GosT - Rites of Love and Reverence

Review

Soundcheck August 2021# 20

Nichts ist so beständig wie der Wandel – mit „Rites Of Love And Reverence“, dem fünften Album des Elektro-Projekts GOST, beweist diese Redewendung mal wieder ihren Wahrheitsgehalt: GOST hat im Laufe der letzten Alben schließlich beständig an seinem Stil geschraubt und diesen wiederholt verändert.

„Rites Of Love And Reverence“ ändert erneut die Spielregeln

Während das 2019er-Vorgängerwerk „Valediction“ noch sehr in Richtung Black Metal schielte, so geht es mit „Rites Of Love And Reverence“ deutlicher in Richtung Gothic, Dark-Elektro und Gothic-Metal. Auch Klargesang ist heuer prägnanter vertreten, auf den bislang etablierten und markant eingesetzten Kreischgesang wird weitgehend verzichtet – eine durchaus stimmige stimmliche Entwicklung, die hier stattfindet.

Klingt das nun alles nach einer Parallele zur Szene-Übergröße PERTURBATOR mit seiner zunehmenden Vereinnahmung von Gothic-Rock-Elementen? Auf den ersten Blick vielleicht schon – wobei PERTURBATORs James Kent den Synthwave-Einfluss noch stärker in den Hintergrund drängt als heuer GOST. Zudem spielt GOST auch auf „Rites Of Love And Reverence“ seine anarchisch-chaotische Ader lustvoll und gekonnt aus – und damit sein bekanntes Stilelement der Unvorhersehbarkeit. GOST bietet damit den Ansatz, der dem kontrolliert-melancholischen, ja fast mechanisch-erdrückendem „Lustful Sacraments“ von Herrn Kent abgeht – mehr (Post-)Punk, mehr Rebellion. Aber ohne diese beiden Werke nun direkt gegeneinander zu stellen: Eben die Wucht, die Dichte eines zu Großtaten aufgelegten PERTURBATOR erreichen die zehn Titeln von „Rites Of Love And Reverence“ nicht ganz.

GOST bleibt sich treu – auch wenn sich einiges ändert

GOST hat seine Elektro-Hausaufgaben dennoch gründlich gemacht: Egal ob es die NINE INCH NAILS sind, ob MARILYN MANSON, ob es alte DEPECHE MODE in die Songs schaffen („We Are The Crypt“), ob sich die Titel eher gothiclastiger geben oder in Richtung Industrial neigen – die Titel bieten eine Fülle an Anknüpfungspunkten. Entsprechend erleichtert es den Zugang zu „Rites Of Love And Reverence“, wenn diese Art der elektronischen Musik bereits in das feste Hör-Repertoire gehört. Anders als die gefälligeren und stromlinienförmigeren Vertreter des Synthwave, die sich gern flockigeren Disco-Motiven bedienen, ist und bleibt GOST einem ruppigeren Stil verhaftet, der wenig Wohlfühl-Nischen anbietet und bisweilen sogar wirr scheint, aber dafür den extremeren Stil-Appetit wunderbar stillt. Treibende Darksynth-Titel wie das hitverdächtige „November Is Death“ stehen dabei selbstverständlich neben beinahe gothicmetalhaften Einlagen wie der Beginn von „Embrace The Blade“ mit verzerrter Gitarre oder „Blessed Be“, das einen schrägen PARADISE LOST-Vibe in sich trägt.

Kantig und ungemütlich gibt sich GOST, umtriebig und sprunghaft. Wer daran Freude findet, wird „Rites Of Love And Reverence“ gern auflegen und sich an diesem gelungenen „Extreme Electro“- Album mit Metal-Referenzen erfreuen – Langeweile wird bei dem geneigten Hörenden jedenfalls so schnell nicht aufkommen. Unzweifelhaft wird diese Mischung aber auch nicht durchgehend und überall verhaften – vielleicht ist dies bei aller stilistischen Wandlung ja die große Konstante im Schaffen und in den Werken von GOST.


Kein Metal und trotzdem für viele Metaller interessant: Synthwave. Die elektronische Spielart rund um apokalyptische Endzeit, Palmen in Miami und Neonreklame wird einmal monatlich auf metal.de mit einem ausgewählten Release gewürdigt. Also: Synth Or Die!

29.08.2021

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

Der metal.de Serviervorschlag

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