666 (Nor) - 666

Review

Der Band 666 (sprich: sax sax sax) aus Tromsø wird in seltenen Fällen eine Vorreiter-Rolle für MAYHEM und den norwegischen Black Metal zugesprochen. Obwohl – wenn überhaupt – nur ein Bruchteil der damaligen Teenager etwas von der Band gehört habe dürfte. Denn die Bilanz sieht nüchtern aus: ein Jahr Existenz, keine Studio-Demos, lediglich nachträglich veröffentlichte Live-Mitschnitte existieren. Einige davon wurden nun von Nuclear War Now! Productions kompiliert und unter dem Titel “666” neu aufgelegt.

666: Vorläufer des Black Metal?

Okay, der Bandname und der Songtitel “Lucifer” lassen auf ein mögliches und zeittypisch etwas naives okkultes Element schließen; die Band kommt aus Norwegen und war 1982 schon verdammt früh dabei. VENOM hatten zwar “Welcome To Hell” und “Black Metal” veröffentlicht, MAYHEM ließen aber noch bis 1984 auf ihre Gründung warten. Insofern kann man 666 die Vorreiterrolle immerhin auf nationaler Ebene zusprechen. Es lässt sich auch nicht verleugnen, dass 666 offenkundig stark von Cronos und Co. beeinflusst waren. Allerdings wirken VENOM im Vergleich wie ein bildungsbürgerliches Jazz-Trio, denn es rumpelt und scheppert auf “666” an allen Ecken und Enden. Dabei ist nicht allein der Sound problematisch (Bootleg-Charme und so …) – die Musik ist nicht mehr primitiv im charmanten Sinn, sondern schon aufdringlich dilettantisch und präsentiert sich stellenweise als erschreckend fröhlicher Sauf-Punk.

So richtig düsteres Black-Metal-Feeling will sich über die zwölf Songs hinweg nicht einstellen. Gewiss, auch die Auf-die-Fresse-Attitüde der zweiten Generation war rückblickend meist eher eine Überdosis Testosteron als Ausgleich zu unverarbeiteten Adoleszenz-Ängsten und sollte nicht zu ernst genommen werden. Aber fuck, wo kommen wir denn hin, wenn Black Metal fröhliche Musik ist? Vordergründig ist “666” eine Mischung aus Punk und Rock ’n‘ Roll mit krächzigen Cronos-Vocals.

666 – nur für die Chronik interessant

Schriebe man eine Enzyklopädie des Black Metal, wären 666 eine Fußnote, deren einziger Sinn es wäre, als erste norwegische Band vor MAYHEM irgendwas mit “satanischem” Gedöns gemacht zu haben. Es spricht für sich, dass sich 666 nie in den frühen Interviews der norwegischen zweiten Generation finden ließen und ihnen vermutlich vollkommen unbekannt waren. Wie auch, wenn es nicht mal selbst kopierte Kassetten zum Weiterkopieren gab.

Klar, inzwischen gibt es für alle Proto-Formen von Proto-Metal-Genres gewissermaßen einen Markt, der sofort “Kult!” schreit. Das verbessert die eher subtile Klasse der Kompositionen aber nicht, außer man ist überzeugt davon, dass “Fallen Angel Of Doom” unerhört progressiver Life Metal ist. Ansonsten war das Ding hier nicht ganz zu Unrecht jahrzehntelang verschollen.

27.06.2020

"The key of joy is disobedience."

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1 Kommentar zu 666 (Nor) - 666

  1. Headcleaner sagt:

    Natürlich will sich da kein Black-Metal-Feeling einstellen – weil es kein Black Metal ist! Völliger Kappes, das heute als Proto-BM zu vermarkten. Venom höre ich da auch nur ganz am Rande, dafür aber haufenweise Stooges (deren Veröffentlichungen zum Teil soundtechnisch auch nicht besser sind) und früh-80er skandinavischen HC-Punk. Interessantes Teil, aber aus heutiger Sicht nicht zu bewerten. 1985 hätte ich das hart gefeiert.