Satyricon
Interview mit Satyr zu "Now, Diabolical"

Interview

„Now, Diabolical“ heißt das neue SATYRICON-Album. Wer dachte, der Vorgänger „Volcano“ sei simpel und minimalistisch gewesen, wird in ihm nach dem Genuss des neuen Werks jedoch eine ungeahnte Fülle an Variabilität und Vielfalt erkennen. Denn „Now, Diabolical“ darf nicht nur als „Volcano“-Destillat gelten, sondern fast schon prototypisch als Definition von Minimalismus. Mastermind Satyr erklärt den großen musikalischen und inhaltlichen Sinn, der hinter dem Album steckt, und wie dieser in sein Bild des Black Metal passt. In einem sehr interessanten, überlangen Gespräch, das schließlich vom zuständigen Promoter beendet werden musste, nahm Satyr auch zu heiklen Fragen wie der Entwicklung der Szene und faschistischem Gedankengut Stellung.

Satyricon

Wie kommt es, dass Ihr jetzt auf Roadrunner seid und nicht mehr bei Virgin?

Wir hatten einen Deal über ein Album mit Virgin. Sie haben insgesamt gesehen gut gearbeitet. Virgin sind eine große Firma mit Niederlassungen überall auf der Welt. Manche davon sind gut, manche eben nicht. Gegen eine Verlängerung des Vertrags sprachen letztendlich zu viele Dinge, sodass wir uns anderweitig umgesehen haben. Wir haben mit vielen Plattenfirmen gesprochen, Roadrunner waren jedoch die Adresse, wo wir uns am besten verstanden und akzeptiert fühlten. Sie gaben uns das Gefühl, dass sie darauf vorbereitet waren, hart für die Band zu arbeiten. Ich wusste schon während wir noch mit anderen Labels im Gespräch waren, dass wir uns für Roadrunner entscheiden würden, da sie die richtigen Pläne für die Band hatten, um sie auf die nächste Stufe zu hieven.

Wäre eine Veröffentlichung über Moonfog keine Alternative gewesen?

Nicht wirklich, nein. Denn die Band ist mittlerweile viel größer als das Label. Das Label hat nicht genügend Kapazitäten, um eine Band dieser Größe handhaben zu können. Moonfog ist ein gutes Label, aber sobald ein Künstler eine gewisse Größe erreicht, zieht sich das Label zurück, um der Karriere der Band nicht im Wege zu stehen. Für Bands bis zu einer bestimmten Größe arbeiten wir gut. METALLICA wären auf Nuclear Blast wohl auch fehl am Platze, haha. Das bedeutet nicht, das Nuclear Blast ein schlechtes Label ist, sondern dass die Band eine Nummer zu groß dafür ist. Wir sind zwar nicht METALLICA und Moonfog ist auch weit weg von Nuclear Blast, aber die Situation ist eine ähnliche: die Band erreicht eine bestimmte Größe und beansprucht die Aufmerksamkeit von vielen Leuten. Bei Moonfog haben wir allerdings nur zwei oder drei Leute.

Würde dem ein Vertriebsdeal mit einem größeren Label Abhilfe schaffen?

Das würde die Identität des Labels verwässern. Wir haben bereits mit einigen Firmen darüber gesprochen, da viele Labels den Vertrieb für Moonfog machen wollen. Das bedeutet aber, dass diese Labels die ganze Kontrolle haben wollen. Moonfog wäre nicht mehr Moonfog.

Wann kamen Dir die ersten Ideen zum neuen Album? Wann hast Du begonnen, darüber nachzudenken, wie das Album werden soll?

Ich bin jemand, der über ein neues Album nachdenkt, sobald er eines abgeschlossen hat. Ich denke jetzt schon wieder an das nächste, haha! Auch wenn „Now, Diabolical“ noch nicht einmal draußen ist… Die Sache ist die, dass ich hier und da immer wieder etwas schreibe oder auf meinen HD-Recorder aufnehme, sobald mir eine Idee in den Sinn kommt. Um es auf den Punkt zu bringen, würde ich allerdings sagen, dass das letzte Jahr bis anderthalb vor den Aufnahmen von der Intensität des Songwritings her das konzentrierteste war.

