Aurora Infernalis Festival
Bericht vom Aurora Infernalis Festival 2009 mit u.a. Sear Bliss, Geist, Aura Noir, Troll, Verdunkeln

Konzertbericht

Billing: Altar Of Plagues, Angantyr, Aura Noir, Geist, Nazxul, Sear Bliss, Troll, Urfaust und Verdunkeln
Konzert vom 24.10.2009 | Willemeen, Arnheim

Bereits zum zweiten Mal lockt das Aurora Infernalis Fest mit einer exquisiten Bandauswahl und noch dazu einer eigens organisierten Backline, um den bestmöglichsten Sound zu gewähren. Dass neben TROLL, welche ihre erste Show außerhalb Norwegens spielen, auch noch NAZXUL zum ersten Mal aus Australien nach Europa gelockt werden können und URFAUST ankündigten, dass es ihre letzte Show in den Niederlanden ist, gibt noch zusätzlichen Anreiz, sich auf den Weg nach Arnheim zu machen.

Samstag, 24.10.2009

Das Willemeen ist ausverkauft, gerade mal dreizehn Karten gab es vor Konzertbeginn noch zu erstehen, welche rasend schnell einen neuen Besitzer gefunden haben. Der Laden wirkt abgesehen von der steilen Metall-Treppe in den Konzertsaal recht gemütlich und bietet locker Platz für die 300(?) Gäste, welche sich eilends einige der Getränkemarken besorgen (übrigens besser gelöst, als ich es bisher erlebt habe, da es auch einzelne Marken zu erstehen gibt und kein Pfand auf die Becher erhoben wird) um diese in wohltuendes Bier umzutauschen, bevor auch nur die erste Band des Abends die Bühne entert.

GEIST

An GEIST, die das Festival eröffnen, habe ich besonders hohe Erwartungen, da sie mir als geniale Live-Band bereits bekannt sind. Die Stimmung im Willemeen lässt jedoch leider sehr zu wünschen übrig, das noch überschaubare Publikum drängt sich eher im hinteren Bereich des Konzertsaales, keiner traut sich so recht vor die Bühne. GEIST, ausnahmsweise ohne Keyboard, starten mit dem Titelsong des aktuellen Albums Galeere“. Schnell aber wird deutlich, dass auch die Band keinen guten Tag erwischt hat. Die Musiker wirken bis auf Frontmann Cypher D. Rex, der gewohnt ausdrucksstark und souverän performt, angespannt und etwas abwesend. Es folgen Klassiker älterer Scheiben, wie “Patina”, “Kainsmal” und “Winters Schwingenschlag”, bei denen nach und nach auch das Publikum auftaut und zum Schluss der finale Song von “Galeere”: “Unter toten Kapitänen”.
Alles in allem haben die Bielefelder einen soliden Gig abgeliefert, jedoch nicht vergleichbar mit ihren sonst so kraftvollen und atmosphärischen Auftritten. (Katharina Beck)

VERDUNKELN

Die Aachener sind mit einer der Hauptgründe für meine Anwesenheit im Willemeen und so fiebere ich der Band vor der Bühne entgegen, als diese endlich, in dunkelblaues Licht gehüllt, die Bühne betritt. Die langsamen Songs der Westdeutschen, welche sich selten mal dazu aufraffen, etwas Fahrt aufzunehmen, erschaffen auch live eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Leicht gestört durch die erleuchteten Bars, bahnen sich VERDUNKELN ihren erdrückenden Weg durch die Setlist und verzichten dabei gänzlich auf unnötige Ansagen oder großartiges Stageacting. Es fällt schwer, sich den intensiven Stücken zu entziehen, sich auch nur umzugucken was der Nebenmann so treibt und doch fällt auf, dass es nicht allen so geht. Denn so hypnotisierend VERDUNKELN für einige sind, so gelangweilt wirken andere, welche dann auch lieber wieder die Bar in Angriff nehmen. Trotz allem geht ein enttäuschtes Raunen durch die Menge vor der Bühne, als VERDUNKELN nach 45 Minuten bereits wieder abziehen und Platz für SEAR BLISS machen. (the.beaver)

