
Servant
"Wir möchten uns der Sache hingeben."
Interview
Gibt es einen Song, den ihr geschrieben habt und bei dem ihr euch hinterher gedacht habt: „Ah, das hat mich beschäftigt, jetzt habe ich es verstanden“?
Farago: Ich glaube, dass jeder das für sich selbst und durchaus unterschiedlich interpretiert. Auch wir untereinander interpretieren die Songs etwas unterschiedlich. Es gibt vielleicht den einen oder anderen Song, bei dem ich im Nachgang denke, dass ich ihn jetzt anders höre oder interpretiere als in dem Moment, als er aufgenommen wurde. Das finde ich aber klasse. Auch im Nachgang entwickelt sich das weiter, und vor allem auch live.
Gibt es eine Fan-Interpretation zu irgendeinem Song, die euch überrascht hat?
Farago: Man ist selbst auch Fan von Dingen und interpretiert sie oftmals wahrscheinlich anders, als der Künstler es gedacht hat. Das ist ja das Tolle daran. Auch Interpretationsfreiheit ist ein Teil dieser Freiheit.
Jeder kann das für sich interpretieren. Deswegen würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass es ein Richtig und Falsch gibt. Man kann aber natürlich schon sagen, dass man es als Komponist selbst nicht so gesehen hat.
Wir wurden sicherlich schon das eine oder andere Mal darauf angesprochen – überhaupt nichts Negatives –, aber eben von Leuten, die vielleicht Dinge für sich interpretieren, bei denen wir meinen, dass sie mit dem Kern der Inhalte überhaupt nichts zu tun haben. Aber das liegt ja an einem selbst. Darüber urteilen wir gar nicht.
Ist schon mal ein Song ganz anders geworden, als er angefangen hat?
Samael: Nein.
Farago: Das ist immer eine Entwicklung. Wenn der Song beginnt, ist er logischerweise noch nicht fertig.
Eigentlich führt dich der aktuelle Part immer schon zum nächsten, und du versuchst, daraus irgendein Bild zu schaffen. Wenn der Song fertig ist, hast du das Bild dann sozusagen erschaffen.
Also diktiert keine übernatürliche Entität durch eure Hand diesen Song und läuft völlig mit euch davon?
Samael: Dann wäre das alles so schön einfach.
Farago: Das wäre cool, ist aber nicht der Fall. Man sitzt auch ganz unromantisch mit Instrumenten vor einem Computer.
Gibt es ein Album, das ihr gerne noch mal mit den Fähigkeiten, die ihr jetzt habt, schreiben würdet? Habt ihr das Gefühl, ihr seid besser geworden?
Farago: Nein. Ich glaube nicht, dass wir ein Album anders gestalten würden, weil es ja, wie schon gesagt, eine stetige Entwicklung ist.
Wahrscheinlich würde man es einfach anders aufnehmen. Es wäre dann nicht dieselbe Platte. Wenn man die Songs noch mal schreibt, würde man sie anders interpretieren.
Habt ihr von euren eigenen Songs mittlerweile die Schnauze voll?
Samael: Es gibt immer Songs, die man lieber spielt, aber die Schnauze voll haben wir auf gar keinen Fall.
Farago: Es ist schwierig, wenn man ein halbes Jahr mit Songwriting und Produktion beschäftigt ist, genügend Abstand zu haben, um das auf irgendeine Art und Weise bewerten zu können beziehungsweise es überhaupt zu hören. Ich glaube, wenn da ein bisschen mehr Abstand dazwischen ist, ist es wahrscheinlich anders. Aber aus dem Stegreif würde ich einfach mal Nein sagen.
Funktionieren eure Songs live so, wie ihr euch das erhofft habt? Ist das Publikum rezeptiv genug, sich die Zeit für den Spannungsaufbau zu nehmen? Oder denkt ihr manchmal, es hätte jetzt mehr Dynamik gebraucht?
Farago: Im Song selbst würde ich das gar nicht so sehen, aber wenn man ein Live-Set zusammenstellt, ergibt es schon Sinn, auf gewisse Dynamiken zu achten.
Es ist nicht nur ein Stück, sondern logischerweise ein ganzes Konzert. Wir haben aktuell ein 50-Minuten-Set und sortieren die Songs so, dass es von vorne bis hinten für uns eine schlüssige Reise ist – und im besten Fall auch fürs Publikum.
Wie verändert sich die Beziehung zwischen euch und den Songs, wenn ihr sie live spielt?
Farago: Die Live-Entwicklung, also wie sich ein Song live entwickelt und wie er an dem Abend wirkt, ist immer wieder individuell. Im Studio zählt der Moment: Dann ist die Idee ganz frisch und ganz neu.
Man versucht, die Emotionen so gut es geht direkt festzuhalten. Wenn man einen Tag verstreichen lässt und der Kopf anspringt, sobald man darüber nachdenkt, ist es nicht mehr so impulsiv und intuitiv gesteuert. Du bist in dem Moment schon wieder einen Schritt zurück.
Live ist die Situation anders. Der Sound ist anders, die Leute fühlen sich anders, die Band fühlt sich anders. Es ist eine Interaktion zwischen dem Publikum und der Bühne. Dementsprechend beeinflusst das auch extrem die Performance.
Das kann ich zumindest für mich behaupten. Wenn man mit dem Publikum kommuniziert und agiert, kriegt man etwas zurück. Das macht den Moment so besonders.
Deswegen ist es schwierig zu vergleichen. Aber aus künstlerischer Sicht ist das Kreieren im Studio sicherlich ein sehr intensiver Moment. Auf eine andere Art und Weise ist es das live auch, aber das ist eine andere Baustelle.
Verändern sich die Songs noch mal, wenn ihr sie live spielt? Macht ihr dabei ein paar Dinge ein bisschen anders?
Farago: Ganz geringfügig. Natürlich ist es beim Livespielen eine andere Symbiose, weil der Moment ein anderer ist als dann, wenn du gerade frisch einen Part komponiert hast und ihn gleich aufnimmst, weil du versuchst, den Moment festzuhalten.
Aber genau das Gleiche gilt auch live. Daher ist es sowieso eher individuell zu sehen. Jeder Abend und jede Performance sind anders.
Allerdings ist es schon so, dass wir die Songs so spielen, wie wir sie komponiert haben.
Samael: Aber nichtsdestotrotz interpretiert man ja auch seine eigenen Dinge in der Sekunde. Das macht es dann jeden Abend immer wieder anders.
Galerie mit 12 Bildern: Servant - Walpurgisnacht Festival 2026

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| Band | |
|---|---|
| Stile | Black Metal |
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