Trivium
Interview mit Matt Heafy zu "Ascendancy"

Interview

TRIVIUM wirbeln derzeit die Metalwelt gehörig durcheinander. Ihr aktuelles Album „Ascendancy“ verblüfft Kritiker wie Fans, ihre bisherige Teilnahme an der Roadrunner Roadrage Tour verläuft äußerst erfolgreich, was keinen Zweifel lässt: TRIVIUM sind auf dem Weg nach oben. Grund genug mich mit Bandleader und Gitarrenwunder Matt Heafy bei ihrem Aufenthalt in Hamburg ausfürlich zu unterhalten. Bei 40°C im Tourbus ohne Klimaanlage ließ Matt keinen Zweifel daran, wohin der Weg führt, wie wichtig Soli sind und was er vom Metalcore hält.

 

Trivium

Wenn man den Titel Eures neuen Albums „Ascendancy“ [dt.: Vorherrschaft, Anm.d.Red.] wörtlich nimmt, dann sitze ich gerade einem zukünftigen Metal-Helden gegenüber. Was sind Deine Ziele mit TRIVIUM?

Hehe, wir wollen die beste Band der Welt werden…

Größer als METALLICA?

Yeah, größer als METALLICA, hehe! Das ist unser erklärtes Ziel.

Wenn man sich also nun „Ascendancy“ anhört, dann sticht vor allem der Song „Dying In Your Arms“ heraus. Er dürfte von vielen ziemlich kontrovers aufgenommen werden, da er eigentlich fast schon ein Popsong ist. Gab es eurerseits Bedenken ihn mit auf die Platte zu nehmen?

Nein, ich habe mir nicht wirklich viele Gedanken drum gemacht. Derselbe Typ, der auch den schnellen, aggressiven Kram wie „Decleration“ geschrieben hat, schrieb auch diesen bestimmten Song…das war übrigens ich, haha! Ich wollte ihn unbedingt mit dabei haben. Viele Leute denken kontrovers über „Dying In Your Arms“, viele mögen es aber auch. In Großbritannien scheint jeder diesen Song zu lieben und da sitzen die wahren Metal Motherfucker, hehe…Er ist kontrovers aber ich mag das, denn viele fragen sich „Warum gibt es diesen Song…Ist das nicht eher etwas fürs Radio…Ist es dies, ist es jenes?“ Es ist einfach nur etwas, das wir machen wollten.

Euer Name TRIVIUM kommt aus dem Lateinischen und steht für die ersten drei der sieben freien Künste, also Grammatik, Rhetorik und Logik. Diese drei folgen weitestgehend strikten, vorgegebenen Regeln wohingegen Musik in ihrer kreativen Freiheit kaum durch Grenzen zu beschränken ist. Trotz dieser entgegengesetzten Eigenschaften habt Ihr Euch für diesen Namen entschieden.

TRIVIUM war einfach der Name, der uns zuerst in den Sinn kam und wir mochten ihn sofort. Es gibt eigentlich keine wirkliche tiefgründige Erklärung, warum TRIVIUM der Name dieser Band ist. Viele Leute fügen dem auch eigene Interpretationen hinzu, wie beispielsweise dass TRIVIUM für Melodie, Rhythmus und Harmonie steht. Damit versuchen sie immer so gut wie möglich einen Stil zu klassifizieren. Wir vereinen aber definitiv mehr stilistische Merkmale als nur diese drei.

Ihr werdet ja auch oftmals mit dem bösen Wort „Metalcore“ bemustert, da einige meinen, eindeutige Parallelen zu KILLSWITCH ENGAGE ausmachen zu können. TRIVIUM legen jedoch eine deutlich rauere und ungehobelte Herangehensweise an Heavy Metal an den Tag…

Wir sind in keiner Weise eine Metalcore Band und auch überhaupt nicht von Bands dieses Genres beeinflusst. Unsere Einflüsse kommen von METALLICA, PANTERA, MEGADETH, TESTAMENT und SLAYER. Wir sind eine Metal Band und nichts Anderes!