Bist Du an dieses Album anders herangegangen als an „Volcano“?

Sehr sogar! Die Herangehensweise war eine ganz andere. Auf „Volcano“ habe ich versucht, die Anzahl der Songelemente zu reduzieren, um direktere und zielgenauere Strukturen zu bekommen. Diesbezüglich unterscheiden sich die beiden Alben nicht, dafür aber in der Technik und im Ansatzpunkt. Mein Hauptanliegen war es, Themen zu entwickeln, die einen kompletten Song auf ihren Schultern zu tragen vermögen, anstatt sechs, sieben, acht oder neun Riffs zu verwenden. Es gibt jeweils ein oder zwei Riffs, die das Hauptthema des Songs bilden. Alles andere wurde so entwickelt, dass es zum Hauptthema passt. Dadurch erhalten die Songs einen solideren Rahmen und werden tighter und durchschlagender. Anstatt dauernd mit dem Tempo herumzuspielen, setzen wir diesmal mehr auf Rhythmuswechsel. Wir betonen mehr die Interaktion zwischen Lead- und Rhythmusgitarre, als dass wir einen Haufen Harmonien einbringen. Es war eine anspruchsvolle Art zu schreiben. Manchmal sitzt Du da, hast Dein Hauptthema gefunden, hast aber auch diesen anderen Part, den Du so gern einbauen würdest, weil er einfach cool ist, der aber einfach nicht passen will. Dann musst Du einsehen, dass es den Song und den soliden Rahmen zerstören würde. Du musst den Part verwerfen und etwas entwickeln, das tatsächlich mit dem Song funktioniert. Das erfordert eine Menge Geduld. Durch diese Selbstbeherrschung und Disziplin erhält die Platte im Endeffekt aber eine massive Plattform, auf der sie bestehen kann.

Ist weniger also mehr?

Weniger ist mehr… das ist clever! Man darf aber nicht glauben, dass „weniger“ gleichzeitig „weniger gut“ ist. Du musst sicherstellen, dass die wenigen Themen, die Du verwendest, unglaublich stark sind. Wenn Du hart an den Themen arbeitest, um die Du den Song aufbauen willst, kannst Du ihn extrem mächtig machen.

Also ist „Now, Diabolical“ durch die Reduzierung der Strukturen eine Vertiefung und Konkretisierung von „Volcano“? Wie sieht es inhaltlich aus?

Exakt! Was die inhaltliche Seite angeht, ist das Album sehr vom Okkulten inspiriert. Zum einen natürlich musikalisch, kompositorisch aber auch inhaltlich und vom Artwork her. Ich wollte diesem Album ein pechschwarzes Herz geben. Ich wollte es in einem modernen Format präsentieren. Gleichzeitig war es mir ein Anliegen, das Album um dunkle Themen herum anzulegen. Okkulte Literatur, besonders die Kunst der Symbolik, die im alten Okkultismus stark verankert ist, war eine wichtige Inspirationsquelle für das Album.

Gibt es eine bestimmte Art des Okkultismus, die Du besonders betonst?

Eben die Kunst der Symbolik finde ich sehr interessant. Sie findet besonders in Geheimbünden und Logen Anwendung. Ich führe gern das Beispiel der Freimaurer an. Ich weiß zwar nicht, was die heutzutage treiben, aber früher hatten sie einen bestimmten Initiationsritus. Ein neuer Bruder, der in die Loge eingeführt wurde, musste sich komplett nackt ausziehen und sich hinknien. Er bekam eine Augenbinde über den Augen und ein Strick um seinen Hals gelegt. Diese sehr dramatische Szene symbolisierte, dass diese Person Abschied von ihrer bisherigen Denkweise und ihrem bisherigen Leben nimmt und nun bereit ist, eine neue spirituelle Lebensphase anzutreten. Seine Nacktheit symbolisiert dabei die Geburt, der Strick um seinen Hals dagegen den Tod seiner bisherigen Denkweise. Die Augenbinde steht für seine Hingabe und sein Vertrauen zu dem, was er fortan lernen wird. Das ist ein gutes Beispiel für Symbolismus. Okkulte Lehren sind voll davon. In Ritualen werden sehr starke symbolhafte Effekte verwendet. Ich habe mich schon immer dafür interessiert und denke, dass einige dieser Ideen auch auf Musik bezogen werden können. Für „Now, Diabolical“ hat mich dieses Thema sehr beeinflusst.

