Raunchy
Raunchy

Interview

Was ist los in Dänemark? Hatesphere sind einer der größten Hoffnungsträger im Death/Thrash-Bereich, Mnemic sahnen mit ihrem Debüt sämtliche Newcomerpreise ab und Raunchy werden mit ihrem Zweitwerk wirklich allen Vorschusslorbeeren, die ihr Debüt "Velvet Noise" eingeheimst hat, gerecht. Selten habe ich eine ausgewogenere Mischung aus Metal und modernen Elementen vernommen, wie sie die fünf Dänen auf "Confusion Bay" abliefern. So stand mir deren Gitarrist Jesper Tilsted bereitwillig Rede und Antwort.

RaunchyHi Jesper! Wie geht’s? Wie sind die Reaktionen zu eurem neuen Killeralbum „Confusion Bay“ bisher?

Danke erstmal. Wir sind selbst sehr stolz darauf. Bis jetzt haben wir viele Interviews gegeben und alle Reviews, die ich gesehen habe, waren überaus positiv. Wir sind also alle sehr erfreut darüber, wie sich die Dinge gerade entwickeln.

Was soll der Titel symbolisieren?

„Confusion Bay“ ist ein Songtitel des Albums. Er war der erste, den wir für die neue Platte geschrieben haben, und der erste, der schon einen Titel hatte, als wir ins Studio gingen. Als wir dann einen Titel auswählen mussten, hat uns sein Klang sehr gefallen. Zudem sagen uns immer wieder Leute, dass wir einen konfusen Musikstil spielen. Also hielten wir es für spaßig, das neue Album „Confusion Bay“ zu nennen.

Ich hatte bis jetzt noch keine Möglichkeit, die Texte zu lesen. Gibt es ein Konzept, dass einen Song wie eben „Confusion Bay“ mit einem anderen wie „Morning Rise And A Friday Night“ verbindet?

Nein, es gibt kein Konzept. Die Texte drehen sich meist um das Leben von unserem Sänger Lars. Es geht um Freundinnen, verrückte Erfahrungen oder einfach nur sein Leben in einer Großstadt. „Confusion Bay“ handelt z.B. von Lars konfusem Lebenswandel, während „Morning Rise And A Friday Night“ von einer seiner Freundinnen erzählt.

Ihr habt, wie auch bei „Velvet Noise“, einmal mehr ein Artwork benutzt, das schwer zu interpretieren ist. Kannst du mir da weiterhelfen?

Das Artwork hat unser anderer Gitarrist Lars Christensen, der auch schon für das „Velvet Noise“-Cover verantwortlich war, entworfen. Es geht bei beiden Alben 100% um die Musik und nicht um irgendein ausgeflipptes Image oder eine bestimmte Message, die wir mit den Lyrics verbreiten wollen. Deswegen haben wir zwei Mal ein abstraktes Artwork verwendet, das besser zur Musik passt, als irgendetwas, was die Leute sofort wieder erkennen würden. Aus diesem Grunde gibt es auch nichts, was man da hinein interpretieren könnte. Viele Leute denken jedoch, dass die Szenerie auf dem Cover die „Confusion Bay“ darstellen soll. Das kann aber auch nicht sein, denn das Artwork war schon fertig, bevor dieser Titel überhaupt feststand.

„Confusion Bay“ entwickelt den „Velvet Noise“-Stil in vielerlei Hinsicht weiter. In einigen Parts seid ihr viel melodischer, in anderen wieder ungleich härter und thrashiger und wieder in anderen setzt ihr die Technik und Elektronik viel effizienter ein. Würdest du da zustimmen?

Du bist in diesem Punkt sehr genau. Die meisten Leute sagen einfach, dass unser neues Album härter sei als das alte. Das stimmt ja auch auf eine gewisse Weise, aber unser Plan war, alle Charakteristika, die für unseren Stil wichtig sind, noch kräftiger heraus zu arbeiten. Wir wollten ein Album ohne Limits für Brutalität oder Sanftheit. Das ist uns, denke ich, ganz gut gelungen.

