Frozen Soul
Bolt Thrower und Bolldozer.

Interview

Mit „No Place Of Warmth” haben FROZEN SOUL gerade ihr drittes Album veröffentlicht und dabei alle Erwartungen übertroffen. Die Band war vor der Veröffentlichung der Scheibe auch in Deutschland auf Tour und konnte sich mit ihrer Musik eine neue Zielgruppe erschließen. Auch als Opener im Vorprogramm von Heaven Shall Burn war vor der Bühne die Hölle los und es war spürbar, wie der Funke auf das Publikum übersprang. Wir haben die Band nach ihrem Auftritt in der Berliner Columbiahalle im Anschluss getroffen und mit Chad und Samantha im Tourbus gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur die beiden Vorab-Singles „Absolute Zero” und „No Place Of Warmth”.

Wie gefällt euch denn bisher? Es ist eine große Tour mit großartigen Bands. Vielleicht erschließt ihr euch dadurch ein breiteres Publikum – Leute, die sich nicht so intensiv mit dieser Art von Death Metal beschäftigen. Wie fühlt es sich also an, als Vorband für diese Bands aufzutreten?

Chad: Es fühlt sich großartig an. In den letzten zwei Jahren haben wir angefangen, größere Tourneen zu absolvieren. So waren wir beispielsweise mit AMON AMARTH in den USA unterwegs, mit CANNIBAL CORPSE und OBITUARY. Es folgte eine weitere große Tour mit KILLSWITCH ENGAGE in den Staaten. Das hier ist unsere erste wirklich große Tour hier. Im Jahre 2023 waren wir mit DYING FETUS unterwegs, waren auf diversen Festivals gebucht und hatten 2024 auch einen Headliner-Auftritt. Das war das letzte Mal, dass wir in Europa waren. Wir haben auf den großen Sommer-Festivals gespielt und hatten eine tolle Zeit. Natürlichg war das zwar anstrengend, aber für uns als kleinere Band wirklich erfolgreich. Deshalb ist es echt cool, hierher zurückzukommenund mit einer Band wie HEAVEN SHALL BURN zu spielen. Die sind Legenden in Deutschland und Europa. Es ist großartig, die größeren Bühnen und das größere Publikum zu sehen. Es ist ein bisschen beängstigend, aber auch fantastisch.

Wir haben vorhin einen Song gehört, der nicht einmal als Single veröffentlicht wurde: „Invoke War“. Ich meine „Invoke War“. Wie fühlt es sich an, diesen extrem groovigen und verdammt schweren Song Leuten vorzustellen, die ihn noch nie hören konnten? Wie fühlt es sich an, das brandneue Material zu präsentieren?

Chad: Es macht mich ein bisschen nervös. Weil es eine ganz andere Art von Song ist. Als der Song ursprünglich geschrieben wurde, war er ganz anders. Ich hatte eine ganz Andere Vorstellung von dem Song, was den Text und alles andere angeht. Doch dann hat sich das alles an einem Tag im Studio geändert. Wir haben den Invoke War neu gestaltet, viel rausgenommen und einfacher und grooviger gemacht. Es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, also denke ich, was wäre, wenn es andersherum wäre? Das ist der Grund, warum ich nervös werde, wenn wir ihn spielen, bevor er veröffentlicht wird. Aber um ganz ehrlich zu sein: Dieser Song kommt live besser an als all unsere anderen Songs. Er ist einfach ein Song, dem man super leicht folgen kann. Bei jeder einzelnen Show reißt das gesamte Publikum die Hände hoch und singt mit, egal ob 4.000 oder 100 Leute anwesend sind. Es ist der Hammer.

Sam: Ich freue mich darauf, den Track allen vorzuspielen. Es kommt wirklich immer gut an und scheint alle mitzureißen. Ich bin wirklich begeistert.

Natürlich besteht die Platte nicht nur aus dem einen Song, der hier exemplarisch in den Fokus gestellt wurde. Der Rest der Stücke muss sich nicht verstecken und überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie.

Chad: Cool, dass es dir gefällt. Wir sind zuversichtlich und zufrieden damit. Ich persönlich hatte anfangs große Probleme mit „Glacial Domination” und „Crypt Of Ice”, weil wir bei beiden Alben irgendwie in einer Zwickmühle steckten. Ich konnte einfach nicht zu 100% mit mir selbst zufrieden sein, als sie fertig waren. Aber dieses Album ist anders. Es ist genau so, wie wir es uns vorgestellt haben. Ich habe etwa 10 bis 12 Stunden am Tag an den Texten gearbeitet und wir haben ständig daran gefeilt. Es war großartig. Ich habe das Gefühl, dass dies das beste Album von FROZEN SOUL ist. Wir haben hart daran gearbeitet und sind deshalb selbst total begeistert von diesen Songs.