Wie passt nun der Titel „Now, Diabolical“ dazu? Er suggeriert ja eine Konzentration auf den Satanismus. Was Du aber eben ausgeführt hast, ist viel weiter gefasst.

Ja, viel weiter! Deshalb verwende ich auch das Wort „diabolical“ und nicht „satanic“. „Diabolical“ hat natürlich eine klare Bedeutung, aber dennoch verbergen sich viele Dinge hinter diesem Ausdruck. Ein Albumtitel hat nicht einfach cool zu klingen, sondern den Gedanken hinter der Musik, den Texten, dem Artwork und der gesamten Idee, die einer Platte zugrunde liegt, zu vermitteln. Und dieser Titel tut das.

Für mich hat Black Metal schon immer etwas mit Okkultismus im Allgemeinen oder Satanismus im Speziellen zu tun gehabt. Das sind Themen, die auch Außenstehende zu faszinieren vermögen. Wie passt jedoch der faschistische Gedanke da hinein, der immer wieder mit Black Metal in Verbindung gebracht wird?

Für mich ist Faschismus eine politische Einstellung und Black Metal sollte keine politischen Themen behandeln. Das halte ich für falsch. Meiner Meinung nach sollte weder faschistische noch sozialistische Ideologie etwas damit zu tun haben. Black Metal sollte sich um Spiritualität drehen und nicht um Politik.

Mir ist die Szene von Eurer „Roadkill Extravaganza“ DVD in Erinnerung geblieben, als Ihr in Nürnberg im Stadion auf diesem Nazi-Tempel steht und von Hitlers Ausstrahlung und der Vergangenheit des Orts fasziniert seid.

Ich erinnere mich jetzt nicht an die genauen Details dieser Szene. Ich denke, als wir dort waren, war es eine Kombination zweier Dinge. Zum einen haben wir Witze darüber gemacht, denn die meisten Menschen außerhalb Deutschlands denken, dass Ihr Deutschen das alles zu ernst nehmt. Ganz offensichtlich sind die meisten Menschen auf der Welt gegen das, was während des Zweiten Weltkriegs geschehen ist. Wenn Du überlegst, komme ich ja aus einem Land, das während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen bombardiert wurde. Meine Großeltern haben immens darunter gelitten. Bis zum heutigen Tage mag meine Großmutter keine Deutschen, weil sie den Krieg miterleben musste. Dennoch ist das alles Vergangenheit und die heutige deutsche Bevölkerung repräsentiert nicht mehr die Ideologie von damals. Ihr schämt Euch derart für Eure Vergangenheit, dass Ihr jeden angreift, der darüber lacht oder Witze darüber macht. Das finde ich einfach zu extrem und ziemlich dämlich. Und nicht nur ich denke so, sondern die meisten, glaube ich.

