GosT
Leidenschaft macht alles besser

Interview

Album Nummero Fünf des Synthwave-Gestaltwandlers GOST hat es jüngst in die hiesigen Plattenregale geschafft. „Rites Of Love And Reverance“ ist ein wechselhaftes, ja fast launiges Album geworden, dass experimentierfreudig ist, aber auf die ersten Hördurchgänge auch etwas wirr wirken kann. GOST-Mastermind James Lollar stand uns für einige Fragen zu Verfügung und half, den Knoten zu entwirren.

GOST – Logo

metal.de: Beginnen wir entspannt mit einem Statement von Dir: „Persönlich fühle ich mich nicht wohl dabei stets in der gleichen Form zu bleiben, deshalb fühlt sich meine musikalische Veränderung stets spontan an.“ Was ist denn so ein Auslöser für die spontane Veränderung? Oder um genauer zu sein: Welche Umstände führten zu „Rites Of Love And Reverance“?

GosT: Das Album wurde fast vollständig in der Zeit des weltweiten Shutdowns geschrieben. Ich kam gerade von einer aufregenden Tour und fühlte mich ziemlich ausgelutscht. Ich nahm mir einige Wochen zum reflektieren und startete ein neues Projekt mit meiner Frau – BURNT OFFERINGS. BURNT OFFERINGS erlaubte mir den 1980er-Pop unbefangener zu erkunden. Als ich mich hinsetze um die Songs für „Rites Of Love And Reverance“ zu schreiben entschied ich mich, die vorherigen Stärken von GOST zu kombinieren mit mehr Goth-/ Pop-Musik, mit der ich experimentierte, während ich Titel für BURNT OFFERINGS schrieb. „Rites Of Love And Reverance“ ist eine Art Stoßgebet aus der zermalmenden Einsamkeit und Unsicherheit, die ich zu Beginn der Pandemie verspürte.

Das Informationsblatt, das mit dem Album kam, spricht davon, dass „Rites Of Love And Reverance“ „Post-Synthwave“ sei. Hast Du dich als Teil der Synthwave-Bewegung in der Vergangenheit gesehen – insbesondere da du lange Zeit auf dem gleichen Label warst wie PERTURBATOR und DAN TERMINUS und auch mit ihnen gemeinsam getourt bist? Und wo siehst Du GOST heute – unter Einbeziehung einer limitierenden Genre-Zuordnung?

Ich war auf jeden Fall von Beginn an in der Synthwave-Szene involviert. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, die Musik, die ich mache passt da rein, aber ich habe überhaupt kein Problem damit mit Synthwave assoziiert zu werden. Ich glaube sogar, es ist kaum möglich GOST einem Genre zuzuordnen. Ich sage Leuten, die noch nie von mir gehört haben, ich mache düstere und schwere elektronische Musik.

Du hast im Vergleich zu „Valediction“ noch mehr Industrial und Post-Punk-/ Wave-Sounds integriert. Was macht die Faszination dieses Sounds aus, sodass Du noch mehr davon in deiner eigenen Musik verarbeiten wolltest?

Ich hörte „Pretty Hate Machine“ als ich ungefähr zehn Jahre alt war. Das Album pustete mich förmlich weg und öffnete eine ganz neue Welt der Musik für mich. Es zog mich nichts spezielles zu dieser Art von Musik hin, außer dem Bedürfnis etwas in den Sound von GOST neues (oder auch altes) in den Sound zu injizieren, das ich noch nie benutzt hatte. Man kann sagen, ich begann Industrial- und Gothic-Elemente erstmalig auf „Possessor“ einzusetzen. Diese Veränderung fühlte sich daher natürlich für mich an.

Mit „Bound By The Terror“ packst Du den chaotischsten und verstörendsten Titel an den Anfang des Albums – nehmen wir mal das abschließende „Bell Book And Candle“ aus. Ist das die Verbindung zu „Valediction“ oder stehen deine Alben ganz für sich?

Ich glaube, alle meine Alben starten sehr erschütternd und schwer. Ich persönlich mag auch Alben lieber, die dir von Anfang an die Haare aus dem Gesicht pusten.

Du benutzt deine Stimme sehr viel gefälliger und weicher als noch auf „Valediction“, was sehr gut zum Sound der Platte passt. Was war deine Motivation mehr Klargesang in deine Songs aufzunehmen?

