Manes / kkoagulaa
Manes / kkoagulaa

Interview

MANES, die großartige Band, der die Welt das Meisterwerk "Vilosophe" und ein sperriges, aber interessantes Album namens "How The World Came To An End" verdankt, ist Geschichte. Das kam nicht mehr ganz überraschend, nachdem sich die Band Ende letzten Jahres von ihrem Label Candlelight getrennt hatte. Aber – aus MANES wurde KKOAGULAA, der nicht minder sperrige Nachfolger, der beweisen wird, dass MANES erst der Anfang einer Musikerkarriere war, die von Respektlosigkeit gegenüber Konventionen, Grenzen und gängiger Musik geprägt ist. An einem warmen Mittwoch im April saß ich mit einem Laptop auf der Terrasse, und am anderen Ende der Breitbandleitung war ccernn, der Chefalchimist KKOAGULAAS…

Manes / kkoagulaaSchön, dass Du die Zeit für einen kleinen Plausch gefunden hast! Was würdest Du sonst an diesem schönen sonnigen Tag tun, wenn Du nicht dieses Interview führen würdest? Angeln gehen, auf dem Balkon sitzen?

Hehe, vermutlich irgendwelches Gebastel mit Computern oder sowas… wie z.B. die Installation von Ubuntu/Linux hier…

Bist Du ein Computer- und Technikfreak?

Könnte man so sagen, ja.

Wie waren die letzten Wochen seit der Auflösung von MANES? Haben Dir tausende von Mädchen geschrieben und Dich angefleht, nicht mit dem Spielen von sexy Musik aufzuhören, hast Du Angebote von Weltkonzernen für KKOAGULAA bekommen?

Genau genommen habe ich mich auf wenige Dinge konzentriert, vor allem darauf KKOAGULAA zum Laufen zu bringen und die letzten MANES-Projekte abzuschließen – die, auf die wir uns vor dem Split noch geeinigt haben. Das sind „Solve Et Coagula“, zwei unveröffentlichte Songs von 94/95, neu aufgenommen und mit einigen prominenten Gastsängern (Niklas Kvarforth/SHINING, Malefix/XASTHUR), dann einige Remixes – V.:28, und gestern bekam ich noch eine Mail von einer anderen Meatlband, denen ich das zugesagt und es dann vergessen hatte.
Außerdem wird es wohl eine MANES-„Memorial-Seite“ geben, mit allem was wir bis jetzt veröffentlicht haben, einer History und einer Menge von unveröffentlichtem Material und MP3s.

Warum hast Du Dich entschieden, wirklich ALLES aus den Archiven zugänglich zu machen, anstatt es für zukünftige Projekte zu nutzen?

Weil ich das so mag, hehe. Ich will mich auf KKOAGULAA konzentrieren und MANES Geschichte sein lassen, und nicht Energie oder überhaupt irgendetwas daran verschwenden. Und es könnte für die „Fans“ auch ganz interessant sein.

Du wirst also das letzte MANES-Material definitiv nicht für KKOAGULAA verwenden?

Hm, ja, nein, vielleicht… ein paar Ideen – ein paar der Songs, die eigentlich MANES‘ „Be All End All“ werden sollten, werden vermutlich weitergeführt, aber alle anderen Sachen, die eng mit veröffentlichter MANES-Musik zusammenhängen, wie Demos, Vorproduktionen, Test-Versionen, Rehearsals usw. werden wir einfach so weggeben.

„Be All End All“ ist das Album, an dem Ihr zeitgleich zu „How The World Came To An End“ gearbeitet habt!?

Teils, ja, das war zumindest die Intention – zwei Alben zugleich fertig zu haben, aber eines später zu veröffentlichen. Hat leider nicht geklappt… „Be All End All“ haben wir dann sozusagen auf Eis gelegt, bedauerlicherweise, und das war auch einer der Gründe, warum ich den Eindruck hatte, MANES sollte sterben. Das wurde alles zu repetitiv und traditionell… gängig… und das mag ich nicht.

War es im Rückblick die falsche Entscheidung, zu einem großen Label wie Candlelight zu wechseln?

Vielleicht war es das, ja. Ich persönlich habe mich weiter und weiter von der traditionellen Metalszene entfernt und von dem, was dort als „normal“ angesehen wird. Mit Candlelight und ihrer sehr „metallischen“ Arbeitsweise gab es einige Differenzen und echte Streitpunkte. Das hat mich alles genervt und an meiner Motivation und meinem Elan genagt. Ich hatte den Eindruck, in etwas „gedrängt“ zu werden, in das wir gar nicht passen…
Andererseits ist Candlelight ein wirklich gutes Label für das was sie tun, allerdings nicht für Dinge, die außerhalb der Genres liegen, mit denen sie gewöhnlich arbeiten.
Hm, oder… vielleicht liegt es auch nur an mir.

