Trivium
Interview mit Drummer Travis

Interview

Die Zeichen stehen auf Sturm bei TRIVIUM. Eher ganz schön zügig als langsam aber sicher werden die Überflieger aus Florida hierzulande zum Phänomen. Auftritte auf den größten heimischen Festivals, zwei Alben, die sich sowohl bei Kritikern als auch Fans ungebrochener Beliebtheit erfreuen, ausverkaufte Shows, und das alles kurz vor dem Erscheinen ihres neuen, dann bereits dritten Albums lassen erwarten, dass es für TRIVIUM in nächster Zeit noch einmal einen ganz schönen Satz nach vorn gehen wird. Beim trotz WM-Spiel ausverkauften Ortstermin in der Stuttgarter Röhre gab Drummer Travis Auskunft über den derzeitigen Stand der Dinge.

Trivium

Wie war die Tour soweit?

Gestern Abend hatten wir die erste Show mit diesem Line-Up, sprich DEVILDRIVER, 36 und wir. Es war ziemlich geil. Zwar nicht komplett ausverkauft, aber viel hat nicht gefehlt, vielleicht 40 oder 50 Leute. Das war schon geil. Heute Abend sollte auch ziemlich cool werden.

Es ist ja ausverkauft, draußen werden schon Karten vertickt. Und wenn man bedenkt, dass heute ein WM-Spiel in der Stadt ist und die Fanmeile quasi explodiert vor Leuten, ist das schon ein ziemlich gutes Zeichen.

Das ist fantastisch! Das spricht wohl ziemlich für uns, wie? (lacht)

Verfolgst Du die WM ein wenig oder kannst du mit Fußball überhaupt nichts anfangen?

Mit Fußball hab ich überhaupt nichts am Hut. Als Junge habe ich mal einen Monat lang in einer Mannschaft gespielt, aber ich war nie wirklich gut. Ich habe auch wirklich keine Ahnung davon.

Seid Ihr erst seit gestern in Deutschland oder seid Ihr schon länger im Land?

Wir haben vorher die ganzen Festivals mit METALLICA gespielt, Rock am Ring und Rock im Park eben. Ich glaube, es ist jetzt der vierte Tag, den wir hier in Europa oder besser gesagt in Deutschland sind.

Wie war’s am Ring? Es ist immerhin das größte Festival, das wir hier zu bieten haben.

Es war großartig und hat einen Riesenspaß gemacht. Letztes Jahr, als wir dort schon einmal gespielt haben, war es schon cool, aber dieses Jahr war es noch besser! Man konnte das zurückliegende Jahr spüren und die Früchte der Arbeit sehen, die wir in die Band gesteckt haben.

Reagiert das Publikum heute anders als noch vor einem Jahr?

Ja, auf jeden Fall! Heute kennen viel mehr Leute unsere Songs, viel mehr Leute singen mit. Die Leute kennen uns besser und es ist cool, diese Entwicklung zu sehen.

Die Band ist in Deutschland gerade ziemlich im Kommen. „Ascendancy“ wurde eben erst als Special Edition wiederveröffentlicht und im Herbst steht das neue Album an. Wie ist das in den USA?

Alles entwickelt sich in seinem natürlichen Tempo. Großbritannien hat als erstes Feuer gefangen, dort sind wir geradezu explodiert. In den Staaten geht es jetzt aber auch ganz schön los und wenn man sich anschaut, was wir hier gemacht haben, sieht man, dass Deutschland auch ziemlich stark aufholt. Jedes Land hat sein eigenes Tempo, wir müssen eben unterschiedlich viel Arbeit reinstecken. Deutschland wird langsam wirklich wichtig. Das ist natürlich großartig für uns, wir lieben es. Gestern Abend hat uns die Show einfach nur umgeblasen! Es hat uns an unsere erste UK-Tour erinnert. Wir wussten damals schon, dass da etwas in der Luft liegt. Als wir dann das nächste mal dort waren, ist das ganze massiv explodiert! Wir haben das Gefühl, dass unser nächstes Mal in Deutschland vielleicht sogar noch größer und besser wird.