Du kennst doch Monty Python! Die machen doch die ganze Zeit Witze darüber, und das obwohl England einer der ärgsten Feinde des Dritten Reichs war. Zum anderen ist es natürlich faszinierend, an dem Platz zu stehen, an dem einer der mächtigsten Männer der moderneren Geschichte und gleichzeitig einer der brutalsten Männer, die je über diesen Planeten gewandelt sind, stand und seine Reden hielt. Auch wenn das doppelt so lange zurück liegt, wie ich auf der Welt bin, ist es dennoch nicht allzu lange her! Dieser Ort hat eine sehr komische Atmosphäre, die nur schwer in Worte zu fassen ist. Eine ähnliche Situation habe ich neulich erlebt, als ich in Rom war und das Colloseum und das Forum Romanum besichtigt habe. Das Forum Romanum hat eine Art Plateau, wo einst der römische Senat war. Dort stand Julius Cäsar und sprach zu den Leuten! Ich hatte Glück und konnte sogar in die Gruft zu gehen, wo die Asche Cäsars aufbewahrt wird. Das ist ein ganz schön seltsames Gefühl, muss ich sagen.

Im Kontext des Black Metal ist faschistisches Gedankengut teilweise recht verbreitet, auch was norwegische Bands angeht.

Ich weiß nicht, ob ich in diesem Punkt mit Dir übereinstimme. Ich glaube nämlich nicht, dass es norwegische Bands mit faschistischem Gedankengut gibt. Moderner Faschismus, wie wir ihn kennen, ist etwas, das wir mit Leuten wie Mussolini in Verbindung bringen. Die faschistischen Ideen eines Mussolini, den Hitler übrigens nicht einmal sonderlich respektiert hat, tragen Züge des elitären Denkens eines Friedrich Nietzsche! Auch wenn man sich okkulte Vereinigungen – zum Beispiel die OTO – anschaut, so haben diese häufig sehr elitäre Sichtweisen. Die Idee der Kraft und der göttlichen Macht im menschlichen Wesen ist ein Gedanke, von dem viele Black Metaller fasziniert sind und mit dem sie sich identifizieren können. Ich denke, dass dies eher von der philosophischen Seite Nietzsches beeinflusst ist als vom politischen Hintergrund. Das wird von den Fans und der Presse allerdings häufig verwechselt.

Ich denke aber, dass viele Bands bewusst damit spielen, um zu provozieren, da Black Metal viel von seinem Schockmoment eingebüßt hat.

Wenn Du Dir SATYRICON anschaust, sind viele der Veränderungen in unserem künstlerischen Ausdruck geschehen, um die Bewegung des Black Metal zu erneuern und zu überdenken. Die Leute haben sich derart daran gewöhnt, dass Black Metal einfach keine Gefahr mehr ausstrahlt und kein Profil mehr hat. „Rebel Extravaganza“ war für SATYRICON fast schon ein musikpolitisches Album. Zu der Zeit verwandelte sich Black Metal beinahe schon in Gothic. Es gab so viele sinfonische Keyboards, so viele Vampire, verwelkte Rosen und romantische Ausdrücke. Wir wollten nicht „necro“ sein oder etwas in der Art. Wir waren noch nie eine Retro-Band; wir wollten uns vorwärts bewegen und wir waren der Auffassung, dass Black Metal immer Ecken und Kanten haben muss.

Folglich verwendeten wir radikale Mittel, um zu demonstrieren, was wir meinen. Ich habe mir die Haare abrasiert, wir haben anstatt schwarz-weißem Corpsepaint Make-Up verwendet, das uns aussehen ließ wie eine Mischung aus alten Männern und Zombies. Anstelle von Kunstblut haben wir echtes Blut von toten Tieren verwendet. Anstatt grandiose Keyboards zu verwenden, haben wir mit Vorschlaghammern auf Metallplatten eingeschlagen und den Sound aufgenommen, um ihn in die Musik einfließen zu lassen. Viele Leute haben uns vorgeworfen, wir würden Ausverkauf betreiben. Dabei war es wahrscheinlich das Unkommerziellste, das wir je gemacht haben, denn niemand hat das von uns erwartet und niemand wollte das! Die Leute hatten sich daran gewöhnt, dass alles so normal und so nett ist. Diese Platte hat sie wieder geschockt! Das Album war harscher, schneller, kälter und brutaler als alles, was wir je zuvor aufgenommen hatten. Viele Leute hassten das Album, weil sie nicht damit umgehen konnten. Bei den Interviews zu „Volcano“ kamen einige auf mich zu und meinten ‚ich muss zugeben, dass ich das Album nicht mochte als es herauskam und es auch nicht mögen wollte. Aber ich sehe jetzt ein, dass es ein sehr wichtiges Album ist, das sehr viele andere Bands in diese Richtung inspiriert hat!‘.

