Illuminate
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Interview

Mein Gott, wie die Zeit vergeht … 10 Jahre Illuminate liegen hinter uns und mit der Veröffentlichung von gleich zwei Alben feiern Illuminate nun ihr 10-jähriges Bestehen. Grund genug, mit Johannes Berthold über die beiden Alben, die Vergangenheit und die Zukunft zu sprechen.

Illuminate

Hallo Johannes,

zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum „10-jährigen“ !

Hey…vielen Dank für die Glückwünsche!

10 Jahre Illuminate – wie sieht dein ganz persönlicher Rückblick aus ?

Dazu kann ich nur sagen: Hätte mir jemand vor 10 Jahren gesagt, dass ich einmal von meiner Musik würde leben können, hätte ich das wohl nicht geglaubt! Es ist schon super, wenn man das Privileg hat, sein Hobby zum Beruf machen zu können/dürfen! Natürlich habe ich in den letzten 10 Jahren nicht nur rosige Zeiten erlebt – ganz im Gegenteil: Ich habe ein kleines Vermögen an Lehrgeld zahlen müssen, da ich mehrmals an weniger seriöse Partner geraten bin – aber das gehört wohl dazu, wenn man ein Unternehmen hat. Die positiven Momente überwiegen jedenfalls ganz deutlich!

1993 hast du Illuminate ins Leben gerufen. Was war damals der Auslöser bzw. die Motivation, Illuminate zu gründen ?

Ich habe die Jahre zuvor in einer regional sehr bekannten Heavy-/Alternative-Band gespielt (Gitarre und Gesang); diese Art der Musik hat mir gegen Ende aber einfach nichts mehr gegeben. Als dann Anfang der Neunziger die „Neue Deutsche Todeskunst“ aufkam (Erben, Lacrimosa, Das Ich…) war mir klar: Das willst Du auch machen! Da ich seit Ewigkeiten Klavierunterricht hatte, wollte ich das Hauptaugenmerk auf dieses Instrument legen. Hinzu kam meine Ader, traurige/persönliche Texte zu schreiben. Die Kombination war einfach perfekt!

Mit den Alben „Ein neuer Tag“ und „Kaltes Licht“ kam es ab 2000/01 zu einem Wandel, sowohl musikalisch als auch in Bezug auf die Bedeutung schauspielerischer Elemente. Was steckte hinter diesem Wandel ?

Das kann ich pauschal so gar nicht beantworten, da es sich hierbei ja nicht (von der Pantomime mal abgesehen) um eine bewusste Entwicklung gehandelt hat! Nachdem die Trilogie abgehakt war – das Album „Letzter Blick zurück“ hat ja in eine ähnliche Kerbe geschlagen – wollte ich einfach auch einmal neue Elemente ausprobieren. Da ich in Bruno Kramm (Das Ich) einen fähigen Produzenten an der Hand hatte, wurde der Sound dann auch ganz bewusst in eine etwas andere – aber immer noch Illuminate-typische – Richtung gelenkt! Das mit der Pantomime ist schnell erklärt: Nachdem wir über 5 Jahre mit der (mehr oder weniger) gleichen Show live aktiv waren, war es einfach an der Zeit, hier einen Wechsel zu vollziehen. Da ich gerne mehr Musiker auf der Bühne haben wollte, war es einfach konsequent, die Show gegen selbige auszutauschen!

Mit „10×10“ erscheint nun ein Rückblick auf euer musikalisches Schaffen. Welches Konzept steckt hinter dieser „Best of“ ?

Der Titel „10 x 10“ steht für die 10 Jahre ILLUMINATE, kombiniert mit den jeweils 10 Titeln auf der schwarzen und weißen CD. Wichtigstes „Konzept“ war, keine Best-Of im klassischen Sinne zu veröffentlichen, sprich: geistlos die (vermeintlich) beliebtesten Hits der letzten Jahre auf eine Compilation packen. Das wäre m.E. nach wirklich Abzocke den Fans gegenüber! Wir haben uns also zur Aufgabe gemacht, die Texte aus heutiger Sicht musikalisch neu zu interpretieren. Das war eine sehr spannende Aufgabe – und das Ergebnis kann sich, so meine ich jedenfalls, durchaus hören und sehen lassen!