Wie sieht es mit euren Einflüssen aus? Namen wie Soilwork, Fear Factory oder SYL fallen immer wieder. Aber was ist mit dem klassischen Zeug? Welche Bands haben euch zum Metal gebracht?

Als wir angefangen haben zu spielen, haben wir natürlich die großen Bands wie Metallica, Slayer und Megadeth gehört. Die ersten Jahre haben wir ja nur deren Songs gecovert. Später kamen dann Pantera, Machine Head, Fear Factory und Biohazard, die uns auch sehr inspiriert haben. Auf „Confusion Bay“ waren die wichtigsten Einflüsse mit Sicherheit Marylin Manson, Rob Zombie, Entombed, Soilwork, Killswitch Engage, Pain, Korn, In Flames, 30 Seconds to Mars, Devin Townsend und Spineshank.

Wie findest du es, wenn Raunchy mit Soilwork verglichen werden?

Ich mag Soilwork sehr gerne, weswegen mich dieser Vergleich nicht stört. Ich weiß ja auch, warum er aufkommt. Es sind einige Ähnlichkeiten in unserer Musik vorhanden, z.B. in der Art wie wir die Vocals oder die Keyboards einsetzen. Daneben denke ich aber auch, dass wir eine hohe eigene Identität haben, weswegen uns niemand irgendwann mal als Soilwork-Rip-Off bezeichnen wird.

Und was denkst du, wenn jemand Raunchy als eine Band bezeichnet, die aufgrund ihres modernen und innovativen Stils den Metal ins neue Jahrtausend führen kann?

Well, ich kann mich nicht erinnern, das jemals in einem Review gelesen zu haben. Wenn es aber doch mal vorkommen sollte, wäre ich natürlich sehr stolz. Außerdem ist dies eine Beschreibung, an der wir wachsen können. Wir werden definitiv unser bestes tun.

Wie würdest du eure Musik jemandem beschreiben, der taub ist?

Wow, das ist eine schwere Frage. Wenn die betreffende Person vorher schon mal Musik gehört hat, wäre es einfach, weil ich dann einfach Vergleiche bringen könnte. Wenn er aber schon sein ganzes Leben lang taub wäre, würde ich wahrscheinlich folgendes sagen: „Sie ist wie ein Schlag ins Gesicht mit einer in Honig getauchten Hand!“ Das macht vielleicht keinen Sinn, aber es ist mir gerade eingefallen.

Mnemic ist eine weitere hoffnungsvolle moderne Metal-Band. Sie nennen ihren Stil „Fusion Future Metal“,ihr euren „Futuristic Hybrid Metal“. Gibt es da einen Unterschied?

Wenn du dir einfach nur die Bezeichnungen anschaust, gibt es mit Sicherheit keinen Unterschied. Wir hielten „Futuristic Hybrid Metal“ für eine gute Beschreibung für unseren Stil auf „Velvet Noise“. Jetzt passt er meiner Meinung nach aber nicht mehr so ganz, weil unsere neuen Stücke nicht ganz so futuristisch sind. Wenn ich nach unserem jetzigen Stil gefragt werde, sage ich immer „Modern Metal“ oder „Pop Thrash“. Bei Mnemic hingegen passt ihre Bezeichnung wunderbar, weil ihre Musik sehr kalt, mechanisch und futuristisch ist. Für einige Leute, die sich noch nicht intensiv mit uns und Mnemic befasst haben, mögen wir ziemlich gleich klingen. Meiner Meinung nach unterscheiden wir uns aber gewaltig.

Was geht im Moment ab in Dänemark? Raunchy, Mnemic, Hatesphere … drei riesige Hoffnungsträger für kommende Zeiten. Haben sie euch auf einmal eine große Menge Kreativität ins Leitungswasser gemischt oder wollt ihr einfach endlich den Metal-Thron Skandinaviens erobern?

