Setherial
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Interview

Das schwedische Black-Metal-Urgestein veröffentlicht die Tage sein aktuelles Werk "Ekpyrosis". Gitarrist Kraath nahm sich die Zeit die genauen Umstände zu erläutern und mit mir zu erörtern welche Rolle Schlagwörter wie "Entwicklung", "Weltuntergang" oder "Black Metal" im Bandleben einnehmen

SetherialGrüße nach Schweden. Euer neues Album „Ekpyrosis“ wird ja die Tage veröffentlicht. Wie fühlt ihr euch so kurz vor diesem Ereignis? Seid ihr einfach nur erschöpft nach der Zeit oder ist auch etwas Nervosität im Spiel?

Ich freue mich sehr auf die Veröffentlichung von „Ekpyrosis“. Es war eine echt lange Zeit in Arbeit und es ist richtig belohnend, die fertige Scheibe endlich in den Händen zu halten. Stolz und Vorfreude beschreiben unsere Gefühlswelt wohl am Besten im Moment, wir sind sehr zufrieden mit diesem Album und es ist sehr befriedigend zu wissen, dass wir hier etwas veröffentlichen konnten was uns in jeglicher Hinsicht begeistert.

Es hat vier ganze Jahre gedauert die Platte fertigzustellen. Habt ihr die lange Zeit ausschließlich für intensives Songwriting genutzt oder wurden euch anderweitig Steine in den Weg gelegt?

Wir haben in dieser Zeit eigentlich stetig an neuem Material gearbeitet und haben mittlerweile sogar genug Songs für ein weiteres Album geschrieben. Ferner haben wir in der Zeit ja auch Festivals und Touren gespielt, sodass die Zeit für uns eigentlich recht schnell verstrich. Wir haben uns stets Zeit genommen, bis wir uns der Position sahen Neues in unsere Kunst einfließen lassen zu können anstatt jedes Jahr ein Album aufzunehmen. Die Gefahr den Vorgänger zu kopieren ist einfach zu präsent wenn du direkt nach Abschluss einer Sache wieder ins Studio rennst. Dadurch, dass wir uns eben diese Zeit im Songwritingpozess genommen haben waren wir in der Lage Songs abzuändern und gewissenhafter zusammenzustellen bevor wir aufnahmen. Und die Tracks entwickeln sich immer weiter bis zu dem Punkt, an dem das Album gemixt und pressbereit ist. Wir haben wirklich viel Liebe zum Detail und der Dynamik walten lassen.

Ihr habt augenscheinlich weiterhin einige Lineupwechsel zu verschmerzen gehabt. Was war denn genau los?

Naja, Chronozon hat SETHERIAL 2007 verlassen, da er sich auf andere Bereiche seines Lebens konzentrieren wollte. Wir kamen überein, dass die Band Mitglieder brauch die gewillt sind viel Zeit und Anstrengung zu opfern was er eben nicht mehr in diesem Maße gewährleisten konnte. Wir sind allerdings immer noch gut befreundet und es gab keinerlei persönlichen Aspekte hinter der Geschichte. Er wurde von Thurz ersetzt, der mit Infaustus und mir bereits in anderen Konstellationen zusammengespielt hat und der den Willen für SETHERIAL mitbrachte. 2009 haben wir uns dann von Funestus Inferis getrennt, welcher auf „Dead Triumphant“ den Bass bedient hatte und auch die Tour mitgespielt hatte. Diese Entscheidung basierte auf Faktoren wie mangelnder Hingabe und fehlenden gemeinsamen Zielen- wir hatten einfach unterschiedliche Vorstellungen davon wohin die Band streben sollte und an welchem Punkt sie als Priorität zu sehen ist. Um das Problem zu lösen habe ich selbst den Bass auf „Ekpyrosis“ eingespielt und wurde von Mysteriis, der wiederum seinen Sitzschemel mit einem Schlagzeuger namens Atum getauscht hat, am Bass abgelöst. Auf dieser Tour hatten wir ferner noch ein Sessionmitglied welches Thurz, der aufgrund externer Gründe zu Hause bleiben musste, kurzzeitig ersetzte.