Im Rahmen des exklusiven Tracks „Horizont“ wird auch ein Saxophon zu hören sein. Was hat dich dazu bewogen, dieses ja doch eher „szene-untypische“ Instrument einzusetzen?

Das ist eine ganz unromantische Story: Ich wollte einfach etwas ganz untypisches auf „10 x 10“ ausprobieren. Also keine altbekannten „Szene-Gäste“, die man auf jedem zweiten Sampler auch hören kann (X mixt Y, dafür mixt Y dann mal wieder X, und Z macht von beiden mal einen Remix…gähn!). Da das Saxophon m.E. nach ein echt untypisches Instrument in der schwarzen Szene ist und Laszlo Wolpert früher für Herbert Grönemeyer tätig war (der auch recht wenig mit den Gothics gemeinsam hat), war klar: Den will ich! Da mein Produzent gut mit Laszlo befreundet ist, kam der Kontakt ganz unproblematisch und unspektakulär zustande. Laszlo hat den Song von mir bekommen, fand ihn auf Anhieb toll und hat dann an einem gemütlichen Vormittag im Studio einfach eine Improvisation abgeliefert! Mich hat es fast umgehauen, da der Typ echt ein Genie auf seinem Gebiet ist! Ist schon was besonderes, mit einem Weltklasse-Musiker zusammenzuarbeiten!

Illuminate sind immer auch eine Live-Band gewesen. Ist eine Live-Umsetzung von „10×10“ vorgesehen ?

Ja, natürlich! Es wird zwar in diesem Jahr keine Tour von uns geben, da ich im Oktober zum ersten Mal Vater werde und dieses Erlebnis ganz intensiv genießen möchte; wir holen die Konzerte (und die dazugehörige 10-Jahres-Feier) Anfang 2004 aber auf alle Fälle nach!

Immer mehr Bands entdecken die DVD als neues Medium. Ist hier auch bei Illuminate etwas in Planung – gerade zu diesem Jubiläum wurde es sich ja anbieten ?

Stimmt! Wir werden auch immer öfter auf diese Geschichte angesprochen. Es ist aber nun mal so, dass man für eine ordentliche DVD auch reichlich Live- und anderes Bildmaterial zur Verfügung haben sollte. Hier scheitert es im Moment noch ein wenig bei uns (was aber zum größten Teil mit Zeitmangel zusammenhängt). Natürlich ist eine DVD in absehbarer Zeit geplant – ich kann da jetzt aber noch keine festen Aussagen und Termine nennen!

Mit „Narrenturm“ hast du dieses Jahr auch dein erstes Soloalbum veröffentlicht. Wieso ein „eigenes“ Album, da du ja eh der „Kopf“ von Illuminate bist ? Handelt es sich hierbei um eine einmalige Sache oder sind weitere Alben geplant ?

Die Story vom „Narrenturm“ ist einfach so speziell, dass sie sich (meiner Meinung nach) nur schlecht oder gar nicht mit dem Image von Illuminate vereinbaren ließ. Hier wollte ich auch keine Experimente wagen, sondern ganz deutlich sagen: Schaut her, das ist meine persönliche Geschichte – und diese erscheint unter meinem bürgerlichen Namen! Ein anderer wichtiger Punkt war die ganze Arbeit am Soloprojekt. Da ich den Kopf schon voller Ideen für Samples und Geräuschkulissen jeder Art hatte, wäre es auch unmöglich gewesen, mich in dieser Beziehung zu beraten und/oder umzustimmen. Meine Bandkollegen hätten also nur abnicken und den Mund halten können! Dies wiederum ist jedoch keine schöne Zusammenarbeit innerhalb der Band, meinst Du nicht?!

Stimmt es, dass du auch am neuen Album von Samsas Traum mitgearbeitet hast ? Wie sah diese Zusammenarbeit aus und wie kam es dazu ?

Auch das ist relativ unromantisch: Alex hat mich angeschrieben, ob ich nicht Zeit und Lust hätte, bei einem seiner Songs den Gesangspart zu übernehmen. Daraufhin hat er mir seine Vorstellungen geschickt und ich habe im Studio meine Interpretation aufgenommen. Solcherlei „Jointventures“ kommen innerhalb der Szene relativ oft zustande. Ich habe schon für diverse Künstler und Bands Songs aufgenommen, geremixt und/oder anderweitig bearbeitet! Im Endeffekt ist das ja auch Teil meines Jobs und des Lebensunterhaltes!

