Konzertbericht

Konzert vom | ,

Sonntag

Feuerschwanz

Foto: Titus Eisenmenger

FEUERSCHWANZ sollen und wollen lustig sein. Ob sie’s wirklich sind, bleibt jedem selbst überlassen. Fest steht jedoch, dass es zur Mittagszeit knackig voll vor der Bühne ist und ausgelassen gefeiert wird. Egal ob Ansage oder Song, Hauptmann Feuerschwanz hat die Menge fest im Griff und bittet bei „Wunsch Ist Wunsch“ sogar einen als Hasenfee verkleideten Zuschauer auf die Bühne, um mit diesen zu den Worten „Bück Dich“ Spielchen zu treiben. Weitere Songtitel wie „Metnotstand im Märchenland“, „Wir lieben Dudelsack“ und „Hurra Hurra Die Pest Ist Da“ führen das Niveau der Texte eindrucksvoll vor Augen. Sowohl musikalisch, als auch inhaltlich eindeutig Geschmackssache.


Darkhaus

Entgegen aller Wettervorhersagen scheint auch am zweiten Festivaltag die Sonne, und zwar krasser, als manchem lieb ist – Sonnenbrände wohin man schaut. Dementsprechend wenig los ist auch bei DARKHAUS vor der Bühne, obwohl die mit Mitgliedern aus Schottland, Österrreich, USA und Deutschland international vertretene Band amtlich loslegt. „Drive“ zeigt die Stärken auf: Zwischenzeitlich hart rockend, schaffen es die Jungs um PRO PAIN Sänger bzw. Bassist Gary Meskil auch durch gefühlvolle Passagen für Begeisterung zu sorgen. Das Debüt „My Only Shelter“ wurde erst letztes Jahr veröffentlicht, dennoch präsentieren sich einige Fans bei „Ghost“, „Sun Of A Gun“ und „Break Down The Walls“ bereits äußerst textsicher. Ein mehr als gelungener Start in den Tag.


Solar Fake

Sven Friedrich ist ein Phänomen. Ob mit den DREADFUL SHADOWS, ZERAPHINE oder eben SOLAR FAKE, seine Projekte und Bands begeistern mittlerweile auch über die heimischen Grenzen hinaus. Egal, wo der Berliner aufkreuzt, die Fans liegen ihm zu den Füßen. So auch heute, der modebewusst in Mantel sowie Weste gekleidete Künstler kann sich zu Beginn vor Begeisterungsapplaus kaum retten. Der Hangar ist mehr als gut gefüllt und feiert zu „I Hate You More Than My Life“ und „No Apologies“. Dabei kommt abgesehen vom Gesang leider relativ viel vom Band. Anders wäre nämlich auch nicht zu erklären, dass André (DREADFUL SHADOWS), der neue Mann am Keyboard, sich mehr auf sein überzogen exzentrisches Stageacting als auf sein Instrument konzentriert und jede einzelne Note in irgendeine Körperbewegung verpackt. Folglich wackelt das Keyboard-Podest nicht nur einmal bedenklich stark. Während der zur Verfügung stehenden 35 Minuten wird sich primär auf Songs von den letzten beiden Alben konzentriert, einzig „Here I Stand“ steht stellvertretend für das Debüt. Die obligatorische Cover-Version (heute: „One Step Closer“ von LINKIN PARK), laut Friedrich ein Must-Have, dürfte in diesem Kontext überdacht und mit eigenem Material substituiert werden. Für Fans des neuen Albums sicherlich ein voller Erfolg, für ältere Fans eher durchwachsen.


Letzte Instanz

Foto: Jens Arndt

Die Mittelalterfront ist in diesem Jahr mehr als stark auf dem M’era Luna vertreten. Nach IGNIS FATUU, SUBWAY TO SALLY, FEUERSCHWANZ folgt nun die LETZTE INSTANZ, die ebenso wie viele andere Stammgast des Festivals sind. „Nur Für Uns“ sorgt bereits für ordentlich Stimmung. Nach „Flucht Ins Glück“ und „Blind“ nehmen dutzende Digitalkameras auf Wunsch von Frontmann Holly den Song „Ganz Egal“ vom kommenden Album „Im Auge Des Sturms Auf“ auf, um diesen anschließend im Internet veröffentlichen zu können – geschickter Promo-Schachzug. Und auch der Lautstärkering des charismatischen Sängers, mit welchem er die Jubellautstärke des Publikums zu steuern vermag, ist erstaunlich gut geölt. Die ausgelassene Stimmung schlägt auf die Band über, die bei „Rapunzel/Seven Nation Army“ sogar mehrmals ein Bad in der Menge nimmt und sich mit „Wir Sind Allein“, bei dem die Stimmbänder des Publikums erneut strapaziert werden, verabschiedet.