Ich habe mich oft gefragt, was Euch eigentlich mit Metal verbindet… warum Ihr mit code666 und später mit Candlelight zwei Metallabels den Zuschlag gegeben habt. Habt Ihr nie alternative Möglichkeiten, z.B. im Elektrosektor, gehabt?

Ich habe auch viel darüber nachgedacht. Die Labels mit denen wir gearbeitet haben waren beides Labels, die auf uns zugekommen sind und uns fragten, ob wir an einem Deal interessiert wären. Wir haben nie irgendwelche Demos an Nicht-Metallabels verschickt oder so. Vielleicht hätten wir das machen sollen. Als diese Labels dann auf uns zukamen dachten wir bzw. dachte ich, dass die Labels auch daran interessiert wären, die Dinge anders anzupacken als gewöhnlich. Ich habe auch alternative Promotion für MANES vorgeschlagen, wurde aber mehr oder weniger ignoriert.
Vielleicht dachten die sich ja, alleine der Name würde Alben verkaufen, wie bei BRITNEY SPEARS oder Coca-Cola oder so? Hehe.

Ist das ein Aspekt der „verkehrten Richtung“, die MANES laut Eurem Statement zur Auflösung genommen hat? Was waren andere Aspekte? Ihr spracht beispielsweise über „zu viele Meinungen“… obwohl das doch eigentlich eher ein Zeichen von Interesse an der Band ist.

Mag sein, ja… ich habe mir nie viele Gedanken darüber gemacht, wie Leute darauf reagieren könnten, welche Musik wir machen. Natürlich ist es schön, Deals angeboten zu bekommen und alles, zu sehen, dass Menschen an Dich und an das, was Du machst, glauben… aber mit den Jahren glaubten offenbar alle, wir seien daran interessiert, alles auf die normale Tour zu machen (live zu spielen, Albums, Fans, „berühmt“ zu sein etc.)… und vergaßen oder ignorierten dabei alle anderen Meinungen. Das hat auch intern zu immer mehr Differenzen über Ziele, Pläne und Hoffnungen geführt.

Spielten die Reaktionen auf das letzte MANES-Album „How The World Came To An End“ dabei auch eine Rolle?

Die Reaktionen waren eigentlich sehr gut, viel besser als ich angenommen hatte, speziell aus der Metalecke. Offenbar sind die Leute doch offen für Neues! Aber: Candlelight haben das Album im Wesentlichen in Metalkreisen beworben, ich weiß also kaum, wie andere Leute darauf reagiert haben. Das hat mich auch ein wenig genervt… aber man kann von einem Metallabel, so gut es auch ist, eben nichts anderes erwarten.
Meine Aufmerksamkeitsspanne ist ziemlich gering, und wenn Dinge nicht so laufen, wie ich mir das denke, verliere ich ganz schnell das Interesse. Da ich immer eine Menge an Projekten laufen habe und permanent zwischen ihnen hin und her springe, ist es für mich sehr anstrengend und schwierig, mich dann auf ein Projekt (MANES) zu konzentrieren, wenn es da nicht so läuft.

Dann lass uns jetzt mal ein wenig über die Zukunft reden – über KKOAGULAA. Komischer Name übrigens. Geht es bei KKOAGULAA darum, die guten Aspekte von MANES zu filtern und in einem neuen Projekt wieder zusammen zu fügen?

Ja, so ungefähr. Das basiert auf dem alten lateinischen Alchemisten-Motto „solve et coagula“, löse und verbinde. Wir haben MANES „gelöst“ und es in KKOAGULAA wieder neu verbunden. Die beknackte Schreibwise resultiert im Wesentlichen daraus, dass ich es mag, Konfusion zu erzeugen. Menschen reagieren ganz anders als auf ein normales Wort, außerdem kann man es fantastisch im Netz finden, hehe.
Die alten Alchemisten waren niemals „fertig“, sie haben ihre Arbeit immer wieder neu gelöst und neu verbunden, weil sie hofften, Blei oder andere Metalle in Gold zu verwandeln. Das passt ganz gut zu dem was wir tun.

Außerdem ein Hinweis auf die ersten MANES-Jahre, wie die beiden Songs „Solve Et Coagula“?