Mir ging es nicht anders. Es war wie eine Neuerfindung. Würdest Du sagen, dass das die Richtung ist, in die sich Black Metal entwickeln wird?

Es war bereits die Richtung, in die er sich entwickelt hat. MAYHEM sind eine großartige Band, aber viele der Dinge, die sie auf „Grand Declaration Of War“ ausprobiert haben, hätten sie sich nicht getraut, wenn wir nicht ein Album wie „Rebel Extravaganza“ gemacht hätten. Irgendjemand muss immer den ersten Stein werfen. SATYRICON waren noch nie eine Band, die sich gefragt hat, ob sie vielleicht diesen ersten Stein werfen sollte. Wir haben uns auf diesen Stein gestürzt, haben ihn aufgenommen und mit aller Kraft geworfen. Auf „Volcano“ haben wir dann versucht, einen neuen, dunkleren Weg zu finden, unsere Musik zu machen. Auf den ersten drei Alben hatten wir alle mittelalterlichen und folkloristischen Elemente ausgereizt. Mit „Rebel Extravaganza“ haben wir den Weg für den Black Metal und auch für die Band an sich verändert. „Volcano“ war ein Ausdruck des Triumphs dieser Richtung. „Now, Diabolical“ ist nun tief in die Abgründe eingetaucht und konzentriert sich auf das Wesentliche. Es ist sehr simpel, der Sound ist sehr roh und reduziert, man hört alles, was geschieht. Es ist sehr direkt und greifbar und fühlt sich beinahe so an, als ob man mit der Band in einem Raum steht.

Wie hast Du Frost dazu bekommen, derart langsame und simple Figuren zu spielen? Bereits auf dem letzten Album musstest Du ihn ja einbremsen, was sein Spiel angeht. „Now, Diabolical“ ist dagegen noch einmal um einiges minimalistischer.

Ich habe mich total daran aufgehängt, Drums zu programmieren, die ihm zeigen sollten, wie er spielen soll, und die er noch etwas mit ein paar Details würzen konnte. Ich habe die Drums quasi selbst entworfen und ihm nur gesagt, was er zu tun hat. Er war praktisch nur für die Glasur auf dem Kuchen zuständig. Für Frost ist das hier zu spielen viel schwieriger als alles andere, das er spielt. Er hat noch auf keiner anderen Scheibe so brillant gespielt wie auf diesem Album. Was viele nicht verstehen, ist, dass gutes Drumming nicht daran festzumachen ist, wie schnell oder komplex Du spielst. Es hat zu tun mit Timing, Groove, Kreativität, Beständigkeit, Ausdruck und schierer Gewalt. Auch wenn viele Parts von mir stammen, wurden sie dennoch von ihm interpretiert und in den Kontext eingebracht. Er hat ihnen so viel Leben eingehaucht, indem er sie so extrem kraftvoll gespielt hat. Es ist sehr schwierig, mit so vielen Einschränkungen etwas Interessantes zu machen. Ich habe ihm die Einschränkungen auferlegt, weil ich den simplen Rahmen sicherstellen wollte, damit die Songs dadurch mächtiger und kraftvoller werden. Ich fordere jeden auf: hört Euch die Drums auf diesem Album an! Hört Euch die Drums auf „A New Enemy“ oder „Delirium“ oder „To The Mountains“ an! Es ist verdammt noch mal unglaublich! Je öfter Du die Songs spielst, desto mehr Details wirst Du entdecken. Es ist einfach fantastisch, was Frost da macht.

Hast Du derzeit eigentlich noch andere Projekte neben SATYRICON? Es gab da ja mal STORM und WONGRAVEN… hast Du Pläne, diese Projekte wiederzubeleben?