Hocico

Nachdem Erk Aicrag bereits am Vortag als RABIA SORDA sein Unwesen trieb, steht er nun mit HOCICO bereit und startet den nächsten Angriff auf die Hangar-Stage. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, bei den unwiderstehlichen Einschlägen von „Untold Blasphemies“ und Konsorten. Eingeläutet wird der Auftritt der Cousins jedoch durch ein stilecht in mexikanischer Tracht (Charro-Anzug, spitze Cowboystiefel, Sombrero, …) und Totenkopfbemalung ausgerüstetes Trio, welches mit Geige, Guitarrón und Vihuela die traditionellen Songs „Canta Y No Ilores“ sowie „Odio En El Alma“ als Mariachi-Version vom Stapel lässt, ehe Erk und Rasco die Aggrotech-Keule schwingen. Bei „Forgotten Tears“ zeigt sich das Trio nochmals, wirft sich fleißig in Pose, greift aber nicht wirklich hörenswert unter die Arme. Erk dagegen wütet auf der Bühne so dermaßen umher, dass ihm englischsprachige Besucher den Namen „Duracell-Rabbit“ verleihen, was den Nagel auf den Kopf trifft. Die Setlist ist mit „Dead Trust“, „Intruder“ und „T.O.S. Of Reality“ überraschend stark an „El Ultimo Minuto“ (2012) angelehnt. So bleibt bei einer knappen Stunde Spielzeit (inkl. Mariachi-Intro und -Outro) leider kein Platz für alte, liebgewonnene Großtaten. Dennoch: In Sachen Intensität kann HOCICO kaum eine Band aus dem elektronisch-angehauchten schwarzen Sektor das Wasser reichen. Immer wieder eine Freude!


Deine Lakaien

Schon bei der Veröffentlichung der Running Order vor Festivalbeginn verliehen einige mitteilungsfreudige Besucher ihrem Unmut über die Überschneidung von HOCICO und DEINE LAKAIEN im Internet Ausdruck. Nicht, dass diese Bands sich musikalisch eine Nische teilen würden, nein, schlicht der hohe Lautstärkepegel eines HOCICO-Auftritts im Vergleich zum doch eher gesitteten und ruhigen Ablauf des LAKAIEN-Programms war Grund für diese Äußerungen; zumal es nicht das erste Mal wäre, dass ein Auftritt von DEINE LAKAIEN durch harsche Töne aus dem Hangar verhagelt wird. Doch ganz so stark wie befürchtet, stört die Hangar-Stage dann doch nicht. Im letzten Jahr noch in Akustik-Version auf dem M’era Luna aufspielend, stehen die Ausnahmekünstler Ernst Horn und Alexander Veljanov nun wieder in Reinform und durch zwei Live-Musiker ergänzt auf der Bühne und präsentieren mit „Nevermore“ sowie „Farewell“ zum Ende sogar zwei Songs vom gerade erschienen Album „Crystal Palace“. Auch nach mehr als 20 Jahren begeistert das Duo mit Melodien, erfüllt von tiefer Traurigkeit, schwelgerischen Arrangements und der einzigartigen Stimme Veljanovs. Insbesondere die Live-Drums lassen den Auftritt deutlich druckvoller wirken, wodurch „Over And Done“, „Dark Star“ und „Gone“ einen rockigen Flair verliehen bekommen. Im direkten Vergleich zum letztjährigen Auftritt zeigt sich, dass DEINE LAKAIEN in dieser Besetzung zumindest am Nachmittag eines Festivals deutlich besser funktionieren, als im Akustikgewand.


In Extremo

Foto: Christoph Eisenmenger

Bei den gern gesehenen Gästen IN EXTREMO wird’s nochmal so richtig voll vor der Bühne. Obwohl die Band alle paar Jahre ihre Salven auf dem M’era Luna zum besten gibt, lassen sich keinesfalls Abnutzungserscheinungen erkennen. Zu Recht, denn die Berliner sind bestens aufgelegt und präsentieren ein Set, das vor Hits nur so strotzt. Von älteren Klassikern bis hin zu bereits liveerprobten und -bewährten Stücken vom aktuellen Album „Kunstraub“ gibt es stets was für die Leute zum singen, tanzen, feiern. Schon zu Beginn bei „Mein Rasend Herz“ und „Zigeunerskat“ hat die Menge ihre Kehlen geölt, es wird ohne Erbarmen bei den Nebenleuten eingestimmt. „Vollmond“ setzt dem Ganzen diesbezüglich die Krone auf. IN EXTREMO denken gar nicht ans aufhören und schmettern mit „Gaukler“ erst ein neues Stück, anschließend mit „Liam“ einen der schönsten Songs der eigenen Karriere hinaus, so dass beim Publikum, aber auch bei der Band, nichts als ein breites Grinsen übrig bleibt. Glücklicherweise wird dies nicht von der opulenten Pyroshow aus den Gesichtern gebrannt, die abermals schon alleine unterhält und IN EXTREMO zur einzigartigen Live-Band werden lässt. Nach einer aufrichtigen Dankesrede von Sänger Micha gibt’s mit „Küss Mich“ den erwarteten Nachschlag. Lediglich das von vielen herbeigesehnte „Erdbeermund“ hätte noch gefehlt.

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22.08.2014

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