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Das meint die Redaktion zu "Galeere"

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Nautik, ich gebe es offen zu, ist nicht unbedingt einer der ersten Begriffe, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an Black Metal denke. Da taucht schon doch eher der Seacaptain und seine Compilation vor meinem geistigen Auge auf. Doch GEÏST wären eben nicht GEÏST, wenn sie sich einer Allerweltsthematik bedienen und auf Pfaden wandeln würden, die bereits unzählige von Bands ausgetreten haben.

GEÏST haben also die Segel für ihr drittes Werk gesetzt und die „Galeere“ sticht unter doch recht veränderten Voraussetzungen in See. Mit Prophecy wurde ein neues Label gefunden, an welches sich die Westfalen auch gleich für einen recht langen Zeitraum gebunden haben. Auch die Besatzung wurde ein wenig verändert, denn mit Larva B. Caneer ist ein neuer Klampfer und mit Faruk einer neuer Mann an Bord, der sich um die Synthies und den Bereich Multimedia kümmert. Alles neu macht der Mai also und wenn das Album dann in selbigem Monat erscheint, sollte es mich nicht wundern, wenn es für einige erstaunte Gesichter sorgen wird.

Als allererstes überrascht mich persönlich die grundsätzliche musikalische Ausrichtung der „Galeere“, denn gerade im Kontext der in den letzten Interviews bezüglich des Black Metal getätigten Aussagen, sind GEÏST im Vergleich zu „Kainsmal“ wesentlich härter und brutaler geworden. Das manifestiert sich schon im Opener und gleichzeitigen Titeltrack des Albums, in dem einige wirklich fiese Blastbeats zu finden sind. Doch es ist nicht nur die Geschwindigkeit, die GEÏST roher erscheinen lässt, es ist auch und vor allem, eine abgrundtief finstere Aura, die über diesem Werk schwebt.

Besonders verantwortlich dafür ist die teilweise sehr deutliche Referenz an den Black Metal nordischer Prägung der frühen Neunziger. Natürlich spielt eine Band wie GEÏST nicht einfach nach oder bedient sich uninspiriert bei den Klassikern. Mit ihrer ganz eigenen Note schaffen es Alboin und Co. diesen Gänsehautcharakter heraufzubeschwören, der mich bei den Frühwerken dieses Genres immer ergreift. Trotz klarer aber nicht steriler Produktion wirkt das Album kalt und, zumindest bei den ersten Hördurchgängen, sperrig und verschlossen.

Großen Anteil an dieser Atmosphäre hat sicherlich Neuzugang Faruk. Ich hätte es nie gedacht, aber zum Beispiel in „Einen Winter auf See“ verwirklicht der Herr eine Akkordeonmelodie, die mich, im Gegensatz zu anderen Metalbands, die auf dieses Instrument zurückgreifen, nicht kotzen lässt. Es ist klar, dass man kaum die See als thematisches Grundkonzept für ein Album nehmen kann, ohne dabei auf das Akkordeon zurückzugreifen, allerdings war mir schon ein wenig bange, als ich in einer Ankündigung der Band davon las. Die Sorge war unberechtigt, denn die von diesem Instrument gespielten Melodien passen sich wunderbar an das musikalische Gerüst an und sorgen für einen leicht melancholischen Anstrich.

„Einen Winter auf See“ ist auch gleich ein gutes Beispiel für die erwähnte norwegische Black-Metal-Referenz. Besonders der sich immer weiter steigernde Schlussteil zieht mich durch seine sehr dezente, aber dennoch sehr prägende Keyboardmelodie in Kombination mit dem eisigen Riffing wie in einen Sog und lässt mich nicht nur ein Mal an das Debütalbum einer gewissen Band namens EMPEROR denken. Doch auch generell tragen die Sounds und Melodien, die Faruk fabriziert hat, sehr zur Tiefe des Albums bei. Die Songs werden geschickt durch kleine Zwischenspiele miteinander verbunden, was dafür sorgt, dass man den akustischen Faden nicht verliert und so die Chance entsteht, sich komplett und am Stück auf dieses Album einzulassen.