Würdest du „Ekpyrosis“ als das Beste SETHERIAL-Album in Hinblick auf die komplette Diskographie bezeichnen? An welchem Teil eures Weges als Band siehst du euch?

Das liegt wohl am ehesten in der Entscheidung des Hörers denke ich, aber wir sind sehr zufrieden mit „Ekpyrosis“ und es ist wahrscheinlich das dynamischste und abwechslungsreichste Album, das wir je gemacht haben. Es ist echt schwer die einzelnen Veröffentlichungen miteinander zu vergleichen, da jede Einzelne einen speziellen Platz aufgrund verschiedenster Gründe für mich einnimmt. Jedes Album symbolisiert eine bestimmte Zeitspanne innerhalb der Bandgeschichte und somit auch meines Lebens. Die Musik auf „Ekpyrosis“ durchstreift aber die älteren Alben und die Dynamik ihrer Songs denke ich. Es liegt also wirklich am Hörer selbst das für sich zu entscheiden- wir haben das Ziel erreicht uns selbst kreativ zu befriedigen und das ist ja auch das Wichtigste.

Ihr habt im Vorfeld zur Veröffentlichung verlauten lassen, dass ihr versucht habt einen analogeren und „reineren“ Sound für das Album zu finden- unter anderem durch Verzicht auf das Triggern. Stimmt es, dass ihr das ganze Teil selbst produziert habt um dieses Ziel zu erreichen? Habt ihr eure Mission erfüllen können?

Wir denken schon, dass wir es schaffen konnten einen Sound einzufangen der zu den Songs passt und der uns vom etwas steril ausgefallenen Klanggewand des letzen Albums wegbringt.“Ekpyrosis“ klingt wesentlich organischer als „Dead Triumphant“ und ich muss wirklich sagen, dass uns das Unterfangen geglückt ist. Dass wir die Scheibe selbst produziert haben hatte allerdings einen anderen Hintergrund: Wir wollten während den Aufnahmesessions uneingeschränkte kreative Freiheit genießen und uns keinen Zeit- oder Budgetumständen beugen müssen. Das war ein sehr wesentlicher Bestandteil des finalen Ergebnisses und gab uns die Möglichkeit mal was Anderes auszuprobieren und das Material sich komplett entfalten zu lassen. Sowohl in Hinblick auf genannte Dynamik, dem Zusammenwirken der Instrumente an sich, den Vocals als auch den Texten.

Wenn ich mir die Songs anhöre drängt sich der Schritt vorwärts zu dissonanteren Strukturen und schwerer Zugänglichen Songstrukturen nahezu auf.Ihr scheint ferner wesentlich mehr Wert auf Heavyness zu legen anstatt die Zeit über durchzublasten. Teilst du die Ansicht? Wir würdest du SETHERIAL 2010 denn musikalisch beschreiben?

Wir haben unseren Sound auf „Ekpyrosis“ weiterentwickelt und die verschiedenen Seiten unserer Kunst dadurch besser hervorgehoben, dass wir die Kontraste zwischen ihnen stärker haben ausfallen lassen. Dissonanzen und diese Dinge gab es ja auch auf den früheren Alben, nur haben wir das eben dieses Mal etwas weiter gestrickt. Wir sind eigentlich immer bestrebt künstlerisch zu wachsen und uns zu entwickeln einfach um neue Blickwinkel auf den bestehenden SETHERIAL-Sound erhalten zu können und neue Elemente mit einzubeziehen. Ich würde SETHERIAL 2010 einerseits als fortgeschrittener bezeichnen, andererseits aber davon absehen von einer veränderten Band zu sprechen. „Ekpyrosis“ wird zwar sehr nach einem typischen SETHERIAL-Album klingen, aber es hat einfach mehr Kniffs und Wirrungen als die letzten Scheiben. Jede Band die interessant und damit relevant bleibt geht durch eine Konstante der Entwicklung und das ist eben auch mit uns der Fall. Wir schauen nach vorne, haben unseren Ursprung im Ohr und entwickeln unseren Sound weiter anstatt ihn zu ändern.

Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass Fans von „Nord“ oder „Hell Eternal“ eure Entwicklung nicht mitgehen werden. Ist dieser Umstand ein notwendiger, wenn man versucht als Band weiterzukommen?