Da stimme ich dir zu. Ich Habe mir das Album eine Woche lang angehört. Es ist stark. Alles ist verbessert. Der Sound und die Produktion sind großartig. Die Leadgitarren sind fantastisch. Es hat diese eine gewisse Stimmung und das ist wichtig. Es wird das Ganze richtig vorantreiben, und genau darum geht es. Die Leute werden das Album lieben. Die, die die Alben davor gehört haben, werden die Weiterentwicklung erkennen und sehen, wie sich das Album auf großartige Weise verbessert hat – sogar die Leadgitarren. Wenn ich mir den Titelsong des Albums anhöre, der so gut ist, hat mich das von Anfang an mitgerissen.

Chad: Ja, wir haben uns nie gescheut, unseren Bolt-Thrower-Einfluss offen zur Schau zu stellen. Schließlich ist das der einzige Grund, warum ich diese Band gegründet habe. Sie wurde also buchstäblich wegen Bolt Thrower gegründet. Wenn ich sie 2013 nicht gesehen hätte, hätte sich mein Leben und meine Sicht auf Metal nicht verändert. Mir wurde gezeigt, wie viel Spaß das machen kann, als ich noch auf Hardcore und Punk stand. Ich habe also die spaßige und energiegeladene Seite gesehen. Dann habe ich BOLT THROWER gesehen und die Kids, die total ausflippten wegen ihnen. Da dachte ich mir: So muss es sein. Als ich dann Michael traf, dachte ich: „Verdammt, ja, lass uns die Band gründen!” Wir haben keine Angst davor, denn es hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Aber wir versuchen nicht, wie Bolt Thrower zu sein oder sie zu kopieren. Wir lieben Old-School-Death-Metal und werden das Scheißding am Leben erhalten. Wir werden diese Art von Death Metal bewahren.

Ich habe den Eindruck, dass einiges auf dem neuen Album moderner geworden ist. Es gibt viele Breakdowns, die in der Mischung gut rüberkommen. Wenn man diesen Basher im „Zero“-Song hört zum Beispiel. War das eine natürliche Entwicklung oder wolltet ihr es geradliniger, moshbarer, sogar brutaler machen? Es gibt ja viele Bands, die diesen brutalen Slam-Death-Stil verwenden. Ich würde euch nicht in diese Richtung einordnen, aber an manchen Stellen gibt es Riffs, die perfekt zu dem passen, was ihr macht. Das ist einfach enorm.

Chad: Als FROZEN SOUL gegründet wurden, ging es vor allem darum, die Dinge einfach zu halten und Spaß zu haben. Wir sollten keine Soli spielen oder verrückte Sachen machen. Es sollte einfach sein. Hör dir das „Encased in Ice“-Demo an, da sind überall Slams drauf. Auf „Crypt of Ice” auch. Wir lieben SUFFOCATION und solche Sachen. Bei dieser Art von Musik liebt jeder einen guten Breakdown. Als wir zu „Glacial Domination” kamen, sind wir jedoch in eine andere Richtung gegangen. Ich würde nicht sagen, dass es der falsche Weg war, aber wir haben versucht, neue Dinge auszuprobieren. Dadurch haben wir uns von dem entfernt, was die Band ausmachte. Vor den Aufnahmen hatten wir nicht viel Zeit, Musik zu schreiben, weil wir so viel auf Tour waren. Wir haben mit verschiedenen Produzenten telefoniert und dabei ist mir Josh Schroeder wirklich aufgefallen, weil er mit Bands gearbeitet hat, die auch versuchen, Musik zu schreiben, um einfach Spaß zu haben. Er kann gut damit umgehen, unter Zeitdruck zu arbeiten, wenn wenig Material vorhanden ist, und eine Band zum Schreiben motivieren.

Chad: Und gerade weil wir all das hatten, hat es uns irgendwie geholfen, uns weniger Gedanken darüber zu machen, anders sein zu wollen. Wir wollen nicht mehr darauf achten, ob wir diese oder jene Zielgruppe ansprechen, sondern zu den Wurzeln von FROZEN SOUL zurückkehren und einfach nur Spaß haben. Wir haben beschlossen: Wenn dieser Breakdown cool klingt, dann packen wir eine Zen-Tonne-Hammer drauf und zerschmettern ihnen die Schädel. Ich meine das genauso. Das ist der ganze Kick. Das Album dauert 34 Minuten und soll euch ordentlich vermöbeln. Das ist alles. Es soll euch nicht dazu bringen, zu sagen: ‚Oh, wow, das ist aber beeindruckend‘. Es soll eher so sein wie: ‚Oh, schieße du bist tot!‘ Es soll sie alle zermalmen. Wir waren schon immer diese Band, die diese Art von Riffs spielt. Bei diesem Album haben wir uns bewußt für eine modernere Produktion entschieden, aber es ging darum, dass es den Songs am besten gerecht wird. Wenn wir etwas wollen, das vernichtend heavy ist, braucht man ein bisschen von diesem modernen Touch. Die Leute sollen es wirklich spüren, wenn sie morgens zur Arbeit fahren und einen Energieschub brauchen.

Wie hat sich die Zeit im Studio angefühlt? Habt ihr diesmal anders mit dem Produzenten zusammengearbeitet? Hat er euch mehr an eure Grenzen gebracht oder hat er euch einfach machen lassen mit dem Motto: ‚Ihr wisst schon, was ihr tut, ich hole das Beste aus euch heraus‘?