SEAR BLISS

In einem Line-Up, das vom Veranstalter als „klassisch“ angekündigt wurde, sind SEAR BLISS angereist. Die Ungarn feiern (schon seit 2008) ihr 15-jähriges Bandbestehen und haben dafür, nicht das erste Mal in Karriere, am Besetzungskarussel gedreht. Wieder mit im Boot sind nach mitunter zehn Jahre währender Pause die beiden (mittlerweile kurzhaarigen) Urgitarristen János Barbarics und Csaba Csejtei sowie Drummer Olivér Ziskó, der zwischen 2000 und 2004 am Keyboard stand. Jenes bleibt übrigens auf der Bühne unbesetzt – SEAR BLISS haben sich entschieden, künftig auf Playbacks für das Publikum und In-Ear-Klicks für den Drummer zu setzen.

Diese Entscheidung stellt sich als für den Auftritt der von einem Posaunisten verstärkten Band als heikel heraus. Obwohl Frontmann und Bassist András Nagy seine Truppe, die das erste Mal zusammen einen Gig bestreitet, zusammenhält und souverän zu führen versucht, wirken SEAR BLISS latent verunsichert und schaffen es während der ersten Songs nicht, die Atmosphäre ihrer großartigen Alben auf die Bühne zu projezieren. Erst später, mit wachsener Routine, zeigt auch die Band Spaß an ihrer Musik – allerdings auch nicht mehr als das recht verhaltene Publikum.
An der Setlist gibt es dabei nichts zu meckern: mit merklichem Schwerpunkt auf dem Debut „Phantoms“ und den letzten drei starken Platten trifft die Band sicherlich den Geschmack des anwesenden Publikums und übrigens auch meinen. Der Sound ist anständig, wenn auch nicht differenziert genug, um den melodischen Black Metal von SEAR BLISS in seiner ganzen Einzigartigkeit und Vielschichtigkeit abzubilden. So arbeiten sich die Musiker durch eine etwas steife und bemüht wirkende Performance, mit deren Schwächen sich András in einem Gespräch nach dem Konzert auch nicht glücklich zeigt. Zu allem Überfluss verlieren wir in einem gemeinsamen Kicker-Match gegen unsere holländischen Gegner. Das ist, auch auf den nicht mehr als soliden Gig bezogen, zwar keine vollendete Schmach, aber schon ein wenig schade. (alboin)

URFAUST

Als URFAUST an der Reihe sind, gibt es kaum noch einen freien Platz im Willemeen, alles drängelt vor die Bühne, um der einzigen niederländischen Band an diesem Wochenende ein würdiges Heimspiel zu bescheren. Das Duo dankt es sogleich und nutzt die Stunde Spielzeit, um ein Highlight nach dem anderen zu servieren. Seien es die doomigen Stücke der “Drei Rituale Des Jenseits“, “Ragnarök Mystiker“, „Die Kalte Teufelsfaust“ oder das von der neuen “Der Einsiedler“-EP stammende “Verderber“. Sie alle gehen durch Mark und Bein, das Publikum starrt gebannt auf die Bühne oder wiegt seinen Kopf in den mystischen Klängen, welche in unglaublich gutem Soundgewand aus den Boxen dröhnen. Auch URFAUST lassen sich nicht dazu herab, die Besucher mit langweiligen Ansagen zu vergraulen, sie genehmigen sich lediglich kurze Verschnaufpausen um einen Schluck Bier zu trinken oder sich der mitgebrachten Flasche Jägermeister (?) zu widmen. Als sie nach “Verderber“ dann zum finalen “Drudenfuß“ ansetzen, dreht das Publikum schier durch, da ist kein Halten mehr, es fliegen Haare, es wird getanzt, gelacht, mitgegröhlt, was im Vergleich zur davor teils beängstigend gebannten Stimmung leicht abstrus wirkte, aber so sind nunmal URFAUST – genial! (the.beaver)

TROLL

Ich gebe es zu: was TROLL, vor allem deren Chef Nagash, angeht, bin ich ein Fanboy. Für mich sind TROLL die Stars des gesamten Festivals. Nachdem sich die liebenswürdig-chaotischen Norweger mit einer Absage in letzter Sekunde beim diesjährigen Under The Black Sun-Festival black-metal-gesellschaftlich ins Abseits katapultiert haben, warten alle Anwesenden nägelkauend auf die Ankunft der Antichristen. Zwar zu spät, aber merklich entspannt und bestens aufgelegt betreten TROLL dann doch kurz vor Einlass die Venue. Weil sie im Stau standen, müssen die Jungs auf ihren Soundcheck verzichten und um Mitternacht unvorbereit auf die Bühne.

