe wohl das Gefühl, einiges davon gar nicht mehr zu kennen. Diese Vielfalt dient aber keineswegs nur der Eindruckschinderei, denn so organisch-vielfältig kann keine einzelne Maschine aus der Jetztzeit klingen.

Alles, was hier auf Platte zu hören ist, entstand direkt während der Aufnahmen. Diese sehr spontane Herangehensweise ist aber nur deshalb möglich, weil die Musiker blind aufeinander eingespielt sind und trotz ewigen Jams und Effektkombinationen immer genau wissen, wann sie welches Element künstlerisch gewinnbringend einsetzen können/müssen/dürfen. Über Songstrukturen im klassischen Sinne sind ELECTRIC ORANGE bereits erhaben, was für einige Personen den Zugang zu dieser Art von Musik stark erschweren dürfte. Persönlich halte ich aber „“Krautrock From Hell“ für einen starken Anwärter zum Album des Jahres!

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21.01.2010

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