Klare Worte. Wie war das für Euch, als Roadrunner Euch das Angebot unterbreitet hat?

Wir und Roadrunner haben beide das gleiche Ziel, und zwar das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen…die beste Band da draußen zu sein. Wir brauchten einen Partner, der uns dort hinbringen kann. Roadrunner ist ein mächtiges Label mit großen Ressourcen, das uns einen entsprechenden Vertrieb ermöglicht. Von unserer Seite gibt es keine Einwände, was die Zusammenarbeit angeht.

Die Fachpresse lobt Euch momentan in den Himmel und sieht bereits eine neue Legende in TRIVIUM aufkommen…

Das Feedback ist einfach wunderbar, ich liebe es. Es schmeichelt und ehrt uns. Zugleich müssen wir aber auch jederzeit bereit sein den nächsten Schritt zu machen, um die beste Band zu werden und die bestmöglichen Songs zu schreiben.

Eine Frage, die wahrscheinlich fast jeden Nachwuchsgitarristen quält, der von Euch gehört hat, ist: wie kann man mit 19 Jahren schon so verdammt gut sein?

Du musst Dir Deinen Arsch aufreißen!! Ich habe mit zwölf Jahren angefangen Gitarre zu spielen und jeden Tag vier bis fünf geübt, größtenteils Sachen von John Petrucci. Wenn Du so früh anfängst zu lernen, wie Du wie Petrucci spielst…Ich spiele jetzt sein siebeneinhalb Jahren und habe wirklich schon einige Übungsstunden hinter mir. Momentan spiele ich nicht so viel, da wir auf Tour sind und kaum Zeit bleibt aber früher habe ich durch Tonnen von Skalen gewühlt, hehe! Du musst Dich auf die Sache fixieren und wissen, was Du willst. Krieg Deinen Arsch hoch und arbeite spiel die schwierigsten Songs, die Du finden kannst. Fang langsam an und steigere Deine Geschwindigkeit. Das ist der beste Weg!

Du hast einmal gesagt, jede große Metal Band hätte zwei Gitarristen in ihren Reihen. TRIVIUM ist ein klassisches Quartett. Siehst Du Dich und Corey [Beaulieu, Gitarrist, Anm.d.Red.] in der Tradition solch klassischer Duos wie Hetfield/Hammet oder Tipton/Downing?

Es ist irgendwie anders als bei Hetfield und Hammet, da James eher die Rhythmusgitarre und Kirk fast ausschließlich die Soli übernimmt. Ich würde sagen Corey und ich sind eher vergleichbar mit Mustaine/Friedman, wobei die Band als Ganzes aber arbeitet wie METALLICA. Wenn es jedoch um die Soli geht, sind wir eher wie das MEGADETH-Duo. Auf dem nächsten Album werden wir uns diese auch teilen, ich kann aber jetzt schon mal sagen, dass es mehr Geschredder geben wird als auf „Ascendancy“, was ja ein reichlich melodiöses Album geworden ist. Auf „Ember To Inferno“ [TRIVIUM´s erstes Album, Anm.d.Red.] sägen wir ja uns schon mächtig durch die Landschaft aber das neue Zeug ist echt verrückt!

Das heißt ihr habt schon frisches Material geschrieben?

Ja, einiges haben wir schon. In eines der Stücke, an dem wir momentan arbeiten, haben wir NEVERMORE-ähnliche Riffs eingebaut und es ist wirklich verdammt schnell! Es wird aber sicherlich noch eine Weile dauern bis ihr die neuen Songs hören könnt, „Ascendancy“ ist ja gerade erst erschienen.

Mit welcher Band würdet Ihr am liebsten auf Tour gehen?

METALLICA…offensichtlich, haha! Außer ihnen auch gerne mit IN FLAMES und IRON MAIDEN, was ja in diesem Jahr auf dem Ozzfest passieren wird.

Du hast METALLICA ja schon angesprochen: was denkst Du über „St.Anger“? Hätten sie es anders gestalten sollen?