Ihr wart in UK also groß, bevor Ihr in den Staaten groß wart?

Ja, dort sind wir sofort eingeschlagen wie nichts Gutes. Wir haben viel Arbeit in die Staaten gesteckt, aber das Land und der Markt sind einfach so groß, dass es selbst mit Radiopromotion usw. nicht so einfach ist wie in UK. Aber das kommt. Die Staaten und UK schenken sich nicht mehr viel.

An der Promotion kann es dennoch kaum liegen. Für das aktuelle Album habt Ihr immerhin eine handvoll Videos gedreht…

Ja, wir haben einen ziemlichen Haufen Videos draußen. Wir müssen einfach weiterhin hart arbeiten. Unser neues Album erscheint im Oktober und dafür werden wir uns den Arsch aufreißen. Wir werden touren, touren, touren und mitnehmen, was immer wir können.

Für das Album habt Ihr ja Großes versprochen, eine Menge Soli, das Nonplusultra…

Wir legen natürlich nach mit diesem Album. Es unterscheidet sich stark von „Ascendancy“, und wir glauben: im positiven Sinn. Es ist ein sehr thrashiges Album, bei dem wir stark zu unseren Wurzeln zurückgekehrt sind. Wir haben uns eine Menge Zeug angehört, mit dem wir aufgewachsen sind, Zeug, das wir schon immer geliebt haben. Was wir auf diesem Album machen wollten, war einfach totaler Thrash! Mit dem letzten Album wurden wir mit Metalcore in Verbindung gebracht, was wir eigentlich überhaupt nicht sind. Wir sind Thrash-Kids, sind mit Thrash aufgewachsen und Thrash ist, was wir wirklich lieben. Wir haben uns darauf besonnen, was wir vor ein paar Jahren geil fanden, als wir METALLICA, MEGADETH, PANTERA, TESTAMENT und SLAYER gezockt haben. Wir wollten ein gutes Thrash-Album machen, und ich glaube, das ist uns gelungen. Die Reaktionen von Leuten, die das Album bereits gehört haben, waren auch sehr positiv. Ich hoffe, das Album haut den Leuten mitten in die Fresse.

Stört es Euch eigentlich, mit der Metalcore-Bewegung in einen Topf geschmissen zu werden?

Ja, schon. Man hat uns da einfach mit reingesteckt, wobei wir damit überhaupt nichts am Hut haben. Ich denke, dass es an den harten Vocals in Verbindung mit unseren melodischen Refrains liegt, dass man uns als Metalcore bezeichnet. Auf dem neuen Album haben wir versucht, davon wegzukommen. Auf der neuen Scheibe wird viel mehr gesungen, weniger gescreamt. Es wird zwar auch noch gekreischt, der Gesang hat allerdings viel mehr Gewicht. Dabei klingt er aber nicht wie auf „Ascendancy“, sondern eher wie bei unserem „Master Of Puppets“-Cover. Und so eben auf dem ganzen Album.

Trotzdem glaube ich, dass TRIVIUM vom Metalcore-Hype profitiert haben. Die Ähnlichkeiten sind zwar da, im Endeffekt klingt Ihr aber traditioneller und damit anders als die Unmenge an austauschbaren Acts.

Das ist es auch, was uns so aufgeregt hat, als man uns diesen Stempel aufgedrückt hat. Wir dachten nur ‚Was hört Ihr da nur alle?‘ Wir spielen Thrash. Zugegeben, vielleicht etwas moderneren als er früher üblich war, aber es ist definitiv Thrash für uns. Das neue Album wird das klarstellen und diesen diffusen Dunst fortwehen.

Wahrscheinlich ist diese Verwirrung auch dem Umstand geschuldet, dass Euer erstes Album über Lifeforce Records herauskam, die ja sonst ein reines Hard- und Metalcore-Label sind.