Vor ein paar Jahren gab es bei uns fast keine interessante Metal-Band, aber plötzlich schossen viele großartige Bands einfach aus dem Boden. Die Ursache dafür weiß ich auch nicht. Vielleicht inspirieren wir uns jetzt einfach gegenseitig, immer besser zu werden. Ein weiterer Grund könnte natürlich auch sein, dass die Leute dadurch jetzt erst auf Dänemark aufmerksam geworden sind und sich auch für andere dänische Bands interessiert haben. Jetzt ist es für Formationen aus unserem Land einfacher, Aufmerksamkeit zu bekommen, als noch vor ein paar Jahren, als wir „Velvet Noise“ veröffentlicht haben.

Ihr habt mit eurer Musik auf eine gewisse Weise etwas Neues geschaffen. Wird das heutzutage nicht immer schwerer? Glaubst du, es wird eine Zeit kommen, in der alle Ideen schon verwirklicht worden sind und innovative Musik nicht mehr möglich ist?

Well, das ist eine gute Frage. Ich sehe das so: Eigentlich hört man gar nichts wirklich Neues mehr. Wie oft kommt es vor, dass ein Riff in dein Ohr gelangt und du sagst: „Wow, so was hab‘ ich ja noch nie gehört?!“ Man kann eigentlich nur noch bestehende Dinge auf eine völlig neue Art und Weise mischen. Meiner Meinung nach wird es immer Leute geben, die die Fähigkeit besitzen werden, immer wieder neue Cocktails aus alten Sachen anzurühren, an die andere gar nicht denken würden. Aber du hast schon Recht. Mit der Zeit wird auch dies immer schwerer werden.

Zurück zu einigen Business-Dingen: Zum Song „Watch Out“ ist ein Video geplant, das komplett animiert sein soll. Kannst du etwas mehr darüber erzählen?

Ja, das stimmt. Es wird von einem Kerl namens Anders Morgenthaler gemacht, der schon für viele berühmte, dänische Pop-Acts gearbeitet hat. Es wird ein sehr rauer Cartoon werden ohne jegliche trendige 3D-Matrix-Style-Sachen. Nächste Woche soll das Teil fertig sein. Wir haben bisher nur kleine, unfertige Ausschnitte gesehen, weswegen ich zum Inhalt gar nicht viel sagen kann. Es wird auf jeden Fall kein typisches Heavy Metal-Video werden.

Wie schätzt du die Wichtigkeit von Metal-Videos in einer Zeit ein, in der diese Musikrichtung kaum auf irgendwelchen Sendern stattfindet?

Ich weiß es nicht genau. Das ist unser erstes Video. Wir haben also kaum Erfahrung auf diesem Gebiet. Wir hoffen, im nationalen, dänischen TV zu landen. Und wenn es bei MTV laufen sollte, war es sein Geld schon wert gewesen. Nuclear Blast dachten, es sei eine gute Idee, es zu machen. Ich vertraue unserer Plattenfirma. Die wissen schon, wovon sie reden.

Wie sieht es mit einer Tour durch Deutschland aus? Bisher habt ihr nur Festivalgigs gespielt?

Uns wurden schon ein paar Clubshows in Deutschland angeboten und wir wollen auch unbedingt kommen und spielen. Im Moment wäre es das Beste für uns, wenn wir einen Support-Slot für eine größere Band an Land ziehen könnten. Wir müssen also abwarten, Tee trinken und Glück haben.

Am Ende noch eine etwas delikatere Frage: „Raunchy“ heißt laut Wörterbuch „sexuell anregend“ oder „sexuell explizit“. Wo ist da die Verbindung zu euch und eurer Musik?

Diesen Namen haben wir schon lange, bevor wir gesignt haben, angelegt. Wir hatten keinen Bock auf einen Klischee beladenen Metalnamen. Als wir dann einen Plattenvertrag in der Tasche hatten, hielten wir es für bescheuert, plötzlich den Namen zu ändern. Vielleicht hätten wir dies getan, wenn wir gewusst hätten, wie viele Reviewer ihn als doof bezeichnet haben. Aber mal ganz nebenbei: Raunchy heißt auch „dreckig“. Deswegen haben wir uns eigentlich so genannt.

Hoffentlich ist damit nicht „sexuell dreckig“ gemeint! 🙂

29.01.2004

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