Ich hasse dieses Album, ganz ehrlich. Ich denke es ist schluderig gemacht und soweit ich dass dem Film „Some Kind Of Monster“ entnehmen konnte, haben die Riffs einfach am Computer zusammengekleistert. Das sollte nicht die Art und Weise sein, wie man Songs schreibt.

Betrachtest Du METALLICA also als tot?

Nein, sicherlich nicht tot! Entweder sind sie verwirrt oder das ist es, was sie machen wollen, haha. In diesem Fall sei alle Macht mit ihnen! Es ist unsere Lieblingsband, aber „St.Anger“ ist wirklich schwach. Sie können es so viel besser machen, zu ihrem alten Stil zurückfinden.

Wie wichtig sind also Gitarrensoli für Dich?

Sehr wichtig! Sie sind als Musiker ein so starkes Mittel sich selbst auszudrücken. Soli unterscheiden uns zudem eindeutig von dem, was jeder momentan macht. Im Augenblick scheint es ja superwichtig zu sein, mindestens zwei oder drei Breaks in einem Song zu haben, einen Emo-Part gefolgt von weinerlichem Geheule und dann wieder ein Break. Wir spielen nun mal keine Breaks, wir spielen Soli! Wir sind eine Metal Band und ich denke was Dich als solche bestätigt, sind eben Soli.

Ihr habt schon mit vielen namhaften Bands wie MACHINE HEAD, ICED EARTH oder FEAR FACTORY getourt. Mit welcher Band hat es am meisten Spaß gemacht?

MACHINE HEAD! Sie sind eine meiner absoluten Lieblingsbands und auch die erste Metal Combo, die ich live gesehen habe. Das sind vier der lockersten Typen, die ich je getroffen habe und sie haben uns auch viel gelehrt, etwa wie man sich eigentlich auf einer Bühne richtig verhält, wie man sich dem Publikum gegenüber gibt oder auch wie man organisatorischen Kram, etwa die Equipment-Logistik, schnell und effizient bewältigt…

„Burn My Eyes“ oder „Through The Ashes Of Empires“?

Weißt du, eigentlich ist mein Lieblingsalbum von ihnen “The Burning Red”, denn durch diese Platte bin ich auf sie gestoßen. Es hat zwar ein ganzes Stück New Metal in sich, im Gegensatz zu ihren restlichen Old-School Sachen, weist aber auch einige der dunkelsten Melodien auf, die ich je gehört habe. Songs wie „Desire To Fire“ kann man zwar einen gewissen Rap-Touch nicht absprechen, aber egal. Ich mag das Album einfach am meisten.

In einem Interview vor Eurer Roadrunner Roadrage Tour hast Du gesagt, Du wärst gespannt auf die „Crazy German Metalheads“. Gestern habt ihr nun Eure Show in Bochum gespielt…

Mhm…

Oha, das klingt ja nicht sehr begeistert…

Na ja, die Leute standen herum, sie klatschten…Einige von ihnen bangten, was cool war, aber es gab keinen Moshpit. Wir haben gerade die Roadrage Tour in England beendet und dort flogen die Zuschauer bei jedem Gig buchstäblich von der einen Seite des Raumes zur anderen. Es gab auch höllisch viele Stagediver. Einer von ihnen schlug mir versehentlich die Lippe auf, als er in die Menge sprang und meine Gitarre und mein Amp haben auch was abbekommen. In London waren die Kids lauter als ich und die PA. Europa muss sich also schon verdammt anstrengen, um den Engländern das Wasser reichen zu können.

Na dann warte mal ab bis heute Abend…

Ich schätze, das muss ich wohl, hehe…In England spielten wir zum Beispiel bei jedem Gig „The Trooper“ und die Leute sind ausgeflippt. Gestern kannten gerade mal drei Leute den Text. Na ja, warten wir es ab…

Dann danke ich Dir fürs Interview und wünsch Euch für heute Abend eine begeisterte Menge.

Ja, danke dir auch für die interessanten Fragen, hat Spaß gemacht mit dir zu sprechen.

Galerie mit 19 Bildern: Trivium auf dem Elbriot 2017
26.05.2005

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