Russkaja
Autokonzert - Kulturbühne Karlsruhe 2020

Konzertbericht

Billing: Russkaja und Mess Up Your DNA
Konzert vom 28.08.2020 | Kulturbühne an der Messe Karlsruhe, Karlsruhe

Die Kulturbühne an der Messe Karlsruhe veranstaltet diesen Sommer Autokonzerte auf dem Parkplatz der Neuen Messe. Heute sind RUSSKAJA an der Reihe, aber für uns steht das Konzert unter keinem guten Stern: bei Abfahrt ist weder die Akkreditierung da, noch macht das Auto einen Mucks. Erst der dritte Versuch, ein Auto zu leihen, klappt. 120 Kilometer verstopfte Freitags-Autobahn machen die Sache nicht besser und als wir ankommen, ist es vor der Bühne ziemlich leer.

Dann aber wendet sich das Blatt wie von Zauberhand: Es gibt kein Problem mit der Akkreditierung, das geliehene Auto bekommt einen tollen Platz in der ersten Reihe (okay, es gibt nur eine Reihe) und man darf sich ohne Maske rund ums Auto bewegen, da jedes Fahrzeug einen eigens abgeteilten Platz belegt. Sogar eine lokale Band ist gekommen und übernimmt den Support!

MESS UP YOUR DNA

Das Karlsruher Trio ist sozusagen ein Überraschungsgeschenk. Die Jungs rocken amtlich los und beteuern zwischendurch, dass sie so froh sind, endlich wieder auf einer Bühne zu stehen! Ansonsten wollen sie nicht so viel reden, sondern die Zeit für ihren Crossover/ Alternative Metal nutzen und das tun sie auch. MESS UP YOUR DNA, kurz MUYDNA genannt, haben keine leichte Aufgabe: hier sind maximal 150 Leute und die stehen im Freien sehr weit auseinander, die allermeisten sind vermutlich Die-Hard-RUSSKAJA-Fans. Macht nix, wer rocken kann, hat schon gewonnen: Die ersten Zuschauer erheben sich aus ihren Liegestühlen und Autositzen und sparen auch nicht an Applaus.

Galerie mit 15 Bildern: Mess Up Your DNA - Kulturbühne an der Messe Karlsruhe 2020

RUSSKAJA

Endlich ist es Zeit für „Gruppa Russ Ska JAAA!“ Die Band wird mit frenetischem Jubel empfangen, der natürlich coronamäßig gedämpft erklingt bei so wenigen Besuchern im Freien. Die geringe Lautstärke macht das Publikum aber absolut wett mit Tanzeinlagen. Die Leute in den Lounges hält es nicht lange in den Liegestühlen, auch neben den Autos springen und schwingen immer mehr Zuschauer im Takt.

Auf der Bühne agieren Gitarristen, ein Bassist, eine Geigerin, ein Blechbläser, ein Drummer und natürlich ein russischer Sänger. Alle sind immer in Bewegung, alle strotzen vor guter Laune, denn Ska, Punk, Polka, Metal, Reggae sind eine abgefahrene Mischung und sorgen für irre Stimmung. Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria singt über Freundschaft – „Druschba – You’re Not Alone“ vom 2019er Album „No One Is Illegal“. Er spricht abwechselnd Russisch, Deutsch und sogar mal Spanisch. Eigentlich sollten RUSSKAJA diesen Sommer nämlich auf einem spanischen Festival spielen. Nun ist es Karlsruhe geworden, zu ganz absonderlichen Bedingungen. Nichtsdestotrotz spielen die Wiener extra ihren spanischen Song „La Musica Es Nuestra Religion“ und Georgij übt mit dem Publikum fleißig den Refrain, damit auch alle mitsingen können. Alles hat seine Vor- und Nachteile: dank Zuschauermangel können die Abstandsregeln prima eingehalten werden. Für das  „Kollektivgefühl“ sollen dann alle miteinander tanzen, wegen Covid-19-Gefahr aber bitteschön jeder nur mit dem Menschen, mit dem man gekommen ist.

Russkaja beim Autokonzert der Kulturbühne Karlsruhe 2020

Insgesamt kehren RUSSKAJA ungünstige Umstände einfach ins Gegenteil: „Wir sind Pioniere!“ ruft der Sänger, lobt alle, die gekommen sind und lobt auch alle, die eine „Lightshow“ mitgebracht haben: einige Fans haben Lichterketten in ihren Autos, einer eine Discokugel, ein anderer tatsächlich eine kleine Lightshow mit Farbenwechsel.

Und habe ich schon erwähnt, dass so heftig getanzt wird? Unglaublich, zwischendurch tanzen wirklich fast alle Zuschauer – tatsächlich Die-Hard-RUSSKAJA-Fans! Die Stimmung erreicht einen Höhepunkt bei Ra Ra Ra Ra „Radost Moja“, das in Kooperation mit Georgijs Freund Wladimir Kaminer entstanden ist, dem Autor des Romans „Russendisko“. Hupen ist leider verboten, Klatschen soll man per App. Wer denkt sich eine Klatsch-App aus? Die meisten Zuschauer klatschen jedenfalls mit den Händen. Tanzen ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht und wird auch auf der Bühne immer wieder zelebriert. Die Musiker sind zwischendurch sogar im Kasatschok-Gang unterwegs!

Vor dem Zugabenblock gehen RUSSKAJA von der Bühne, lassen sich aber gerne wieder zurückholen: „Wir müssen wiederkommen! Wir haben gehofft!“ ruft Makazaria und „Wo sind die Headbanger?“ Das hört sich bei ihm wie „Chädbängerrr“ an, wunderbar russisch-charmant. Denn jetzt kommt der Titelsong vom 2013er Album „Energia“ und es wird wieder ganz wild und energetisch getanzt und gebangt, auch auf der Bühne. Am Ende des Zugabenblocks verabschiedet sich die Band mit den Worten „Friede in Eurem Heim!“ Im Mondschein machen sich die Fans auf den Heimweg, manch einer kann kaum fassen, was heute passiert ist: Unter ungünstigsten Bedingungen wurde hier auf beste Weise gefeiert. Optimal gelaufen, mehr hätte man nicht rausholen können. Bestes Autokonzert bisher!

Galerie mit 22 Bildern: Russkaja - Kulturbühne an der Messe Karlsruhe 2020
10.09.2020

Foto-Team

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