Ja, genau… eine Art Verbindung zwischen dem was wir getan haben, tun und tun werden.

Ist KKOAGULAA ein Projekt oder eine vollständige Band? Wer ist Teil dessen?

Momentan ist es mehr ein Projekt als eine Band, und so wird es vermutlich auch bleiben. Im Wesentlichen bin ich es, der das Ganze voran bringt, aber wir „rekrutieren“ gerade… und die meisten MANES-Leute sind auch wieder mit dabei. Einige Gleichgesinnte, frei denkende Individuen sind auch auf dem Weg einzusteigen. Ich kann aber noch keine Namen nennen, weil das noch nicht 100%ig feststeht.

Basiert das ganze Konzept auf alchemistischen Ideen und Themen?

Ein wenig, aber nicht zu festgelegt oder darauf beschränkt. Mir erschien das nur wie eine gute Idee, alles miteinander zu verlinken, eine Art Erklärung für das zu liefern, was wir machen, etwas, über das Menschen nachdenken können. Ich mag philosophische Denkweisen und Denkexperimente sehr, und es ist außerordentlich interessant, Dinge miteinander zu kombinieren, die eigentlich nicht zusammen passen – und zu versuchen, sie passend zu machen. Dann ist das Endergebnis ein wenig mehr als die Summe der Einzelteile, und man kann seine eigene Interpretation entwickeln.

Was wirst Du in diesem Projekt zusammenfügen, das eigentlich nicht zusammen passt?

Musik ist nur ein Teil dessen, was ich tue und was mich interessiert, und ich möchte noch einige nicht-musikalische Ideen darin verwirklichen. Eine dieser Ideen ist z.B. die totale Ignoranz akzeptierter musikalischer Stile, wie z.B. die Vermischung von IDM [intelligent dance music – Anm. d. Verf.] und harschem Elektrozeug mit ruhigeren analogen Atmosphären. Außerdem würde ich gerne andere Dinge als nur Songs und Alben machen, Bilder, Software und alles mögliche andere. Wir werden sehen, die Zeit wird’s zeigen.

Auf Eurer Myspace-Seite www.myspace.com/kkoagulaa kann man aktuell ein halbes Dutzend musikalischer Skizzen begutachten. Sind das die Grundlagen für künftige Songs?

Es sind nur Skizzen, und wie man hören kann ändere ich sie die ganze Zeit über. Ich versuche offen dem gegenüber zu sein, was sich so tut. Das sind also keine fertigen Songs, nicht einmal Demos, eher das Resultat einiger Experimentierstunden und Tests. Wenn wir uns nicht bald daran satt gehört haben oder sie als zu schlecht empfinden, werden wir damit auch mehr anfangen und immer wieder neue Versionen posten.
Ein Albumrelease wäre dann eher sowas wie ein Schnappschuss dessen, was wir gerade zur Zeit des Albums mochten. Ich weiß nicht ob das verständlich ist… es gibt kein konkretes Ziel, auf das wir hinarbeiten, wie eben, Songs für ein Album zu machen. Wenn es mal Zeit dafür ist, schauen wir was wir haben und gehen davon aus.

Wird es auch möglich sein, mit diesem Projekt live zu spielen, evtl. mit vielen Gastmusikern und „Interpreten“ der Stücke?

Ich weiß nicht, ob wir jemals live spielen werden, zumindest ist das gerade kein Hauptfokus. Ich mag traditionelle Liveshows, wo Leute auf der Bühne stehen und Songs von Alben so gut wie möglich nachspielen, sowieso nicht. Hätten wir allerdings mehr visuelle Möglichkeiten, ähnlich einem Theater oder einem Film, könnte das schon wieder interessant sein. Eventuell auf die Art und Weise, dass man die Bandmitglieder nicht auf der Bühne sehen würde, nur große Leinwände oder Monitore, VJ/DJ-Equipment usw. Keine Ahnung, darüber denke ich später mal nach, hehe.

Gibt es denn schon konkrete Veröffentlichungspläne?

Ich denke gerade über ein Demo oder eine Promo nach, die vielleicht „aurum nostrum non est aurum vulgi“ (unser Gold ist nicht das gemeine Gold… oder interpretiert: unsere Ziele sind nicht eure Ziele/wir wollen andere Dinge als ihr) heißen könnte. Damit hätten wir etwas Konkretes, das wir vorzeigen könnten und das wir veröffentlichen könnten. Vielleicht drei oder vier „Songs“, zusammengebaut als ein größeres Ding, basierend auf den Myspace-Skizzen. Aber das hängt auch von meiner Aufmerksamkeit ab und ob bis dahin andere Dinge geschehen, hehe.
Und: das hängt auch davon ab, wer noch involviert sein wird!