Ich weiß nicht ob Fans der alten Platten ein Problem mit „Ekpyrosis“ haben werden oder nicht. Ich denke aber, dass es sie ebenso begeistern wird wie uns, auch wenn ich das natürlich nicht mit Sicherheit sagen kann. Du musst dich darauf konzentrieren, dich selbst und deine künstlerische Integrität zufriedenzustellen und solltest nicht daran denken wie das Publikum dich gerne sehen würde. Wenn wir auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit als Band beibehalten wollen müssen wir unseren Ambitionen und kreativen Visionen folgen. Es muss sich an erster Stelle für uns selbst ehrlich und vital anfühlen! Wenn wir anfingen uns darüber Gedanken zu machen was die Leute von einem SETHERIAL-Album erwarten, würde das Ganze in einem Desaster enden. Verschiedene Leute erwarten die unterschiedlichsten Dinge, also musst du in dich selbst gehen und dich fragen wohin du selbst gehen willst und nicht wohin andere dich gerne wandern sehen würden. Das gilt sowohl fürs Musikmachen wie auch auf alle anderen Aspekte des Lebens!

Gerade wenn ich so an andere schwedischen Black-Metal-Ikonen wie DARK FUNERAL denke, welche an einer strikten Songwritingformel über Jahre festhalten zu scheinen, wird klar dass ihr eher in der Lage dazu seid das Augenmerk auf neue Blickwinkel zu legen. Denkst du, dass es schwer ist aus den strikt definierten Genregrenzen auszubrechen, wenn man diese Musik spielt?

Nicht zwingend, es gibt immer Raum für Entwicklung und Experimente in jeder künstlerischen Ausdrucksform. Natürlich führt nicht jede Entwicklung automatisch zu etwas Besserem, aber ich denke, dass du nicht in einer Band spielen solltest wenn du denkst, dass du ohnehin nichts Frisches zum Genre beisteuern kannst. Es geht ja nicht darum etwas total Eigensinniges außerhalb der „Box“ zu kreieren, sondern eher darum deine eigene Stimme innerhalb deines Genres zu finden und einen Ausdruck deiner Selbst klar definieren zu können. Manche Bands behalten ihren Sound eben zu 100 Prozent intakt während andere ihre Palette immer weiter vollpacken. SEHTERIAL war jedenfalls immer eine der Band, welche ihren Sound weiter- und antreibt.

Eine „Ekpyrosis“ beschreibt die altertümliche Vorstellung des Weltuntergangs in den Flammen. Welche Parallelen kannst du zu unserer modernen Welt ziehen?

Von den rein wissenschaftlichen Gemeinsamkeiten zwischen der geschichtlichen Theorie und den modernen Forschungen in Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Galaxien und unseren Körperzellen abgesehen meinst du? Der Untergang der Welt in Flammen ist ein fundierter Blick in unsere nahe Zukunft, wenn man die zerstörerische Kraft der Menschheit betrachtet. Wenn du die anderen Zerstörungskräfte innerhalb unserer bewussten und unbewussten Umgebung hinzuziehst kannst du im Zuge dessen kaum am Gedanken vorbeigehen, dass die Welt wir wir sie kennen fallen muss. Die „Ekpyrosis“ ist dabei eine der fesselndsten Vorstellungen des Untergangs und wir fanden, dass dieses Gebiet nicht ausreichend aus der satanischen Perspektive erforscht wurde. Wir erachteten dieses Konzept als perfekt für das Album und entschlossen uns diesen unanstreitbaren Konflikt des Universums als Zentralthema zu wählen. Die zerstörerischen Kräfte des Alls als Symbol und Repräsentation für das verschlingende Auge Satans.

Ihr seid erst kürzlich von eurer Tour mit IMPIETY zurückgekehrt. Wie war´s?