Gesang war etwas, was ich schon immer im Kopf hatte. Bevor ich GOST startete nutzte ich das in meinen vorherigen Projekten oft. Ich lernte auch eine Menge bei der Produktion von „Valediction“ bei Jaime Gomez. Ich lernte viel zur Produktion von Gesang, aber am wichtigsten: Ich entdeckte eine natürliche Stimme.

Und ernstfhaft: Ist das eine echte Gitarre am Anfang von „Embrace The Blade“ und haben das Hauptmotiv und die Produktion etwas mit TYPE O NEGATIVE zu tun? Ich konnte mit den Titel nicht anhören ohne an süße „Bloody Kisses“ zu denken…

Ja (lacht), die Gitarre ist absolut echt und zu 1000% inspiriert von TYPE O NEGATIVE!

Als Projekt auf einem renommierten Metal-Label wie Century Media mit Künstlern wie MAYHEM (mit denen Du ja auch auf Tour warst) und AT THE GATES und mit einem Label-Debüt wie „Valediction“, das in Richtung Black Metal weist: Wie viel „Metal“ ist GOST heutzutage?

Ehrlich: Metal war meine erste musikalische Liebe. Ich glaube nicht, dass GOST Metal sind oder es je waren, aber ein gewisser Metal-Sound wird immer Teil des Songwritings bei GOST sein.

2015 hast Du einmal ausgeführt, dass Du innerhalb der Metal-Szene eine Menge Fans aufgrund der düsteren und schweren Erscheinung von Synthwave witterst. Heutzutage scheint es nicht mehr so ungewöhnlich mehr elektronische Elemente in einen Metalsound einzubauen, oder sogar den ganzen Weg zu gehen: Teloch von MAYHEM treibt sich mit BERGETON rum, Ivar Bjørnson von ENSLAVED macht BARDSPEC. Unterminiert elektronische Musik den Metal?

Naja, das glaube ich nicht, nein. Elektronik ist mehr und mehr Bestandteil des täglichen Lebens und Musik macht da keine Ausnahme. Ich glaube, dass  Technologie sich entwickelt und so wird es auch die Integration von Technik in alle Bereiche der Kunst. Aber das gesagt: Du kannst keine Live-Band schlagen. Ich glaube, die Live-Isntrumentierung wird ein Bestandteil der menschlichen Existenz sein, solange wie Menschen Musik machen.

GOST – „Rites of Love and Reverence“

Aber zurück zu „Rites Of Love And Reverance“: Was hat dich dazu gebracht das komplexe Thema aufzugreifen, wie Hexerei (und deren Verfolgung) Frauen durch die Geschichte hindurch beeinflusst hat?

Das Thema Hexerei und dessen Unterdrückung  passt perfekt zu dem, wie die Welt sich verändert hat. Leute sind wieder starr geworden und attackieren Menschen mit abweichenden Meinungen. Weil ich dies zu Beginn der Pandemie schrieb und die weltweite Politik sich in einer Fieberkurve befand, empfand ich das als ein natürliches und passendes Thema.

Im Bezug auf die Hexenprozesse in deinen Texten und die starke Unterdrückung von Frauen, die Bestrebungen die Dominanz des Patriacharts durch diese Hexenprozesse zu erhalten: Ist nun die Zeit für die westliche Welt gekommen wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen und die Grausamkeiten durch Unterdrückung zu überwinden?

Natürlich ist das Ende der Zeit der gegenseitigen Unterdrückung längst überfällig. Ich finde es verstörend, wie verbissen der Weg in eine morderne Welt zurückgehalten wird…

Was hätte James Lollar zu Zeiten von „Behemoth“ im Jahre 2015 gedacht, wenn er „Rites Of Love And Reverance“ damals gehört hätte? Und was würde der GOST von heute seinem früheren Ich enthüllen bezüglich der zukünftigen Entwicklung?

Er würde sagen: Gut gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass das in Dir steckt…

Was ist denn deiner Meinung nach die Essenz eines guten Albums?

Wenn es dich bewegt, wenn es dein Leben ein bisschen weniger beschissen macht, dann ist es ein gutes Album. Niemand weiß, was ein Album wirklich gut macht, ansonsten wären alle Alben perfekt. Aber mit einem Satz: Leidenschaft macht alles besser.

So, und nun: Hat Du noch ein paar abschließende Worte für das deutsche Publikum?

Deutschland war immer wundervoll zu mir und ich hoffe, bald wieder kommen zu können. Bleibt schön und danke für das gute Essen!

Na dann, auf bald – hoffentlich dann auch mal wieder auf der Bühne!

Quelle: Interview mit James Lollar
05.09.2021

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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