Ich hoffe, Ihr werdet mehr von diesem 8bit-Sound verwenden, wie zu Beginn des letzten MANES-Albums. Vielleicht könntet Ihr auch mal sowas hier verwenden: www.clipfish.de/clip/2226217, hehehe.

Auf jeden Fall werden wir mehr von dem 8bit-Zeug verwenden! Ich mag sowas wirklich sehr, Amiga-Trackers, Circuit-Bending usw… interessantes Video übrigens! Dazu das hier: www.clipfish.de/player.php?videoid=MTM1MzgwM3wyMjA2ODY1!

Bevor wir uns in elektronischen Spielereien verhaspeln: nicht nur mir ist aufgefallen, dass Eure musikalische Entwicklung der von ULVER sehr ähnelt. Habt Ihr untereinander Kontakt, ergibt sich vielleicht sogar mal die Möglichkeit einer Kooperation mit Jester Records, Cristoffer Ryggs Label?

Ja, diese Verbindung oder Ähnlichkeit ist schon sehr oft betont worden. Das hat mich anfangs enorm angekotzt, aber mit den Jahren habe ich gelernt mich darum nicht zu kümmern. Die Menschen haben eben ihre Meinungen, egal was man versucht zu sagen oder zu erklären. Tatsächlich gab es mal ein paar Gespräche über einen Gastauftritt von Garm auf dem „How The World…“-Album, aber wegen Zeitmangel usw. kam das dann doch nicht zustande. Die Möglichkeit besteht aber weiterhin.
Ich habe ihm mal eine Audio-CD mit sehr vielen Skizzen geschickt, mal schauen. Jester ist eines der interessantesten Labels in Norwegen, das wäre schon eine tolle Sache.

Bist Du generell überhaupt an Meinungen von „außerhalb“ interessiert?

Für mich ist das Musikmachen, das Experimentieren, die philosophische Seite all dessen das, was mich wirklich interessiert. Zeug zu veröffentlichen, mit Labels zusammen zu arbeiten usw. sind gute Möglichkeiten, an Reaktionen darauf zu kommen, was man tut. Gute Reaktionen führen natürlich auch zu mehr Motivation und zu einem guten Gefühl bei dem, was man da tut. Das hilft, Moral und Elan aufrecht zu erhalten. Die geschäftliche Seite ist allerdings… hm… weder besonders toll noch interessant.
Übrigens ist die Möglichkeit, im Netz Musik zu veröffentlichen auch eine schöne Sache für uns, sowohl gratis als auch kommerziell.

Du hast mal Livegitarre bei KEEP OF KALESSIN gespielt, die gerade bei Nuclear Blast unterschrieben haben und dabei sind, zu einer ganz großen Nummer im Metalgeschäft zu werden – genau das Gegenteil von dem, was Dir offenbar erstrebenswert erscheint. Was denkst Du darüber?

Toll für sie, würde ich sagen. Mich beeindruckt „gekaufter Ruhm“ ehrlich gesagt nicht so sehr, und sobald da sehr viel Geld im Spiel ist, leidet meiner Meinung nach die künstlerische und musikalische Seite. Es wird einfach zu wichtig, wie viele Platten man verkauft, ob man das Budget wieder rein bekommt, wie viele Liveshows man spielt usw., und all das beeinflusst die Art und Weise, wie man Musik macht und zu einigen Dingen steht. Ich bin da aber auch sehr viel ideologischer motiviert als die meisten Leute. Eigentlich auch egal, ich habe ihnen ja nur mal kurz live ausgeholfen, weiter nichts.

Ehrlich gesagt hätte ich Euch so etwas kurz nach der Veröffentlichung des „Vilosophe“-Albums auch zugetraut… interessant, dass es dann doch eine ganz gegensätzliche Entwicklung genommen hat.

Stimmt, auch wenn ich das eigentlich ganz gut verstehen kann. Vielleicht waren und sind wir einfach zu anders, hätten uns mehr und besser promoten sollen… keine Ahnung. Und: wir wollten niemals irgendwem die Stiefel oder den Arsch lecken…

28.04.2008

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1 Kommentar zu Manes / kkoagulaa - Manes / kkoagulaa

  1. Dora sagt:

    The best Manes interview I’ve read. And I read A LOT of them.