Es war eine lohnende Erfahrung und gleichzeitig eine gute Gelegenheit unsere Kollaboration mit Gitarrist Atum zu testen, welcher die Erwartungen voll und ganz erfüllte. Das Publikum war enthusiastisch und Alles in Allem war es eine durch und durch gute Tour. Es gab zwar hier und da kleine Problemchen bezüglich der Logistik und diesen Dingen, aber im Gesamten war das wirklich eine tolle Sache und beide Bands konnten immer wieder Rituale bestreiten die es Wert sind sich daran zu erinnern

Ich persönlich liebe ja die „From The Ancient Ruins“-Compilation, auf der ihr B-Seiten und das Demo veröffentlicht habt. Können wir etwas in der Art in Zukunft wieder von euch erwarten? Was denkst du denn generell über Splitveröffentlichungen und dergleichen?

Alles ist möglich. Momentan gibt es derartige Pläne zwar nicht aber so wie die Zeit vergeht und unveröffentlichtes Material sich sammelt ist wirklich alles denkbar. Das ist ja eine prima Art seltene und unveröffentlichte Songs unter das Volk zu bringen, welche im Gegensatz zu diesen Onlinegeschichten über dritte Personen in ordentlichem Soundgewand präsentiert werden können. Splitveröffentlichungen sind auch Etwas, das in Zukunft durchaus geschehen könnte. Wir haben schon einmal darüber gesprochen, also sehen wir einfach mal, ob etwas daraus wird.

Was bedeutet Black Metal für dich und wie hat sich deine Sichtweise in den Jahren über die Kunstform verändert?

Black Metal ist die künstlerische Ausdrucksform die ich für mich als Fokus für mein musikalisches und spirituelles Wachstum ausgewählt habe. Es ist das Schiff der Erleuchtung auf dem wir alle angesiedelt sind und es ist demnach Nichts was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. In dem Fall spreche ich natürlich vornehmlich für SETHERIAL da ich nicht ahnen kann, wie andere Bands funktionieren und wie ihre Motivationen aussehen. Die Black Metal Szene ist eben eine Spiegelung der Welt in der sie existiert. Es gibt sowohl gute und schlechte Aspekte die mit ihrer Existenz einhergehen und du musst deinen eigenen Weg durch den Abfall finden um auf etwas Besonderes zu stoßen- so wie es eigentlich in jedem Feld des Lebens ist. Ich glaube dabei eigentlich nicht, dass sich meine Ansichten zum Black Metal in den Jahren wirklich verändert haben. Ich bin immer noch der Ansicht, dass diese Musik mit dunkler, spiritueller Lyrik und agressiver, atmosphärischer Musik einhergeht. Und das hat sich kein Stückchen geändert.

Interessiert du dich denn für aktuelle Veröffentlichungen in dem Genre? Gibt es ein paar Bands die es wert sind an dieser Stelle genannt zu werden?

Ich interessiere mich schon noch dafür, selbst wenn ich die Bands nicht mehr so aktiv suche wie ich es in jüngeren Jahren getan habe. Aber es kommt immer wieder vor das Bands auf den Plan treten die wirklich etwas zum Genre beizutragen haben, das mir gefällt. Die meisten meiner persönlichen Favoriten sind zwar schon vom alten Schlag, aber ein paar jüngere Bands genießen ebenfalls meine Aufmerksamkeit. Dabei gibt es immer Kapellen zu erwähnen, auch wenn die Meisten wahrscheinlich doch eher ältere Bands mit ihren starken neuen Veröffentlichungen darstellen wenn ich ehrlich sein soll. INQUISITION, ABIGOR, RUTTHNA und ein paar andere finden sich permanent in meinem CD-Player.

Was können wir von SETHERIAL in Zukunft erwarten?

Kurz gesagt mehr Touren und mehr Alben. Wir hoffen neue Wege für unsere Kreativität zu finden und die Kunst weiter treiben zu können. Wir wollen weiterhin Musik für den dunklen Herrscher kreieren und dabei unsere Grenzen verschieben. Wir haben ein Video für „A World In Hell“ gedreht und planen ein Weiteres für einen anderen Song zu machen, es gibt also genug Stoff für die Zukunft. Tourpläne sind ebenfalls in der Mache und demnächst sollten die ersten Dates bekanntwerden.

Klingt gut. Dann dank ich dir für deine Zeit und erleichtere dich um die letzten Worte

Dank dir für deine Unterstützung. Worship the eye!

14.06.2010

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