
ASP - Mehr Denn Je! Tour 2026
Ein dunkelbunter Abend in Köln
Konzertbericht
ASP
Um 21 Uhr übernehmen ASP das Ruder und von Zurückhaltung kann von Beginn an keine Rede sein. Das Publikum ist energiegeladen und die Band versteht es, diese Spannung unmittelbar aufzunehmen. Was folgt ist ein zweienhalbstündiger Konzertabend.
ASP laden zum Tanzen ein – und Köln nimmt die Einladung an. Gitarren, Schlagzeug und Gesang greifen kraftvoll ineinander, der Sound im Carlswerk ist dabei bemerkenswert druckvoll und klar.
Mehr Denn Je!…
…wagen ASP an diesem Abend eine Reise durch ihre Diskografie und schöpfen aus ihrem umfangreichen musikalischen Kosmos. Die Setlist bietet Abwechslung zwischen vertrauten Melodien und neuen Liedern.
Zwar ist die Musik stets im Vordergrund, doch die Band versteht es, ihren Liedern eine eigene Dramaturgie zu geben. Die Stücke werden nicht einfach abgespult, sondern mit Gestik, Stimme und Präsenz zum Leben erweckt.
Sänger Alexander Spreng verkörpert die Geschichten, die er erzählt, mit einer Intensität, die den Songs auf der Bühne eine zusätzliche Dimension verleiht. So werden kurzerhand ein altbekannter Müllermeister und die „Flickenpuppe“ durch Requisite und Stimme lebendiger denn je.
Vom Sein im Hier und Jetzt
Es sind große Emotionen, die an diesem Abend in Köln verhandelt werden: Sehnsucht, Verlangen, Abgründe und die dunklen Seiten menschlicher Beziehungen. Wer ASP kennt, der schätzt ebenso auch die gesellschaftskritischen Aspekte. Die Band hält ihrem Publikum und der Welt immer wieder den Spiegel vor – mal auf poetische Art und Weise, mal mit einer Deutlichkeit, die keine Ausflüchte zulässt.
Nach den ersten Songs richtet der ASP den Blick auf eine Gewohnheit, die zum Leidwesen vieler längst zu Konzerten dazu gehört: das Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone. Seine Ansage dazu ist sympathisch, wenn auch direkt: Statt den verschwommenen Moment auf dem Display festzuhalten, solle man ihn lieber unmittelbar erleben und genießen.
Nach anfänglichen Unsicherheiten seitens des Publikums entsteht ein Raum, in dem Musik gemeinsam erlebt wird. Die Menschen tanzen, klatschen und singen. An diesem Abend ein bisschen mehr im Hier und Jetzt als sonst.
Ein Potpourri literatischer Genres
Besonders spannend wird es immer dann, wenn ASP neue musikalische und erzählerische Räume erschließen. Auch das aktuelle Material der Band zeigt, wie facettenreich sie ihre Klangwelten gestaltet. Neu auf der dunkelbunten Palette: Romantacy.
Hier begegnet romantische Sehnsucht fantastischen Welten und Wesen, düstere Motive treffen auf eine Prise „Spice“. In Köln wird es spätestens jetzt heiß, denn für die nötige Würze sorgt gleich eine ganze Pepperoni-Kette.
Der Humor, der bereits bei SCHÖNGEIST den Abend aufgelockert hat, zieht sich auch durch ASPs Auftritt. Die Ansagen sind nahbar und sympathisch, immer wieder nimmt sich die Band selbst augenzwinkernd aufs Korn. Zwischen all den ernsten Themen bleibt Raum für ein Lachen – und gerade dieser Kontrast lässt die emotionalen Momente umso intensiver wirken.
Galerie mit 12 Bildern: ASP - Mehr Denn Je! Tour 2026 in Köln

Highlights im Dämmerlicht
Einer der besonderen Momente des Abends entsteht beim Lied „Wer Sonst?“, das ASP gemeinsam mit SCHÖNGEIST als Duett präsentieren. Die Stimmen der beiden Sänger harmonieren hervorragend.
Für eine weitere Überraschung sorget bislang unveröffentlichtes Material des kommenden Albums „Horrors 2 – Another Collection Of Gothic Novellas“, dessen Veröffentlichung für Herbst 2027 angekündigt ist. Die neuen Stücke eröffnen weitere Facetten des musikalischen Spektrums und machen neugierig auf das kommende Werk. Besonders die mittelalterlich anmutenden Klänge von „Mahr, O Mein Mahr“, die stellenweise an den „Krabat Liederzyklus“ erinnern, stoßen auf sichtliche Begeisterung im Publikum.
Die Magie des Augenblicks
ASP hinterlassen ein Konzerterlebnis, das noch lange nachhallen dürfte: getragen von bildgewaltigen Geschichten, einem unverwechselbaren Sound und jener besonderen Atmosphäre, die das Publikum für einige Stunden den Alltag vergessen lässt. Dabei gelingt es der Band, Momente von solcher Intensität zu schaffen, dass sie keiner digitalen Erinnerung bedürfen.
Und so verlässt man das Carlswerk Victoria mit einem kurzen Zögern, bevor man das Smartphone wieder aus der Tasche hervorholt – schließlich möchte man die Magie des Augenblicks nicht vorschnell beenden.
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Alana Leidig
































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