Das tun sie ohne zu murren, geschminkt und in voller Montur, unter einem aufbrandenden Auftrittsapplaus. Arnheim steht, völlig zurecht, Kopf. Gestandene Männer jenseits der 30 blicken ungläubig auf die Bühne, skeptisch und doch voller Hoffnung darauf, hier einen großartigen Auftritt einer kleinen Black-Metal-Legende zu erleben. Ich ertappe mich bei einer gedanklichen Zeitreise, bange mit glänzenden Augen vor der Bühne und erinnere mich dran, wie mich „Naar Natten Endelig Er Her“ von TROLLs Demo1996 aus den Socken gehauen hat.
Dasselbe schaffen Nagash und sein sympathisches, norwegisch-aristokratisches Line-Up aus enthusiastischen Nachwuchsmusikern auch viele Jahre später, mit einer absolut professionellen Bühnenshow, einem selbstsicheren, aber für norwegische Verhältnisse publikumsnahe Auftreten und einer makellosen Performance. Gut zur Geltung kommen der treibende, schnörkellose Drumstil von Schlagzeuger Ygg und die wuchtige siebensaitige Gitarre – weniger präsent ist leider das, was Keyboarder Exiliis hinter seiner Tastenburg fabriziert. Schade, sind doch gerade die Keyboards ein wesentlicher Bestandteil des TROLL-Sounds.

Klammert man die beiden experimentellen und für ihre Diskografie untypischen Alben „Universal“ und „The Last Predator“ aus, haben TROLL zwar nur zwei kurze Demos, ihr 1996er Album „Drep De Kristne“ und das für Anfang 2010 angekündigte „Neo-Satanic Supremacy“ für ihr Liverepertoire zur Verfügung, schlachten diese aber gnadenlos aus. Alle Klassiker ballert die Truppe in gesteigerter Geschwindigkeit, größtmöglicher Aggressivität und in einer mitreißend agilen Bühnenshow in den Zuschauerraum. Neue Songs fügen sich dabei nahtlos ein und versprechen für das neue Album eine zwar modernere, aber 100% nach TROLL klingende Platte und damit schon jetzt einen heißen Kandidaten auf den norwegischen Black-Metal-Thron 2010.

Selbst unter Dauerbeschallung mit keyboardgetränktem Mittneunziger-Black-Metal taut das reservierte Arnheimer Publikum leider nicht auf, mehr als gesteigerter Höflichkeitsapplaus und vereinzelte Ausrufe der Begeisterung sind auch für TROLL nicht drin. Trotzdem spielt sich die Band 70 Minuten lang um Kopf und Kragen und hinterlässt ein aufgeheiztes Willemeen, in dem jedem Zuhörer vor Lautstärke und Glück die Ohren klingeln müssen. TROLL sind zurecht die Könige dieses Abends, weil man ihnen ihren neugewonnenen Spaß an der Musik zu jeder Sekunde anmerkt und weil sie es mit scheinbarer Mühelosigkeit geschafft haben, auf einen Schlag eine Menge Menschen glücklich zu machen. Da passt Nagashs weiser Kommentar auf meine Frage, wie er zurück zu dieser Musik gefunden hat, perfekt ins Stimmungsbild: „Es gibt etwas, das ich in den letzten Jahren über Musik gelernt habe: du kannst experimentieren, soviel du willst. Am Ende stellst du doch fest, wo du hingehörst, und dass du dem nicht entkommen kannst.“ (alboin)

Aurora Infernalis Festival

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04.11.2009

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