Doch neben all diesen Neuerungen, befinden sich auch immer noch mehr als genügend typische GEÏST-Elemente auf der „Galeere“. Wie sollte es auch anders sein, denn allein die markante Stimme des Herrn Cypher D. Rex sorgt dafür, dass man nicht vergisst, mit welcher Band man es hier zu tun hat. Die Bandbreite des Sängers ist wirklich beeindruckend und seine kräftigen Vocals kann man getrost als Markenzeichen dieser Band bezeichnen, denn besonders im Black Metal findet man selten Gesang mit solch hohem Wiedererkennungswert. Und auch die Saitenfraktion macht immer wieder deutlich, wes GEÏSTes Kind die „Galeere“ ist und verweist mit einigen Riffs wie in „Helike“ das ein oder andere Mal auf „Patina“.

Es hat eine Weile gedauert, da bin ich ganz ehrlich, aber nach einigen Durchläufen ist es GEÏST auch mit ihrem dritten Album gelungen, mich zu überzeugen. Dennoch sei gesagt, dass man auf jeden Fall Zeit in dieses Werk investieren sollte, denn bei all der atmosphärischen Dichte, den überbordenden Stimmungen und nicht zuletzt der überdurchschnittlichen Länge der fünf Songs ist eine intensive Beschäftigung mit dem Material unabdingbar. Aber das sollte ja eigentlich auch der Grund sein, warum man sich mit einer Band wie GEÏST beschäftigt, denn es sollte mittlerweile klar sein, dass die Deutschen keinen Fast-Food-Black-Metal abliefern.

Es sei Euch also geraten, Euch mit einem Gläschen Rum auf die Reise zu begeben und dabei ein Album zu genießen, an welchem sich kommende (Black-)Metal-Veröffentlichungen des Jahres 2009 werden messen lassen müssen.

9/10 (Philip)

Fast drei Jahre ist „Kainsmal“ schon her!? Heftig, aber die Zeit des Wartens hat sich eindeutig gelohnt, auch wenn mir der Trailer im Vorfeld überhaupt nicht zugesagt hat. Das wiederum liegt aber wahrscheinlich eher am Medium Trailer, denn diese kurzen Ausschnitte haben mich nicht im Geringsten mitgerissen. So viel zu diesem Thema. „Galeere“ liegt nun also komplett vor mir und es hat gedauert, bis sich auch das komplette Album in meinem Gehör festgesetzt hat. Das war bei „Kainsmal“ noch anders.

Ohnehin, anders ist das dritte Werk definitiv! Aber wer hätte auch anderes erwartet? Ebenso wenig wie auf einzelne Songs kann man das Album auch unmöglich nur auf Black Metal reduzieren, dazu sind GEÏST zu verliebt in die kleinen Details, die Abwechslung, den Anspruch der Innovation und genau durch diese Punkte werden sie wohl ewig kontrovers betrachtet. Das wird sich mit „Galeere“ nicht ändern, was aber nichts an der Klasse des Albums ändert. Die kleinen Details machen es gerade so unglaublich ansprechend. Hier knarrt ein Segel, dort erklingt wie aus dem Nichts urplötzlich ein Akkordeon. Und das sind nur zwei kleine Beispiele.

Natürlich darf der (Black) Metal auch nicht fehlen. Dieser bildet auch weiterhin das Zentrum im Schaffen GEÏSTs. Doch ob sie dabei nun frenetisch knüppeln oder beinahe schon in doomigen Gewässern segeln, macht hier kaum einen Unterschied, es fügt sich alles zusammen und „Galeere“ erscheint als komplettes, kompaktes und untrennbar ineinander verflochtenes Album. Mein absolutes Highlight bleibt dennoch der Abschluss „Unter toten Kapitänen“, der sich kreischend dahinschleppt, dabei aber fast schauerlich atmosphärisch ist und ein paar aufgestellte Nackenhaare zu verantworten hat. Eine weitere Stärke an Bord der gespenstischen Galeere ist mit Sicherheit auch Sänger Cypher D. Rex, dessen Stimme, ob man sie nun mag oder nicht, einen enormen Wiedererkennungswert besitzt und dem Album noch einen weiteren markanten Stempel hinzufügt.

„Galeere“ ist ohne Frage gelungen. Es erfasst die Brutalität, Macht und Schönheit des Meeres wunderbar, nicht nur in den Texten, sondern auch in der wirklich meisterhaft umgesetzten Vielfältigkeit der einzelnen Akzente des Albums. Darüber hinaus gibt es mit „Einen Winter auf See“ auch ein Stück, das sofort gut ins Ohr geht. Egal wie, es ist GEÏST gelungen, auch ihr drittes Album auf hohem Niveau zu präsentieren, nur darf man es nicht in Einzelteile zerstückeln. Also dann, auf in die Ungewissheiten der weiten Meere!

9/10 (The.Beaver)

22.04.2009

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