Chad: Ein bisschen von Beidem. Josh ist nicht der Typ, der bei jedem kleinen Streit um seine Meinung gegen die der Band auf Biegen und Brechen seinen Standpunkt durchsetzen muss. Wir haben uns über viele Dinge ausgetauscht, und es gab Momente, in denen er bei bestimmten Dingen hartnäckig war, weil er wirklich daran glaubte. „Vertraut mir“, hat er dann immer gesagt, „ihr habt das, worüber ich rede, noch nicht ausprobiert und ihr müsst weiter daran arbeiten.“ Ich glaube wirklich, dass viele der besten Momente auf dem Album entstanden sind, weil er sagte: „Vertraut mir, vertraut mir.“ Wir haben zwar mit ihm diskutiert, bin aber trotzdem zurückgegangen und habe es so ausprobiert. Es ist wirklich gut geworden. Es ist also ein bisschen von beidem. Josh ist ein großartiger Produzent und ich bin wirklich froh, dass das Album so geworden ist, wie es ist. Josh selbst möchte mehr Death Metal machen und sich von Deathcore und Metalcore lösen, um Metal-Produzent zu sein. Mit dieser Platte hat er es total auf den Punkt gebracht.

Wir haben jetzt schon zwei Singles gehört und sicher kommt Invoke War auch noch? 

Chad: Ursprünglich wollten wir drei Singles veröffentlichen, dann wurden es vier. In letzter Minute habe ich sie dann überredet, „Absolute Zero“ zu nehmen: „Wir veröffentlichen das, aber wir sagen nichts über das kommende Album.“ Und es war ein Riesenerfolg – weißt du – dafür, dass wir nichts über das neue Album gesagt haben.

Das war eine echet Überraschung für alle ….

Chad: Klar, alle haben mich gefragt: „Warum bringt ihr denn einen 53-Sekunden-Song raus?“ Aber es war cool.

Sam: Den meisten Leuten hat es von Anfang bis Ende wirklich gut gefallen. Das Feedback im Internet zu „Absolute Zero“ war gemischt, was einfach an der politischen Lage zu der Zeit und allem, was in Amerika vor sich ging, lag. Aber insgesamt wurde es sehr gut aufgenommen. Bei „No Place“ ist es nicht anders.

Chad: Es wird echt witzig werden, wie sich die restlichen Singles entwickeln. „Invoke War“ wird niemand so erwarten. Sie werden eher mehr Melodie erwarten, so wie bei „No Place…“. Und dann werden wir sie einfach überrumpeln. Danach kommt „Deathweaver“, das ist so heavy. Dann folgt „Chaos Will Reign“. Die Videos zu diesen drei Songs sind der Wahnsinn. Meine Lieblingsvideos sind die späteren Singles. Ich mag das „No Place“-Video, aber warte, bis du das Video zu „Deathweaver“ siehst! Alle, die jetzt fragen: „Wo ist denn der Bulldozer-Song?”, kriegen dann diese volle Härte zu spüren.

Habt ihr also alle einen sehr starken Death-Metal-Einfluss, der die Band geprägt hat? Es ist gar nicht so einfach, über Einflüsse zu sprechen. Ich nehme an, ihr hört alle Bands wie Suffocation oder Carcass. Gibt es denn noch etwas außer Death Metal, das euch gefällt? Es gibt noch so viele andere Sachen.

Chad: Wir alle lieben Musik aus den 80ern. Ich höre Country, alle anderen hören Classic Rock und Sam hört viel Industrial-Goth-Musik, zum Beispiel Depeche Mode.

Sam: Dark Wave, New Wave und sowas.

Okay. Ich möchte nicht zu sehr auf politische Themen eingehen, denn wir alle wissen, dass die Lage in der Welt, insbesondere in den USA, sehr angespannt ist. Deshalb ist es schön, dich hier zu haben und Leute zu sehen, die eine normale Meinung vertreten. Das Internet ist voller Unsinn, und ich finde es toll, dass ihr eine klare Botschaft habt, die ihr den Leuten vermittelt. Es ist wichtig, die Augen nicht zu verschließen und den Mund nicht zu halten, weil die Situation beschissen ist. Ich wünsche euch alles Gute für dieses Land und hoffe, dass es bald besser wird.

Chad: Man kann viel tun. Wir haben eine Plattform, unsere eigene Meinung und Familienmitglieder sowie Freunde, die von den Dingen betroffen sind. Wir hatten einfach das Bedürfnis, etwas zu sagen. Natürlich hat jeder eine Meinung dazu, aber das ist uns scheißegal. Wir haben das ausgesprochen, was uns wichtig ist.

Wir wünschen dieser sympathischen und authentischen Band alles Gute und den Erfolg, den sie verdient. Für alle, die es bisher noch nicht geschafft haben, hier ist „Invoke War“.

Galerie mit 28 Bildern: Frozen Soul - Heimat Over Europe Tour 2026 in Berlin
17.05.2026

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