Nein.

Hast Du das neue DARKTHRONE Album schon gehört?

Nein, nur die Single.

Was hältst Du davon?

Ich mochte sie! Ich habe das Album noch nicht gehört. Als sie noch auf Moonfog waren, habe ich stets versucht, sie zu einer primitiveren Richtung zu ermutigen. Sie haben auf Moonfog immer gute Alben herausgebracht, aber das einzige, das wirklich atemberaubend ist, ist „Panzerfaust“. „Panzerfaust“ war so roh und so rein! Alle späteren Alben waren gut, aber hatten eben auch Schwachpunkte. Es gab zu viele Tempowechsel, zu viele unterschiedliche Parts in den Songs. Oder es waren weniger Parts, die allerdings nichts Interessantes zum Song beitrugen. Alle Alben waren gut, aber die bedrohliche Rohheit hat mir immer gefehlt. Ich weiß nicht, ob sie die auf dem neuen Album haben, die Single hatte zumindest mehr davon. Das gibt mir Hoffnung für das Album.

Wird diese Reduktion der Songstrukturen auch die künftige musikalische Entwicklung von SATYRICON sein? Habt Ihr damit Euren Sound gefunden?

Ich verstehe, was Du meinst, und diesbezüglich: ja. Aber was den Sound anbelangt, wird jedes Album anders sein. Ich bin mir sicher, dass auf dem kommenden Album andere Dinge passieren werden, die somit auch einen anderen Sound bedingen werden. Bezogen auf die Technik des Songwriting und des Gesamtkonzepts sind wir jedoch größtenteils da angelangt, wo wir hinwollten.

Denkst Du, dass diese minimalistische Musik beispielsweise auf Festivals funktionieren wird?

Ich denke, die Songs werden live unglaublich perfekt funktionieren. Ich glaube, dass das Material in einer Live-Situation extrem mächtig sein wird. Ich kann es kaum erwarten! Auf Festivals wird man sehen müssen, welchen Sound man kriegt.

Werdet Ihr dieses Jahr wieder Wacken spielen?

Wacken werden wir nicht spielen. Soweit ich weiß haben wir Angebote vom With Full Force und Earthshaker Festival. Wir werden sehen, ob wir die realisieren können [mittlerweile wurde der Auftritt auf dem Earthshaker bestätigt – Anm. d. Red.]. Wir werden im Herbst viele, viele Shows in Deutschland spielen. Das steht fest!

Vor ein paar Jahren wart Ihr ja mit PANTERA auf Tour. Wie lief das eigentlich? Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leute, die wegen PANTERA kommen, mit SATYRICON nichts anzufangen wissen.

Nur in Deutschland. Das ist die bittere Wahrheit, es ist nur in Deutschland so. Es lief überall wirklich gut. Abgesehen von Deutschland. Die Leute in Deutschland – und speziell hier in Köln – hassten uns. Natürlich gab es ein paar Shows, wo die Leute hauptsächlich PANTERA sehen wollten, aber meistens akzeptierten oder mochten sie uns. In Städten wie Stockholm, Mailand, Barcelona, Kopenhagen, London oder Bologna liebten sie uns! Die Schweiz habe ich auch gut in Erinnerung und Paris natürlich! Wenn Du Dich als Band entwickeln willst, musst Du etwas wagen. Du musst viel lernen, vorankommen und tapfer sein. Der einzige Weg, Black Metal zu verbreiten, ist, Leute mit ihm in Berührung zu bringen, die dafür empfänglich sein könnten, weil sie Metal mögen,.

Steht schon jemand in Aussicht, der im Herbst Support für Euch spielen könnte?

Ääh, SLAYER? Haha! Ich hab keine Ahnung. Wahrscheinlich werden wir irgendwann eine Doppel-Headliner-Tour mit CELTIC FROST machen.

Galerie mit 20 Bildern: Satyricon - Tons Of Rock 2019
11.04.2006

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