Das kann gut sein! Sie sind damals einfach auf uns zugekommen, als wir noch eine normale, kleine, lokale Band waren. Wir dachten einfach, dass es eine gute Möglichkeit wäre, uns bekannt zu machen und uns da raus zu kriegen. Lifeforce waren auf jeden Fall ein sehr gutes Sprungbrett, denn ohne sie wären Roadrunner wohl kaum auf uns aufmerksam geworden.

Hattet Ihr eigentlich Gelegenheit, Euch den METALLICA-Gig bei Rock am Ring anzuschauen?

Oh ja! Ich war dort, das war der Killer! Man hat uns eingeladen, den Gig von der Bühne aus anzuschauen. Es war wirklich cool mit METALLICA. Kirk kam zu uns, um mit uns abzuhängen, er hat uns zum Essen eingeladen, Lars hat uns zu Partys mitgenommen und wir konnten die Show dann von der Bühne aus verfolgen. Da ist ein Traum für uns wahr geworden!

Und Ende des Jahres geht Ihr mit IRON MAIDEN auf Tour…

Ja. Da geht ein weiterer Traum in Erfüllung! Es ist nicht ganz einfach, zu kapieren, dass das wirklich geschieht. Ich versuche, das nicht allzu ernst zu sehen, bis es tatsächlich soweit ist. Andernfalls wäre ich total aufgeregt und stünde die ganze Zeit unter Strom. Ich versuche also, bis dahin entspannt zu sein. Und wenn es dann passiert, werde ich sein wie ein kleines Kind!

Was kann danach eigentlich noch kommen? Ihr wart dann mit den zwei größten Metalbands der Welt auf Tour…

Was danach kommt, ist hoffentlich der Erfolg für TRIVIUM. Wir werden uns den Arsch aufreißen, um das hinzubekommen. Du kannst Dir keine Fans kaufen, Du musst rausgehen und sie Dir verdienen. Du musst raus auf die Straße und touren, touren, touren und viele Songs vom neuen Album spielen. Ich hoffe, dass die Platte den Leuten gefallen wird.

Das glaube ich schon! Wenn Du jetzt, um diese Uhrzeit [ca. eine Stunde vor Einlass – Anm. d. Red.] siehst, wie viele Kids schon draußen stehen, spricht das schon eine ganz eigene Sprache… ich meine, Ihr seid nicht die BACKSTREET BOYS!

(lacht) Das sagt schon eine Menge aus, wenn das Konzert ausverkauft ist und ein WM-Spiel in der Stadt ist. Fußball ist in den Staaten lange nicht so groß wie hier. Es ist cool zu sehen, wie die Leute hierzulande auf Fußball abgehen. Wir haben das bei unserem Football, wo die Leute regelmäßig austicken.

Ihr seid ja noch relativ jung. Macht Ihr eigentlich noch irgendetwas anderes neben der Musik?

Kaum. Die Musik beansprucht ungefähr 95% unserer Zeit. Wenn ich mal etwas freie Zeit habe, bin ich auf meinem Motorrad unterwegs oder gehe surfen. Aber sonst ist die Musik alles, was wir leben, atmen, essen, scheißen…

Habt Ihr irgendwelche Pläne, in der Zukunft neben der Musik ein zweites Standbein auf den Boden zu kriegen?

Hmm, vielleicht einmal in ferner Zukunft. Vielleicht mach ich dann einmal eine Motorradwerkstatt auf oder so was. Oder ich könnte skydiven oder so (lacht). Wer weiß was wir in fünf oder zehn Jahren machen werden? Wir werden wahrscheinlich schon irgendwann einmal Pausen einlegen und uns nach Dingen umschauen, die wir sonst gerne machen würden. Aber das ist noch so weit in der Zukunft.

Galerie mit 19 Bildern: Trivium auf dem Elbriot 2017
21.06.2006

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