Wolfsheim konnten mit ihrem aktuellen Album riesige Erfolge feiern. Ihre Videos laufen auf allen Kanälen, sogar bei Teenie-Sendern sieht man sie im Interview. Wunschtraum oder Albtraum für Illuminate ?

Ich verrate Dir jetzt ein wahnsinnig großes Geheimnis (Peter…wenn Du das liest, bitte nicht böse sein!!!): Die Erfolge in den Charts und auf den Videokanälen sind oftmals recht zufällig. Je nachdem, was für einen Monat man erwischt, ist es keine große Kunst, überall ganz weit oben gespielt zu werden. Dies ist keine Schmälerung der Erfolge Wolfsheims – ganz im Gegenteil: Ich habe mich irre für Peter und Co. gefreut, dass ihnen endlich der Erfolg zuteil wurde, den sie längst verdient haben – aber (um zum Geheimnis zu kommen) die Verkaufszahlen des aktuellen „Erfolgsalbums“ lagen deutlich unter denen des Vorgängers! Das Verrückte: Da Wolfsheim einen relativ schwachen Zeitraum erwischt haben (wo es keine große Konkurrenz gab), reichten diese Verkaufszahlen für einen Platz 1 in den Charts – was zur Folge hat, dass man auf den Videokanälen rauf und runter läuft! Dadurch erübrigt sich die Frage nach „Wunschtraum“ oder „Albtraum“! Wenn wir in den Charts einsteigen und wenig Alben verkaufen, ist das weniger interessant für uns, als wenn wir wahnsinnig viele CDs verkaufen, aufgrund der harten Konkurrenz in den Charts aber nicht dort gelistet werden!
Tja…that’s business!!! Zum Kotzen, oder?!

Was in eurer Anfangszeit noch kein Thema war, heute jedoch immer wieder diskutiert wird, ist das Thema „Filesharing“. Wie stehst du zu diesem Thema ?

Da stoße ich in das altbekannte Horn: „Verbrennt Euch nicht die Zukunft!“ Die ganze Diskussion um Downloads aus dem Internet und gedankenloses Brennen von CDs („Hey…ist doch nur für den Hausgebrauch…! Ich hätte mir die CD sowieso gekauft…!“ Was ist denn da so schlimm dran? Früher haben wir doch auch Kassetten überspielt…“ etc.) ödet mich so langsam wirklich an! Wenn die jungen Leute von heute meinen, dass diese Art der Piraterie sie nichts angeht, und dass die Plattenfirmen die großen Abzocker sind, muss ich (als Chef einer Plattenfirma) sagen: Schlaft mal schön weiter! Die Realität sieht jedenfalls so aus, dass es bald keine Alternative-Labels und –Läden mehr geben wird! Ich will kein Schwarzmaler sein, aber die Tage der kleinen, innovativen Bands und Künstler sind gezählt! Das sage ich nicht aus gekränktem Trotz, sondern weil es der Realität entspricht! Ich will später bloß kein Geschrei hören, wenn es bei WOM und Media Markt nur noch die „Superstars“ und „Bro’Sis“ gibt! Rosige Zukunft!!!

10 Jahre Illuminate sind nun vorbei – wagen wir mal einen Blick in die Zukunft. Wie siehst du die kurzfristige und langfristige Zukunft von Illuminate ?

Nun werden ja im September erstmal die beiden „10 x 10“-Scheiben veröffentlicht. Wir bewegen uns seit Jahren so ziemlich von VÖ zu VÖ – eine große Prognose kann ich also fast noch nicht abgeben. Natürlich arbeite ich schon an dem Nachfolgealbum; ein paar interessante Ideen und Melodien liegen mir da auch schon vor. Ob das nächste Werk aber eher „schwarz“ oder „weiß“ wird, will ich noch nicht verraten!

Vielen Dank jedenfalls für das nette Interview und liebe Grüße an Dich und Deine Leser!

09.09.2003

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